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14.05.08

Missverständnisse und andere Ungereimtheiten

Nicht ist so unproduktiv wie Missverständnisse. Wenn Menschen einander einfach nicht verstehen, kann keine gute Zusammenarbeit erfolgen. Was kann man dagegen tun?

«Ich habe Ihnen doch schon dreimal gesagt, dass Sie das Programm so und nicht anders einstellen müssen», entfährt es Kollege Wüterich zum Beispiel, wenn Kollege Schwervonbegriff zum vierten Mal die gleiche Frage stellt. Und er fragt sich: Warum versteht der mich bloß nicht?

Dieses noch relativ harmlose Beispiel zeigt: Missverständnisse können zu einem ernsten Problem werden. Dann nämlich, wenn aus dem Nicht-Verstehen Frust und schließlich eine handfeste Auseinandersetzung wird. Wenn der Geduldige, der das Programm wieder und wieder erklärt, schließlich die Nerven verliert und beleidigend wird, wird der Kritisierte von da an kein gutes Wort mehr über seinen Kollegen verlieren. An produktive Zusammenarbeit ist da nicht mehr zu denken.

Doch wie entstehen diese Situationen eigentlich? Und was kann man dagegen tun? Es gibt einige grundlegende Verhaltensmuster, die zu solchen Missverständissen führen können. Die häufigsten sind:

     

  1. Wir schließen von uns auf andere: Wahrscheinlich die häufigste Denkfalle - und die logischste. Denn wir wissen nun mal am besten, was in unserem Kopf vorgeht. Was der andere fühlt und denkt, können wir kaum wissen. Daher glauben wir gerne, er denke so wie wir.
  2. Wir schließen aus Erfahrungen auf die aktuelle Situation: Das kommt fast ebenso häufig vor. Du hast eine ähnliche Erfahrung schon einmal gemacht und glaubst nun, die Situation besser einschätzen zu können. Du glaubst etwa, dass der Kollege, weil er die letzten drei Mal, als Du sauer warst, nichts gesagt hat, gerade wieder sauer ist. Vielleicht ist die Sachlage aber jetzt ganz anders?
  3. Wir arbeiten an einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Mal angenommen, der Kollege in unserem Beispiel hat von vornherein gedacht, dass sein Kollege eigentlich ein bisschen blöd ist, und ihm deshalb die Funktion des Programms nur halbherzig erklärt - nach dem Motto: Der rafft das ja eh nicht. Dann fühlt er seine Meinung durch das Nachfragen des Kollegen nur bestätigt - die Erwartung hat sich selbst erfüllt.
  4. Wir passen unsere Schlussfolgerungen unseren Wünschen an: Dabei nimmt man zwar die eindeutig-zweideutige Reaktion seines Gegenübers wahr, interpretiert sie aber nach eigenem Gutdünken. Beispielsweise hat dich die nette Kollegin aus dem Nachbarbüro gerade angelächelt. Du denkst dann: «Oh, sie findet mich nett.» Kann natürlich sein. Aber genauso kann es sein, dass sie sich gerade über eine Gehaltserhöhung freut und nur zufällig in deine Richtung gelächelt hat.
  5. Wir passen unsere Schlussfolgerungen unseren Befürchtungen an: Auch das genaue Gegenteil ist möglich. Die Kollegin raunzt Dir eines Morgens ein sehr unfreundliches «Morgen» zu, und Du denkst: «Oh, die kann mich nicht leiden.» Vielleicht hat sie sich aber auch einfach eben über den Chef geärgert.

Du siehst, es gibt zig Möglichkeiten, einander falsch zu verstehen. Denn das ist in vielen Fällen einfach bequemer, als sich mit der «Wahrheit» auseinanderzusetzen. Es ist bequemer zu denken: «Die Kollegin mag mich nicht», als nachzufragen und abgewiesen zu werden. Es ist einfacher zu glauben, der Kollege sei wirklich dumm, als herauszufinden, warum er die Erklärung nicht verstanden hat. Und vor allem: Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass wir mit dem Einschätzen anderer Menschen auch richtig liegen können. Und oft genug hat uns genau die Fähigkeit, Menschen und Situationen aufgrund unserer Erfahrungen richtig einzuschätzen, vor weiteren Problemen gewarnt.

An sich ist das Vertrauen auf die eigene Einschätzung also nichts schlechtes. Aber mach Dir klar: Es ist ein Fehler, zu glauben, Du könntest andere Menschen und Situationen immer und absolut richtig einschätzen. Es ist schlicht falsch, auf diese Weise zu verallgemeinern. Gehe lieber gegen Deine Denkfehler vor.

Den ersten Schritt dazu machst Du vielleicht gerade, indem Du diesen Artikel liest - Du erkennst mögliche Denkfehler. Denn der erste Schritt besteht immer darin, Denkfallen zu benennen. Wenn Du dann das nächste Mal hineintappst, wirst Du möglicherweise (hoffentlich) denken: «Moment - bin ich etwa gerade wieder dabei, Gedanken zu lesen?»

Hinterfrage dann Deine Annahme. Ist der Kollege wirklich so dumm, die Kollegin wirklich sauer auf dich? Du kannst Deine erste Einschätzung auch aufschreiben - schriftlich lässt es sich leichter analysieren.

Eine weitere Methode: Überprüfe die Annahme. Das erfordert Mut, denn es bedeutet, dass Du anderen Menschen Deine Gefühle und Einschätzungen offenbarst - und vielleicht abgewiesen wirst. Aber frag doch die nette Kollegin einfach mal, ob sie mit Dir essen geht. Mehr als «Nein» sagen kann sie ja nicht.

Zwei Artikel zu ähnlichen Themen möchte ich Euch noch ans Herz legen: Wie man Kritik produktiv nutzen kann und Warum uns Verallgemeinerungen das Leben vermiesen .

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