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03.09.12

Miriam Meckel und ihr Glück der Unerreichbarkeit I/II: Wie entsteht Burnout?

Unsere heutige Arbeits- und Lebenswelt verlangt einiges von uns ab. Technologie wirkt dabei nicht immer nur unterstützend, sondern macht viele von uns auch zu Getriebenen.

Wer den Lebenslauf von Miriam Meckle liest, der wundert sich nicht, dass sie an Burnout erkrankte: Zunächst Journalistin, im Jahr 1999 jüngste Lehrstuhlinhaberin Deutschlands, 2001 Staatssekretärin und Regierungssprecherin von Nordrhein-Westfalen, heute Professorin und Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen.

Burnout - nicht nur für Promis

Doch Burnout überfällt nicht nur besonders erfolgreiche Promis: Nach Untersuchungen deutscher Betriebskrankenkassen ist jeder zweite Arbeitnehmer in unserem Land von Burnout bedroht. Burnout ist ein Prozess, der sich über Wochen und Monate, manchmal über Jahre hin erstreckt und durch Dauerstress ausgelöst wird. Alleinerziehende Mütter mit Vielfachbelastung, Selbständige ohne die Möglichkeit, zu delegieren oder Hausfrauen, die Familie, Haushalt, Kinder und womöglich die Pflege der Eltern managen, dürften mindestens in gleichem Maße bedroht sein wie erfolgreiche Manager oder Prominente wie Miriam Meckel. Burnout trifft die Fleißigen. Die, die brennen für das, was sie tun. Denn, nur wer gebrannt hat, kann ausbrennen.

Ein Faktor aber, der in den letzten Jahren zunehemend aktuell wird, ist die Überforderung durch die moderne Technik und das Gefühl, ständig und rund um die Uhr auf Abruf bereit stehen zu müssen. Hier noch eine E-Mail, da noch ein Tweet, da eine SMS. Ständig hat man das Gefühl, antworten und kommunizieren zu müssen. Und die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen immer mehr.

Überfordert durch die moderne Technik?

Meckel etwa hatte noch 2007, kurz bevor sie an Burnout erkrankte und sich in Behandlung begeben musste, in ihrem Buch Das Glück der Unerreichbarkeit zu ihrer Überforderung durch die moderne Technik bekannt. Darin zeigt sich Meckel als Sklavin ihres Blackberrys, der sie unentwegt zur Kommunikation zwingt, ihr keine Zeit zu notwendigen Ruhepausen lässt und auch in jede noch so private Situation eindringt. Auf Seite 139 ihres Buches charakterisiert sie treffend, wohin die Reise geht:

Neo-Nomaden werden Schritt für Schritt zum Normalfall unserer Arbeits- und Lebenswelt. Arbeit wird immer stärker 'virtualisiert', Stichwort Conference Call. Wir können alles überallhin mitnehmen, was wir zum Arbeiten brauchen. Das erleichtert einerseits die Mobilität und lässte es beispielsweise auch einmal zu, schon donnerstags nach Hause oder erst dienstags ins Büro zu fahren. Andererseits bedeutete es, dass zu Hause eben nicht das Privatleben beginnt, sondern die Arbeit unter anderen Vorzeichen und in anderer Umgebung fortgesetzt wird.

Doch ist Burnout tatsächlich die logische Folge einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der nur am Ball bleibt, wer ständig erreichbar ist und schnellstmöglich reagieren kann? Das klingt beängstigend logisch – und ist doch die falsche Schlussfolgerung. Denn an unserer Überforderung tragen nicht etwa die technische Entwicklung oder andere Menschen schuld, sondern alleine wir selbt. Und nur wir selbst können etwas dagegen tun. Was, das beschreibe ich im zweiten Teil des Artikels.

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