<< Themensammlung Organisieren

27.02.13

Love it or leave it: Was tun, wenn's im Job nicht mehr stimmt

Wer über die Schattenseiten seines Jobs spricht, hört schnell mal «Love it or leave it» – «Wenn Du Deinen Job nicht mehr liebst, dann wechsle!» Das ist aber selten die richtige Lösung. Warum das so ist und wie man es schafft, die Freude am Job zurückzugewinnen, skizziere ich in der Folge: Zurück zur Zufriedenheit in drei Stufen.

Rund 20% unserer Zeit verbringen die meisten von uns im Job, 1760 Stunden im Jahr. Da ist es nur vernünftig, darauf zu achten, dass uns die Arbeit und die Menschen im Unternehmen passen.

Leider sieht die Realität allzuoft nicht rosig aus: die Launen des morgenmuffligen Kollegen steckt man nicht mehr so einfach weg wie früher, die Kundenreklamationen nehmen zu, die in Aussicht gestellte Weiterbildung ist dem Rotstift zum Opfer gefallen. «Früher hat mir mein Job doch um einiges besser gefallen», erzählt man dann im Freundeskreis. «Love it or leave it – Du musst wechseln!», sagt dann einer und signalisiert mit einem Achselzucken, es gebe nur diese Lösung.

100% glücklich im Job - ist das realistisch?

Realistisch? Nein! Es ist wirklich unsinnig, stets 100% anzustreben. Das gilt für die Erwartungen an seine Ehe oder an das Wetter während der Badeferien genauso wie an seine Zufriedenheit im Job. Das Leben an sich ist nicht perfekt, wir selbst sind es nicht und die anderen auch nicht. Wer das nicht akzeptiert und nicht damit umgehen kann, erreicht nur eines: Unzufriedenheit.

Was kann ich dagegen tun?

In den allermeisten Fällen hilft ein 3-Stufen-Programm, mit den Unzulänglichkeiten im Joballtag besser umzugehen und gezielt Gegensteuer zu geben:

     

  1. 80 % ist ok: Wenn man weiss, dass das Leben nicht perfekt ist, dann ist es sinnvoll und nützlich, nach der 80/20-Regel (in Anlehnung an das Pareto-Prinzip) anzuerkennen, dass 80% Zufriedenheit mit meinem Job gut oder sogar sehr gut sind. Das Unperfekte zu akzeptieren ist der Schlüssel (und hat nichts mit Resignation zu tun!).
  2. Was will ich, was nicht?: Oft reicht es, eine kleine Standortbestimmung durchzuführen, um zu erkennen, was man wirklich will (z.B. «meine Englisch-Kenntnisse täglich anwenden») und was man unter keinen Umständen will («Aufgabe, in der ich mich mehrheitlich mit Zahlen rumschlagen muss»). Dieses Arbeitsblatt hilft dabei: Erwartungen an meinen Job – Mini-Standortbestimmung (PDF)
  3. Gezielt verändern, bewusst akzeptieren: Im letzten Schritt geht es darum, jene Bereiche zu identifizieren und gezielt zu verbessern, die einem wichtig und zugleich weniger als 80% ok sind (z.B. Gespräch mit dem Chef mit dem Ziel, die Englischkenntnisse wieder häufiger einsetzen können). Zudem ist es enorm entlastend, die nicht so wichtigen Dinge einfach zu akzeptieren.

Und wenn das nicht hilft?

Mit 10 Jahren Erfahrung als Jobcoach kann ich sagen, dass mit diesem Vorgehen in über 90% der Fälle die Betroffenen entscheiden, die Stelle nicht zu wechseln und danach wieder Zufriedenheit und Freude an ihrer Aufgabe haben.

Wenn aber das 3-Stufen-Programm (und ggf. andere Massnahmen) nach einer gewissen «Geduldszeit» nicht wirkt und die Zufriedenheit noch immer unterdurchschnittlich ist, dann ist es wohl wirklich an der Zeit, einen neuen Job zu suchen. Einfach nicht vergessen: Auch bei der Auswahl der neuen Stelle gilt: «80% ist ok»!

 

Bild: Hobvias Sudoneighm bei flickr.com (CC BY 2.0) 

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer