12.04.13 10:36

, von Martin Weigert

Lehren aus 2313 Blogbeiträgen: Wie ich kreativ bleibe

Wer täglich Artikel schreibt oder anderweitig kreativ tätig ist, muss aktiv Maßnahmen treffen, um einfallsreich zu bleiben. Hier sind einige Beobachtungen aus und Ratschläge nach 2313 Blogbeiträgen.

KreativitätVor mehr als sechs Jahren schrieb ich meinen ersten Blogbeitrag. Dieser Text ist Artikel Nummer 2313. Von kurzen Phasen geringerer Aktivität und wenigen Urlaubswochen ausgenommen verging seit März 2007 kein Werktag, an dem ich nicht mindestens einen, zumeist aber zwei Beiträge verfasst habe. Zu Beginn für mein privates Blog, später dann für netzwertig.com. In dieser Zeit habe ich unheimlich viel gelernt. Vor allem, welche Maßnahmen ich ergreifen muss, um einen maximalen kreativen Output zu erreichen. Genau dieser ist essentiell, will man Tag für Tag lesenswerte, interessante, informative und inspirierende Texte publizieren. Dass einem gelegentlich die Ideen ausgehen, lässt sich freilich nicht vermeiden. Auch hilft eine gewisse analytische Veranlagung wahrscheinlich dabei, dass ich mich stets relativ schnell aus Phasen absoluter Einfallslosigkeit befreien kann. Doch davon abgesehen konnte ich dank meiner Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre viel darüber herausfinden, welche Weichen ich stellen muss, um möglichst jederzeit einen effektiven Kreativitätsprozes zu aktivieren. Hier sind einige Empfehlungen und Ratschläge, mit denen sich die grauen Zellen dazu animieren lassen, Ideen für Texte und andere, Kreativität erfordernde Prozesse zu produzieren. 1. Schlaf

Unzählige Studien attestieren Schlaf eine kreativitätsfördernde Eigenschaft, und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dies nur bestätigen: Häufig lege ich mich abends ins Bett, ohne einen Schimmer davon zu haben, worüber ich am Folgetag schreiben werde. Doch schon kurz nach dem Aufstehen sowie der Sichtung der aktuellen Nachrichtensituation fallen mir Textideen regelrecht in den Schoß - mitunter zu Themen, die mit den aktuellen Ereignissen gar nichts zu tun haben. Derzeit experimentiere ich damit, inwieweit sich dieser Effekt auch mit einem kurzen "Mittagsschlaf" erreichen lässt. Wobei ich hier noch Schwierigkeiten habe, dies in eine regelmäßige Routine zu verwandeln.

2. Meditation

Seit einem halben Jahr meditiere ich einmal täglich (mit dieser App). Zu Anfang jeweils 15 Minuten, mittlerweile 20 bis 30. Ähnlich wie beim Schlafen scheint der Prozess des "Reinigens der Gedanken" die positive Nebenwirkung zu haben, dass er unmittelbar danach den Einfallsreichtum fördert. Obwohl das Ziel der Meditation eigentlich ist, nicht zu viel zu grübeln, geschieht es manchmal bereits während des Vorgangs, dass mir Ideen zu möglichen Texten kommen. Das steht dann zwar einer effektvollen Meditation im Wege, aber hat einen anderen offensichtlichen Vorteil.

3. Sport

Sport, etwa Jogging oder ein Besuch im Fitnessstudio, zwingt mich regelrecht dazu, eine Pause zu machen und meinen Fokus anderen Dingen zu widmen. Nicht selten weiß ich bei der Rückkehr an meinen Schreibtisch genau, welchen Artikel ich als nächstes in Angriff nehmen werde. Im Idealfall habe ich die Hälfte sogar schon gedanklich geschrieben.

4. Ideenliste

Natürlich führe ich eine Liste mit potenziellen Artikelideen. Manche Einträge auf dieser sind schon Monate alt, andere wiederum verweilen dort nur wenige Stunden oder Tage, bevor sie verwirklicht werden. Viele der aufgeführten Stichpunkte verfeinere ich im Laufe der Zeit oder ergänze sie um zusätzliche Aspekte. Nach und nach "wachsen" die Ideen, bis sie reif für die "Ernte" sind.

5. Duschen

Es existieren verschiedene Untersuchungen zu den positiven Auswirkungen des Duschens auf den Kreativitätsprozess. Einige Erkärungsversuche gibt es hier. Mir kamen schon so viele gute Einfälle während des Duschens, dass ich dies für mich tatsächlich als eines der besten Verfahren ausgemacht habe, um erleuchtende Gedanken und Geistesblitze zu produzieren.

6. Tapetenwechsel

Ein Grund, warum ich das digitale Nomadentum schätze, ist der damit verbundene Umgebungs- und Tapetenwechsel. Wer sich für einige Zeit in einer fremden Stadt oder einem fernen Land befindet, profitiert zwangsläufig von neuen, den eigenen Horizont erweiternden Erlebnissen.

7. Sich mit neuen Menschen umgeben

Auch der Austausch mit neuen Menschen wirkt sich positiv auf die Kreativität aus, denn die damit verbundenen frischen Sichtweisen beeinflussen das eigene Empfinden und Denken. Wer das digitale Nomadentum fröhnt, der bekommt dies praktischerweise "frei Haus". Alle fest an einem Ort verwurzelten Kreativen, die an neuen Perspektiven interessiert sind, müssen aktiv ihre "Comfort Zone" verlassen und aus ihrem gewohnten Umfeld temporär ausbrechen.

8. Routinen vermeiden

Meiner Ansicht nach gibt es gute Routinen und schlechte Routinen. Die guten wirken sich unmittelbar produktivitätssteigernd aus - etwa das frühzeitige Aufstehen, die morgendliche Laufrunde oder der regelmäßige "Power Nap" zu einem vorgegebenen Zeitpunkt. Wenn der Alltag jedoch ausschließlich aus Routinen und Gewohnheiten besteht, dann sehe ich die Gefahr des "Einrostens" mit daraus folgenden Einschränkungen der Kreativität. Deshalb zwinge ich mich immer wieder zu kleineren Veränderungen der Abläufe. Dabei kann es schon ausreichen, zum Mittagessen einmal ganz woanders hinzugehen als üblich, oder einmal mit dem virtuellen Büro einige Stunden in ein Café am anderen Ende der Stadt zu "ziehen".

9. Auszeiten

Manchmal ist eine Auszeit erforderlich, um das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren und das Unbewusste seine Arbeit verrichten zu lassen. Einige Tage Urlaub wirken sich für mich unglaublich positiv auf die Kreativität aus. Üblicherweise sammeln sich in dieser Zeit zahlreiche Ideen auf meiner Artikelliste an, deren Umsetzung ich dann kaum abwarten kann.

Habt ihr ergänzende Tipps, wie ihr eure Kreativität stimuliert? /mw

Foto: stock.xchng/ynsle

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Kommentare: Lehren aus 2313 Blogbeiträgen: Wie ich kreativ bleibe

Ist ja alles ganz schön und gut und vielleicht ist dieser Kommentar auch halbwegs überflüssig. Aber ich bekomme immer leichte Bauchschmerzen, wenn ich lese, dass wir Sport und Meditation machen, um bessere Ideen zu bekommen, um mehr Leistung zu bringen. Es geht ein bisschen verloren, dass Sport und Meditation und all die schönen Sachen, die hier völlig zurecht stehen, auch einfach ein Wert an sich sind. Ich mache Sport, weil ich den Sport liebe. Ich meditiere für mein "Seelenheil". Ich schlafe auch gern und so weiter. Also ganz kurz: All die "Aktivitäten" hier sind für sich genommen und schon wunderbar, nicht nur, weil sie helfen, irgendwas anderes zu erreichen. Für weitere Tipps empfehle ich den Blog "zenhabits.net".

Diese Nachricht wurde von Ohle am 12.04.13 (14:13:52) kommentiert.

Du hast völlig Recht. Und ich mache das alles auch nicht nur wegen der Kreativität;)

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 12.04.13 (16:11:51) kommentiert.

Kann die von Martin genannten Punkte nur unterschreiben. Ich mache da ganz ähnliche Erfahrungen und bin da trotzdem nicht immer ganz konsequent ;) Ich würde für mich sogar sagen, dass meine Kreativität eine Art Maß dafür ist, wie gut es mir geht. Auch beim Schreiben kann man schließlich routiniert und mechanisch sein. Man kann Dinge abarbeiten. Sie "erledigen". Wenn ich feststelle, dass mir das passiert, dann ist das ein Warnsignal für mich. Insofern stimmt es umgekehrt für mich auf jeden Fall: Was meine Kreativität fördert, ist auch sonst für mich förderlich.

Diese Nachricht wurde von Jan am 12.04.13 (21:54:54) kommentiert.

True story!

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 13.04.13 (07:26:43) kommentiert.

Ich stimme dir vollkommen zu. Die Besten Ideen, seien es Text- oder Geschäftsideen, habe ich beim Duschen oder beim / nach dem Sport. Es kann auch einmal ganz hilfreich sein sich mit anderen Personen über die Themen, die einen interessieren oder beschäftigen zu unterhalten. Oft hilft die andere Sichtweise, seine eigene zu erweitern. Grüße

Diese Nachricht wurde von Finanzgrund am 13.04.13 (07:44:25) kommentiert.

Alle aufgeführten Techniken können helfen eine gewisse geistige Frische zu erhalten oder zu fördern, sollten allerdings immer Selbstzweck bleiben. Wer z.B. nur läuft, um Ideen zu finden, baut letztendlich nur Stress auf. Nach meinen Erfahrungen verabredet man sich zum Laufen idealerweise mit ein oder zwei leistungsgleichen Partnern aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Dadurch entstehen für Euren Lauf 3 Optionen, die allesamt kreativitätsfördernd sind. 1. Euer Training mutiert zum Wettkampf, so dass es keinen Sauerstoff zum Nachdenken gibt und ihr komplett abschalten könnt. 2. Ihr tauscht euch über Projekte im Berufsalltag aus. Eure Reflexion und die - völlig andere - Sichtweise eures Partners führen oftmals zu Problemlösungen. 3. Ihr redet über sportliche Ziele und darüber wie sie zu erreichen sind.

Diese Nachricht wurde von Uwe am 14.04.13 (07:09:23) kommentiert.

Naja, wenn ich so überlege habe ich meine besten Ideen oft kurz vor dem Einschlafen. Ich beschäftige mich tagsüber mit etwas und im Bett denke ich weiter darüber nach. Und manchmal - zack - da ist die Idee für das nächste Projekt! Dann dauert das mit dem Einschlafen wieder länger :)

Diese Nachricht wurde von Adam am 14.04.13 (09:42:37) kommentiert.

Kreativ ist man vor allem im R-Modus, dass heisst mit der rechten Gehirnhälfte. Normalerweise dominiert allerdings die linke Gehirnhälfte, wir sind dann im L-Modus. Wer zum Beispiel Zeichnen lernt, lernt zuerst vom L-Modus in den R-Modus umzuschalten, da der L-Modus es verhindert, Objekte ganzheitlich und gleichzeitig detailiert zu betrachten. Meditation kann den R-Modus begünstigen, weil man durch das Meditieren die linke Gehirnhälfte zum Schweigen bringt. Man balanciert die Gehirnhälften sozusagen aus und schafft dadurch vor Allem Synergieeffekte. Wer oft kreativ sein muss, sollte sich auf jeden Fall auch mit den verschiedenen Modi unseres Gehirn befassen.

Diese Nachricht wurde von Till am 14.04.13 (10:36:05) kommentiert.

Das Wichtigste hast du sicher vergessen: Ein aufgeprägtes Interesse für die Dinge, über die du schreibst - und ergo vermutlich stetige Auseinandersetzung mit ihnen, inkl. stetiger Information.

Diese Nachricht wurde von Michael am 15.04.13 (01:22:24) kommentiert.

Ich denke viel beim Auto fahren nach, dabei kommen mir viele Ideen. Täglich eine halbe Stunde zur Arbeit und zurück. Jetzt bin ich noch auf der Suche nach Notizmöglichkeiten, ohne dass mich die Polizei anhält :-)

Diese Nachricht wurde von Anna im Backwahn am 15.04.13 (08:15:46) kommentiert.

All diese Punkte würde ich auch anführen, lieber Martin! :-) Zwei weitere fehlen mir allerdings... Der eine ist: ENERGIEARBEIT (wie z.B. Jin Shin Jyutsu), denn am kreativsten sind wir Menschen, wenn wir gut "im Fluß" und "in unserer Mitte" sind, gut verbunden mit der Urquelle (wobei natürlich alles genannte als "Energiearbeit" gesehen werden kann :-)) und der andere Punkt ist STichwort NATUR... Spaziergänge, Platz nehmen im Wald oder auf einer Wiese, an einem Bach oder einem See, eine Baummeditation, Wildkräuterwanderung, usw. - in Stille und Ruhe sich mit der Natur zu verbinden, bringt uns alle wieder zu unserer eigenen Natur, die von Haus aus und natürlicherweise kreativ und "im Flow" ist :-) In diesem Sinne... einen tollen, fließenden Tag! Sonnige Herzensgrüße, Sonja sonjamayerhofer.wordpress.com

Diese Nachricht wurde von sonjamayerhofer.wordpress.com am 15.04.13 (08:27:28) kommentiert.

Interessant, dass Du Schlaf als Erstes aufgeführt hast - ein gute Wahl! Denn im Alltag ist das Problem ja nicht nur, auf frische Ideen zu kommen, man muss auch die Kraft haben, sie umzusetzen. Dieser Energie-Aspekt ist beim täglichen Bloggen, gerade wenn es anspruchsvolle Artikel werden sollen, kaum zu überschätzen. Was mir in der Liste noch fehlt, ist, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Wer gut geschlafen hat, meditiert und sich sogar noch Auszeiten nimmt, hat da natürlich schon gute Voraussetzungen dafür, auch beim Arbeiten "in sich zu ruhen". Auf mich wirkt Stille kreativitätsfördernd. Nur für sich allein im eng begrenzten Schein der Schreibtischlampe, mit Papier und Bleistift kann man abends (es sollte draußen dunkel sein) die besten Ideen verfolgen.

Diese Nachricht wurde von Oliver Springer am 17.04.13 (12:56:55) kommentiert.
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