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31.08.09Leser-Kommentare

Kompetenzprofil: Wissen, was man kann und weiß

Die eigenen Stärken zu kennen ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben. Das sagt sich so leicht, aber was kann ich denn besonders gut, und was weiß ich überhaupt alles? Eine persönliche «Kompetenzenbilanz» bringt Licht ins Dunkel.

«Erfolg haben diejenigen, die ihre Stärken, ihre Werte und ihren eigenen Arbeitsstil kennen.» So habe ich Peter Drucker in diesem Beitrag zusammengefasst und dazu aufgefordert, sich der eigenen Stärken bewusst zu werden. Eine Möglichkeit ist, die eigenen Kompetenzen zu «bilanzieren». Dieses Instrument - in der Schweiz nennt man es meist Kompetenzenbilanz, in Deutschland häufiger Kompetenzbilanz oder Kompetenzprofil - ist in der Berufs- und Laufbahnberatung seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Auch in der Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen spielt es eine wichtige Rolle. Für Angestellte oder Freelancer kann es etwa die Bewerbungsunterlagen oder das Portfolio ergänzen.

Beatrice KutterIch habe mit Beatrice Kutter darüber gesprochen, was eine Kompetenzenbilanz ist und was sie bringt. Beatrice, Fachpsychologin für Laufbahn- und Personalpsychologie, leitet in der Schweiz die Beratungsstelle für Kompetenzenbilanzen des Kantons Zürich. Sie hat sich auch bereit erklärt, Fragen von Euch direkt zu beantworten. Wenn Ihr also mehr wissen wollt, stellt Eure Frage hier per Kommentar.

Beatrice, was ist eine Kompetenzenbilanz?

Eine Kompetenzenbilanz ist eine Momentaufnahme von allem, was ich weiß und was ich kann, und zwar egal, wo ich’s gelernt habe. Ich kann eine Kompetenzenbilanz auf verschiedene Arten nutzen: Etwa als Standortbestimmung, die als Ausgangslage für eine persönliche Weiterentwicklung dient. Oder als Ergänzung meiner Bewerbungsunterlagen und zur Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen.

Was bringt mir als Angestellter oder Freelancer eine Kompetenzenbilanz? Wie kann ich sie nutzen?

Ich kann meine aktuellen, persönlichen Stärken besser kommunizieren, kann mich besser positionieren und verkaufen. Sie kann auch eine Grundlage für die Entwicklung sein: Was sind meine Stärken, die ich noch ausbauen will? Wo bin ich schon sehr gut und kann mit wenig Aufwand zum Top-Spezialisten werden? Natürlich habe ich mit einer Kompetenzenbilanz auch ein Bild davon, welche Kompetenz-Lücken ich allenfalls noch schließen muss. Als Resultat einer Kompetenzenbilanzierung kann ich zudem ein Kompetenzprofil zusammenstellen. Angepasst auf einen ausgeschriebenen Job lege ich dieses Profil meinen Bewerbungsunterlagen bei.

Und wo ist der Unterschied zu ‚herkömmlichen’ Bewerbungsunterlagen?

Der Unterschied besteht darin, dass ein Kompetenzprofil auf der Basis einer Bilanzierung glaubwürdiger ist als ein Kompetenzprofil, das ich mittels eines Tests oder anderen Instrumenten zusammenstelle. Ich kann zu meinen bilanzierten Kompetenzen nämlich Verhaltensbeweise liefern. Ein Beispiel: Ich schreibe in meinem Kompetenzprofil, dass ich Probleme zielorientiert und strukturiert lösen kann. Wenn ich eine Kompetenzenbilanz gemacht habe, sind dies nicht nur leere Worte, sondern ich beschreibe konkrete Situationen und zeige auf, wo ich das gelernt, professionalisiert und erfolgreich umgesetzt habe.

Ich sehe häufig CVs, die eine Auflistung von formalen Bildungsabschlüssen und beruflichen Funktionen sind. Ein Kompetenzprofil ergänzt diese Zusammenstellung um Fähigkeiten, die ich informell erworben habe und ist eine für den Job relevante Zusammenfassung der wichtigsten Kompetenzen. Ich habe kürzlich einen CV erhalten, der nicht chronologisch, sondern kompetenzorientiert aufgebaut war. Das hat mir sehr gut gefallen, denn als Arbeitgeberin interessiert mich vor allem, was jemand kann und wo ich diese Person einsetzen kann.

Du hast die informell erworbenen Kompetenzen erwähnt. Wieso werden die immer wichtiger?

Etwa 70 Prozent unseres Wissens und Könnens lernen wir nicht in formalen Aus- und Weiterbildungen, sondern beiläufig – am Arbeitsplatz, bei Hobbys, in der Familienarbeit oder durch ehrenamtliche Engagements. Die so informell gelernten Fähigkeiten sind uns häufig nicht bewusst, weil wir sie eben nebenbei erwerben und perfektionieren. Hier setzt die Kompetenzenbilanz an: Sie bringt diese Fähigkeiten ans Licht. Zudem stärkt sie auch das Selbstbewusstsein: Wenn ich mir erarbeitet habe, was ich alles kann, kann ich mich auch glaubwürdiger verkaufen.

Es gibt sogar Möglichkeiten, informelle Kompetenzen für einen formalen Berufsabschluss oder für eine Zulassung zu einer Weiterbildung anerkennen zu lassen. Unter dem Stichwort ‚Validierung von Bildungsleistungen’ sind in Europa zahlreiche Projekte am Laufen. Der Kopenhagen-Prozess will Bildungsabschlüsse auf der Ebene der Handlungskompetenzen vergleichbar machen, um mit der wachsenden Mobilität der Arbeitskräfte einen Maßstab für den Einsatz dieser Menschen im Arbeitsmarkt zu haben.

Und wie erstelle ich konkret meine eigene Kompetenzenbilanz?

Der Prozess der Kompetenzenbilanzierung umfasst verschiedene Schritte.

     

  1. Zuerst sammle ich die vorhandenen Kompetenzen: Dabei geht es in erster Linie darum zu analysieren, was ich bisher in meinem Leben alles gemacht und erlebt habe und was ich dabei gelernt habe: Was hat mich geprägt? Das nennt man Biographiearbeit. Auch die Analyse von Arbeitszeugnissen, das Einholen von Fremdbeurteilungen (Wie sehen mich meine Arbeitkollegen, Freunde?) oder das Erzählen von Erfolgsgeschichten können einen auf bisher nicht bewusste Kompetenzen bringen.
  2. Dann beurteile ich die gesammelten Kompetenzen: Wie gut kann ich das heute noch? Wie begründe ich meine Beurteilung glaubwürdig?
  3. Zu guter Letzt wähle ich die für mich wichtigen Kompetenzen aus: Wo liegen meine ausgeprägten Stärken? Was zählt für mich besonders? Was zeichnet mich besonders aus?

Wenn ich die aktuelle, für mich relevante Zusammenstellung der Kompetenzen habe, mache ich mir Gedanken über die nächsten Schritte: Wo könnte ich diese Stärken noch mehr zum Ausdruck bringen? Mit welchen Weiterbildungen könnte ich mein Profil abrunden?

Welche Instrumente und Hilfsmittel gibt es dazu?

Im deutschsprachigen Raum gibt es unterschiedliche Instrumente. Unter dem Stichwort ‚Kompetenzen-Portfolio’ oder ‚Kompetenzenmanagement’ findet man zahlreiche Instrumente und Angebote. Es gibt Anbieter, die Unterstützung im Bilanzierungsprozess in Form von Seminaren oder Coachings anbieten. Man kann einen solchen Prozess aber auch alleine durchlaufen.

Falls jemand Unterstützung beanspruchen will, würde ich persönlich einen Anbieter bevorzugen, der mit der Berufswelt vertraut ist, etwa Institutionen der Berufs- und Laufbahnberatung. Diese Leute unterstützen nicht nur während des Bilanzierungsprozesses, sondern helfen auch, die eigenen Kompetenzen für den Arbeitsmarkt zu übersetzen. Die Frage «Was mache ich jetzt mit meinen Kompetenzen» ist nämlich nicht immer ganz einfach selber zu beantworten.

Wie oben erwähnt, wird Beatrice Eure Fragen direkt in unserer Kommentarspalte beantworten. Wer also mehr wissen möchte – einfach fragen. Ein Beispiel für eine Kompetenzenbilanz stellt uns Beatrice mit diesem Muster-Kompetenzenprofil als pdf zur Verfügung.

Kommentare

  • Frank

    03.09.09 (14:13:32)

    Hallo, mit 43 Jahren und nach 15 Berufsjahren ist es unmöglich, eine lückenlose Kompetenzbilanz zu erstellen! Bestenfalls gelingt das für die letzten 2-3 Jahre. Wie wirkt eine solche "unvollständige Kompetenzbilanz", die erst im Jahr 2006 beginnt? Gibt es Beispiele konkreter anonymisierter Kompetenzbilanzen, die hier veröffentlicht werden können??

  • Beatrice

    03.09.09 (18:16:32)

    @Frank Genau für Leute mit vielen Jahren Berufserfahrung ist die Kompetenzenbilanz gedacht! Im Unterschied zum CV ist die Kompetenzenbilanz ja nicht lückenlos und chronologisch, sondern ausgewählt und zusammengestellt nach persönlichen Kriterien. Häufig merken nämlich Personen während des Prozesses plötzlich, dass es in ihrem Leben einen "roten Faden" gibt, dass sich die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten verdichten lassen in die dahinter stehenden Fähigkeiten und Kompetenzen. Sie merken: "Am meisten Freude macht es mir, wenn ich die Fäden in der Hand halten, wenn ich organisieren und koordinieren kann." Oder: "Dort, wo ich mit andern verhandeln kann, bin ich in meinem Element. Egal in welchem Job, Hobby oder sonstiger Tätigkeit ich mich engagiert habe, es ging eigentlich immer darum, zu verhandeln." Zum Beispiel: Eine gesamte Kompetenzenbilanz hier zu publizieren würde den Rahmen sprengen. Am Ende des Artikels wurde aber neu ein reales, anonymisiertes Kompetenzenprofil aufgeschaltet, das aufgrund eines Bilanzierungsprozesses zusammengestellt ist und vom Kanidaten als Zusatz zum CV verwendet wurde.

  • Frank

    04.09.09 (10:13:25)

    @Beatrice, danke für die ausführliche Antwort und das hinzugefügte Kompetenzenprofil - sehr hilfreich!

  • Malte Landwehr

    05.09.09 (15:14:39)

    Es es Absicht, dass im Muster lediglich Softskills und keinerlei fachbezogene Kompetenzen aufgeführt werden? Das würde meiner Ansicht nach mehr Sinn ergeben.

  • Beatrice

    06.09.09 (10:46:04)

    @malte Welche Kompetenzen ins Profil aufgenommen werden, entscheidet jeder selber. Viele Leute, die ihren CV mit einem solchen Kompetenzprofil erweitern möchten, entscheiden sich, v.a. Methoden- und Sozial- und Selbstkompetenzen aufzunehmen, weil sie annehmen, dass die Fachkompetenzen aus der Liste ihrer Aus- und Weiterbildungen bzw. Arbeitstätigkeiten hervorgehen. Aber, du hast vollkommen recht, es kann natürlich je nach Fragestellung durchaus Sinn machen, seine Fachkompetenzen zu fokussieren. Beispielsweise dann, wenn eine Stellenausschreibung spezifische Fachkompetenzen verlangt und jemand diese hervorheben möchte oder wenn diese Fachkompetenzen auf informellem Weg erworben wurden, und deshalb nicht aus den Aus- und Weiterbildungen ersichtlich sind. Ich hatte auch schon Kandidaten, die sich eine Entscheidungsgrundlage für die Wahl der passenden Weiterbildung erarbeiten wollten. Hier ist es unter Umständen auch sinnvoll, die fachlichen Kompetezen bzw. Lücken zu bestimmen.

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