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05.08.09Leser-Kommentare

Karriereglück in der Wissensökonomie: Druckers fünf Fragen

Eure Arbeitgeber, liebe Wissensarbeiterin und lieber Wissensarbeiter, werden sich nicht um Eure Karriere kümmern. Unter dem Titel «Managing Oneself» schlug Peter F. Drucker vor 10 Jahren deshalb fünf einfache Fragen vor, mit denen man in der Knowledge Economy sein Karriere- und Berufsglück findet.

Peter F. DruckerPeter F. Drucker, sozusagen ein Titan der Management-Lehre (seine Biographie auf Wikipedia), besticht auch in diesem Fall durch seine herausragenden Eigenschaften: Einfachheit, Systematik und gesunder Menschenverstand. Karriere mache, so Drucker, wer bereit ist, auftauchende Gelegenheiten am Schopf zu packen, denn die Karriere kann heute nicht mehr geplant werden. Erfolg haben diejenigen, die ihre Stärken, ihre Werte und ihren eigenen Arbeitsstil kennen. 1999 formulierte er in einem Artikel in der «Harvard Business Review» dazu fünf Fragen. Fünf Fragen, die in ihrer Einfachheit schon fast banal anmuten. Drei Punkte fragen nach Stärken, Werten und persönlichem Arbeitsstil. Die beiden letzten Fragen beantworten, was man mit diesen Erkenntnissen zu Gunsten seiner beruflichen Zufriedenheit anfängt:

Was sind meine Stärken?

Mit dieser Frage haben wir uns wohl schon alle auseinandergesetzt. Und fast jede Firma behauptet, Stärken von Mitarbeitern zu fördern und nutzen. Bloß, wenn man sich mal in Unternehmen umsieht: Defizitorientierung allenthalben. Was lief falsch, wo sind wir schwach, wer hat den Fehler gemacht? Druckers Statement kann deshalb nicht oft genug wiederholt werden: Nur dort, wo wir gut sind, haben wir das Potential zum Star-Performer. Also heißt es, die eigenen Stärken zu identifizieren und sich darin zu verbessern. Schwache Punkte ignorieren wir, solange man sie nicht braucht, um in den eigenen Stärken erfolgreich zu sein. Von «gut» auf «sehr gut» zu kommen, ist ein machbarer Schritt. Von «null» auf «durchschnittlich» zu kommen hingegen braucht sehr viel Energie. Und was bringt’s - mit «durchschnittlich» kommt man heute nicht weit.

Als Instrument schlägt Drucker eine Feedback-Analyse vor: Notiere Dir wichtige Entscheidungen und die Ergebnisse, die Du erwartest. Vergleiche nach ein paar Monate die eingetretenen Resultate mit Deinen Erwartungen. So siehst Du, wo Deine Stärken liegen, was Dich am hundertprozentigen Erfolg hindert und was Du gar nicht kannst. Nach zwei bis drei Jahren hast Du ein übersichtliches Bild Deiner Kompetenzen. (Hört sich lange an, aber: Wir planen 25 bis 50 Karrierejahre.)

Wie arbeite ich am besten?

Die zweite Frage, fast noch simpler als die erste. Aber sehr schwierig zu beantworten. Wie sieht Dein bevorzugter Arbeitsstil aus, wie lernst Du am einfachsten? Arbeitest Du lieber unter Druck, läufst Du in unruhigen Zeiten zu Hochform auf oder bevorzugst Du eine planbare Umgebung? Möchtest Du in einer großen Unternehmung oder in einer übersichtlichen Organisation arbeiten? Mit diesen Antworten sieht man, in welcher Umgebung und unter welchen Umständen die eigenen Stärken am besten zur Geltung kommen. Denn auch hier gilt: Versuche nicht, Dich zu ändern. Das wird Dir kaum gelingen. Aber arbeite hart daran, Deinen bevorzugten Arbeitsstil ständig zu verbessern und so zum Top-Performer zu werden. Eines der einfachsten und effektivsten Instrumente zu dieser Art der Selbstbeobachtung ist das Tagebuch - wie es etwa der Erfolgsautor David Sedaris seit Jahrzehnten einsetzt ( hier Florians Posting dazu ).

Was sind meine Werte?

Der deutsche Botschafter in England war auf dem Weg nach oben - mindestens Außenminister oder gar Kanzler würde er wohl werden. Bis er 1906 abrupt zurücktrat. Er sollte ein Dinner für König Edward VII, einen berüchtigten Frauenhelden, organisieren. Edward machte von Beginn an klar, welche Art von Unterhaltung er wünschte. Der Botschafter weigerte sich und trat zurück: Er wolle nicht einen Zuhälter sehen, wenn er beim Rasieren in den Spiegel schaue. Drucker illustriert mit diesem Beispiel seinen Spiegeltest. Eine simple Methode, um herauszufinden, welche Werte, welche Positionen mir wichtig sind. Dabei geht es nicht nur um Fragen der Ethik. Soll ein Unternehmen mit einem eher lang- oder kurzfristigen Fokus geführt werden? Ist es richtig, eigene Leute auf Führungspositionen zu setzen oder bringen externe Kandidaten frisches Blut? Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum, ob sich meine Werte mit denen des Unternehmens in Einklang bringen lassen. Keine einfache Frage, aber der Spiegeltest kann helfen. Stimme ich nicht mit den Werten meines Arbeitgebers überein, werde ich mein Potenzial in diesem Unternehmen kaum ausschöpfen können.

Wo gehöre ich hin?

Wir wissen nun um unsere Stärken, Werte und unseren Arbeitsstil. Diese Erkenntnisse lassen sich nutzen, um Aussagen zu machen, wo ich hingehöre. Wie sieht die Umgebung aus, in denen ich Überdurchschnittliches leisten kann? Oder, umgekehrt, wo und unter welchen Umständen will ich auf keinen Fall arbeiten? Dieses Wissen ist nützlich, wenn es darum geht, Job-Angebote und neue Projekte zu beurteilen: Will ich das tun oder nicht? Denn wie schon erwähnt: Karrieren lassen sich nicht planen. Karriere macht, wer bereit ist und auftauchende Gelegenheiten einschätzen kann - basierend auf dem Wissen um sich selbst.

Was kann ich beitragen?

Früher hat einem der Chef gesagt, was zu tun ist. Am besten auch noch, wann und in welcher Reihenfolge. Heute ist jeder und jede selbst aufgefordert, darüber nachzudenken, was man zum Erfolg des Unternehmens beitragen will. Kenne ich meine Stärken, meine bevorzugte Arbeitsmethode und meine Werte, fällt es mir leicht zu sagen, wo ich was beitragen kann, und was meine Einzigartigkeit ausmacht, die ich in das Projekt oder in den neuen Job reinbringen kann. Diese Zielformulierungen, empfiehlt Drucker, legt man sich am besten für 12 bis 18 Monate zurecht. Viel weiter darüber hinaus zu planen hält er nicht für sinnvoll. Dafür soll man sich überlegen, ob die Ziele ambitiös, aber realistisch sind, ob sie bedeutungsvoll sind, und ob sie sichtbar und messbar sind.

Wenig Aufwand für 50 Jahre

Druckers Ausführungen sind nicht revolutionär. Aber seine Ideen bilden einen gedanklichen Rahmen zur Karriere- und Berufsplanung, egal ob man sich nach dem Studium oder mit 45 Jahren damit auseinandersetzt. Druckers grundlegende Forderung ist von vielen seiner Nachfolgern übernommen worden: Die konsequente Ausrichtung an dem, was man gut kann. Und der Hinweis, die eigenen Stärken ständig zu stärken. Denn wie gesagt: Wer sich verändern will, hat wenig Erfolgsaussichten. Aber wer das Vorhandene besser nutzt, wird überdurchschnittliche und herausragende Resultate produzieren. Das Vorgehen ist einfach, verlangt dafür Disziplin und den Willen zur Selbstbeobachtung. Der investierte Aufwand rechtfertigt sich angesichts unseres immer länger andauernden Berufslebens allemal. Drucker hat das Thema der eigenen Karriere ausführlich behandelt, die hier vorgestellten fünf Fragen basieren auf seinem Buch Management Challenges for the 21st Century.

Kommentare

  • rebhuhn

    05.08.09 (13:44:20)

    hmhm... es gibt eine regel im journalismus: in den überschriften, den namen und den daten keine fehler! ;) na, was ist hier verletzt? [.. werde den artikel aber trotzdem später, wenn zeit ist, lesen :)]

  • Thomas Mauch

    05.08.09 (17:36:29)

    Ups. Danke für den Hinweis - vielleicht hat's der Chef ja nicht gesehen...

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