<< Themensammlung Organisieren

06.05.11Leser-Kommentare

Information Overload: Nein, es gibt kein TMI

Es gibt keine Informationsflut, wir können bloss nicht damit umgehen. Führende Experten zum Phänomen TMI (Too Much Information).

Zocalo, ein Internet-Meinungsmarktplatz, hat im März Experten gefragt: «Can there really be a TMI?» Die Antworten fallen eindeutig aus: Nein. Cheshire Coye, Professor an der University of California, meinte sogar, dass wir zuwenig Informationen haben, um die drängenden Fragen unserer Zeit zu beantworten.

Umgang lernen

Uns fehlt im Moment bloss die Fähigkeit, mit den Daten umzugehen: Informationen finden, speichern, organisieren und in nutzbares Wissen zu verarbeiten sind die grössten Hürden, um die grossen Fragen des Lebens und der Wissenschaft zu beantworten. Usability-Guru Jakob Nielsen weist auch auf fehlende Skills hin, insbesondere Suchstrategien liegen ihm am Herzen: Nach seinen Studien ändern die User ihre Suchstrategien nur selten - und gelangen so nie über das hinaus, was ihnen die Suchmaschinen auf den Toppositionen präsentieren.Wissen verhandeln

Denn schliesslich findet sich doch ziemlich vieles im Internet. Der Autor und Forscher David Weinberger sieht einen fundamentalen Wandel gegenüber der nur papierbasierten Welt von früher. Diese Welt zwang zur Reduktion - der Platz im Buch ist begrenzt, das Internet hingegen kann unendlich gefüllt werden. Deshalb ist Wissen heute eher ein Marktplatz, auf dem die Wahrheit ständig neu verhandelt wird, basierend auf unzähligen Meinungen, Links und Kommentaren im Netz.

Da war doch schon mal was...

Dass nicht alle Klagen über Informationsüberflutung neu sind, weiss auch Ann Blair, Geschichtsprofessorin an der Harvard University. Sie weist auf Edward Gibbon hin, der angesichts der durch den Buchdruck ausgelösten Bücherflut schon im 18. Jahrhundert verlangte, Bücher zu zerstören. Weil Gibbon der Meinung war, es sei einfach zuviel und davon das meiste auch noch unnötig.

» Can there really be  TMI? bei Zocalo lesen

Kommentare

  • Ramin

    06.05.11 (15:17:44)

    Ich würde nicht sagen, dass es too much information gibt - aber zu sagen es gäbe keine Informationsflut halte ich auch für falsch. Ich hab die Daten jetzt nicht parat, aber mittlerweile hat ja bestimmt jeder schonmal gehört, dass wir jetzt in X Monaten mehr Information produzieren als in den letzten XXXX tausend Jahren der Menschheitsgeschichte. Das rechtfertigt den Gebrauch von "Flut" meiner Meinung nach schon. Gleichzeitig denke ich aber auch, dass das an sich kein Problem ist, sondern der Knackpunkt einfach ist, dass wir lernen mit der Masse an Informationen besser umzugehen.

  • Tanja Handl

    06.05.11 (15:58:53)

    Im Prinzip spießt es sich nur an der Bezeichnung: mit "too much data" wären die ehrwürdigen Herren wahrscheinlich zufrieden gewesen. ;) Es gibt eindeutig eine Reizüberflutung, wie sich allein an der Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit zeigt. Meiner Meinung nach liegt die Zukunft also nicht nur in Such-, sondern auch in Filterstrategien.

  • Thomas Mauch

    07.05.11 (11:40:53)

    Die Sache mit der Flut ist die: Sicher gibt es eine noch nie vorhanden gewesene Menge an Daten und Informationen. Die Bezeichnung 'Flut' hat für mich einfach den Nachteil, dass die Überwältigung, das Nicht-Bewältigen-Können schon imanent im Wort drinsteckt. Dagegen wehre ich mich ein wenig :-)

  • Nimue

    07.05.11 (14:35:50)

    "Mein Name ist Nimue und ich bin ein Information-addicct". *hinsetz* Ich gestehe, ich habe ein Riesenproblem mit der Informationsflut: ich kann sie nicht kanalisieren. Ich finde einfach fast alles interessant und lesenswert. Das harte Los der Scanner. Leider habe ich bis jetzt noch keinen Weg gefunden, meine Selbstdiziplin disbezüglich zu aktivieren, Informationen sind meine Schokolade, Alkohol und Heroin. Alles zusammen. Klingt lustig, gell? Ist es aber nicht. Die Zeit, die ich mit der Aufnahme von Informationen verdaddle geht von der Zeit ab, in der ich eigentlich aktiv wäre. Ich weiß zwar viel, kann dieses Wissen jederzeit aus meinem Gehirn wieder abrufen, Leute beeindrucken, im Job damit profitieren, aber Hobbies übe ich nicht wirklich aus. Chatten tu ich nicht, ich habe noch ein Computerspiel gespielt, ebay sieht mich manchmal 4 Monate lang nicht, aber infos..... *soifz*

  • Ramin

    07.05.11 (16:32:09)

    Flut bedeutet für mich eher, dass etwas ansteigt und mehr wird (wie eben Ebbe und Flut), und beinhaltet nicht Überwältigung oder Nicht-Bewältigen Können (was Überflutung wäre). Aber ich hab gerade das Gefühl, dass ich semantische Haarspalterei mit meiner persönlichen Definition betreibe, im Grunde scheinen wir uns ja einig. Der Knackpunkt ist, gute Strategien anzuwenden um die Information sinnvoll zu verarbeiten. :-)

  • Martin L.

    07.05.11 (18:25:24)

    Ich stimme mit der Meinung überein, dass inzwischen die Bewältigung das Hauptproblem ist. Allerdings sehe ich die Entwicklung unserer Fähigkeiten nur als Teillösung an. Zusätzlich mangelt es an passenden Tools. Ja, es gibt einen Haufen Software, die sich irgendwie damit beschäftigt. Aber: z.B. die Standard-Betriebssysteme sind nicht auf diese Datenflut ausgelegt sondern schleppen Metapher-Altlast mit sich herum. (Eine "Datei" ist etwa eine Metapher für einen Zettel.) Und als dritten Punkt sehe ich ein geringes Maß an Diskussion über das Thema. Irgendetwas muss einen schließlich auf neue Ideen bringen, wie man suchen könnte.

  • Thomas Mauch

    09.05.11 (07:09:09)

    Ein wenig kann ich das nachvollziehen: Ich habe immer Angst, etwas zu verpassen. Ich bin deshalb so ein Sammeltyp geworden: Evernote und Read It Later sind meine Freunde...und ab und an eine Internetdiät: Also zwei Wochen Urlaub ganz ohne...bin immer wieder erstaunt, aber das geht auch :-)

  • Thomas Mauch

    09.05.11 (07:11:06)

    Ab und an darf man sich diese sprachlichen Spitzfindigkeiten erlauben, finde ich.

  • Thomas Mauch

    09.05.11 (07:12:38)

    Den Punkt der Betriebssysteme finde ich spannend, weil richtig. Apple und Microsoft tun bisher wenig, um hier zu unterstützen. Gerüchteweise soll das nächste OS von Mac eine Reading List integriert haben, ähnliche Funktionn wie Instapaper oder Read It Later. Man darf gespannt sein.

  • Simon Anderegg

    09.05.11 (07:57:03)

    Da war doch schon mal was? Ja natürlich, ein Unterschied zwischen "das" und "dass": Da war doch schon mal was… Das nicht alle Klagen über Informationsüberflutung neu sind, ...

  • Thomas Mauch

    09.05.11 (09:23:22)

    Danke!

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer