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09.05.11Leser-Kommentare

Information Overload: Filter nutzen

«It's the filter, stupid» ist ein bekanntes Bonmot. Nicht die Menge, sondern fehlende Filter sind schuld an einem Too Much Information.

«Es gibt keine Informationsflut» war die These in meinem Posting von vergangener Woche. Tatsächlich sehen wir uns einer bisher ungekannten Menge an Informationen gegenüber, generiert durch das Web, die sozialen Medien und Arbeitsinstrumenten wie E-Mail und SMS, auf die wir jederzeit und von überall zugreifen können. Brauchen wir neue Denkweisen und Strategien?

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Das Internet ist zu gross

Die ständig verfügbaren Informationen lösen in mir vor allem zwei Dinge aus: Neugier und das Bedenken, etwas wichtiges zu vergessen oder nicht mehr wieder zu finden. Es ist unglaublich spannend, was ich im Internet alles lesen kann: Intelligente und belesene Menschen auf der ganzen Welt teilen ihre Gedanken und Ideen mit mir, in Blogpostings, via Twitter oder auf Facebook. Ich könnte den ganzen Tag lesen. Aber selbst wenn ich es tun würde: Das Internet ist einfach zu gross für mich.Der Feed als Filter

Damit steigt die zweite Angst in mir auf: Was wenn ich etwas wichtiges verpasse? Eine neue Idee oder den Gedankengang, der völlig neue Perspektiven auftut? Zwei Dinge haben mir in den vergangenen Jahren beigebracht, dass diese Zweifel unbegründet sind. Das erste habe ich bei Facebook gelernt. Logge ich mich im sozialen Netzwerk ein, treffe ich auf einen unendlichen persönlichen Feed. Dasselbe in Twitter: Die Timeline würde ausgedruckt einige Kilometer reichen. Der tägliche Umgang damit hat mir gezeigt, dass es kein Problem ist, nicht alles zu lesen. Auch mal loszulassen, als gelesen zu markieren oder einfach zu ignorieren.

Menschen als Filter

Weil, und das ist das zweite Learning, der soziale Filter funktioniert: Ist eine Meldung wirklich wichtig, taucht sie wieder auf. Und wieder und wieder. Irgendwo, in einem beliebigen Kanal, stosse ich am Ende doch darauf. Häufig, völlig analog, auch in einem persönlichen Gespräch, der Hinweis eines Kollegen in der Kaffeepause. Und der Rest war vermutlich nicht so wichtig.

Zeit als Filter

Dann wäre da die Geschichte mit dem Vergessen oder dem nicht mehr finden. Mit ein Grund, weshalb ich Services wie Read It Later täglich nutze. Ein Klick aus dem Google Reader, aus Twitter oder aus dem Browser und ein neu entdeckter Informationsschatz liegt in meinem persönlichen Speicher. Dort liegt es auf sicher und verschafft mir erstmal Ruhe. Rund alle zwei Tage gehe ich die Einträge durch und die Beobachtung mit mir: Vieles ist nach zwei Tagen nicht mehr halb so interessant. Kommt gleich weg und entlastet. Was übrig bleibt, lese ich dafür um so konzentrierter: Im Textmodus und ohne rumsurfen auf andere Seiten.

Unbeabsichtiges Lernen

Diese Filter zu haben ist wichtig, weil sie mir nach wie vor erlauben, die Informationsmenge nach Lust und Laune zu durchforsten - missen möchte ich sie auf keinen Fall mehr. Soziale Medien und das Internet erlauben mir unbeabsichtigtes Lernen, das eben nur mit diesen Medien möglich ist. Nirgends sonst habe ich die Gelegenheit, zufällig und ungesucht über neue Dinge zu stolpern. Dieses unbeabsichtigte Lernen ist eine der wichtigsten Neuerungen, die das Web 2.0 mit sich bringt. Bibliotheken, Bücher oder sonstige Medien, die uns vorher zur Verfügung standen, haben hier das Nachsehen. Sie bringen dieses Nebenbei-Lernen auch mit, aber niemals in diesem Ausmass und Weitläufigkeit.

Kommentare

  • Tanja Handl

    09.05.11 (10:12:40)

    Ignorieren ist sicher einer der wichtigsten Faktoren. Aber das Ausblenden kostet auch Kraft. Ich lasse deshalb am Wochenende und im Urlaub bewusst die Finger vom Internet - alles, was wichtig ist, wird mich auch so erreichen. Und das Wichtigste, nämlich den Moment zu genießen, bleibt mir dann ganz erhalten. :) Liebe Grüße, Tanja

  • Bertold Raschkowski

    09.05.11 (10:29:54)

    Erfreulicherweise werden einige Meldungen und Informationen so häufig durch die Netzwerke geschickt, dass Sie irgendwann ohnehin in meiner Timeline oder in meinem Postfach landen. @Tanja: das ist auch meine Erfahrung. Die Herausforderung ist nicht die Anzahl der Informationen (viele mit so zweifelhaftem Gehalt, dass sie nur noch Daten sind), sondern die eigene Disziplin phasenweise und entspannt offline zu sein. Herzliche Grüße Bertold

  • Mario

    09.05.11 (11:57:52)

    Hi, ich glaube der Link zu Readitlater stimmt nicht. Der sollte http://readitlaterlist.com/ sein. Danke für den Artikel :) Mario

  • Thomas Mauch

    09.05.11 (12:02:00)

    Vielen Dank für den Hinweis. Ist korrigiert.

  • Daniele Cipriano

    16.10.11 (10:34:21)

    Hallo, ich suche schon wieder nach einer Möglichkeit, ob ich richtig handle oder nicht. Ich bekomme fast täglich einen Newsletter mit doch recht sehr interessanten Informationen. Das Problem: Ich kann diese Informationen zwar irgendwann für meine Umsetzung nutzen, weiss aber genau, dass ich davor viele andere Schritte machen sollte. Ich kriege also Informationen zum Schritt Nr. 12, obwohl ich eigentlich noch bei Schritt Nr. 2 bin. Irgendwann werde ich den Schritt Nr. 12 gehen. Und dann habe ich die Information schon gelesen bzw. kann sie nach lesen, da ich manchen auf meinen PC aufbewahre. Nun, es kann aber sein, dass mich diese Information hindert den Schritt Nr. 3 zu gehen. Das war so zumindest vor einigen Monaten so. Ich habe mich liebend gern in die Information versteckt und mir "vorgestellt" wie es wäre, wenn ich vor dem Schritt Nr. 12 wäre. Sehr gute Einstellung?!?! Ein Ziel nicht anzugehen, sondern sich nur vorzustellen. Das mache unabhängig von dieser Information bzw. diesen Newsletter und hindert mich am Handeln (TUN). Was sollte ich also tun? Soll ich den Newsletter weiter lesen, oder abstellen und ihn wieder neu beantragen, wenn ich auf dem Schritt Nr. 12 bin. Ist es dann nicht zu spät... Ist es vielleicht jetzt noch zu früh? Und was ist mit der Information für die Zwischenschritte (Nr. 3 - 11)? Ich hab diese Problematik auf dieser Seite schon einmal angesprochen. Jedoch hat es mir nicht sehr viel geholfen, außer das man mir gesagt hat, dass ich schon vieles "aufhebe".

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