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14.04.10Leser-Kommentare

Glücksforschung: Geld macht glücklich. Arbeit auch.

Geld macht glücklich. Arbeiten oder heiraten auch. Zumindest für zwei Jahre. Solche Antworten liefert die Glücksforschung - und die wird mehr und mehr auch von Wirtschaftswissenschaftlern betrieben.

Fast alle Menschen streben nach Glück. In den letzten Jahren befassen sich auch Ökonomen vermehrt mit dem Glück als Forschungsgegenstand und gehen mit Empirie den Einflussfaktoren der Lebenszufriedenheit nach: Arbeit, Geld, Heirat, Gesundheit, Fernsehkonsum oder Demokratie. Bruno S. Frey ist ein profilierter Vertreter dieser Fachrichtung. Zusammen mit der Ökonomin Claudia Frey Marti hat der Professor für Wirtschaftswissenschaften der Universität Zürich die Forschungsergebnisse der letzten Jahre in einem Buch zusammengefasst: Glück. Die Sicht der Ökonomie Die Autoren beschäftigen sich mit dem optimalen Einkommen oder der Frage, ob Heiraten wirklich glücklich macht - und wenn ja, wie lange? Einige Antworten dazu:

Geld macht glücklich

Glücksforscher stellen eine statistisch gut gesicherte positive Korrelation zwischen Einkommen und Glück fest. Wer Einkommen und Vermögen erhöht, wird mit seinem Leben zufriedener. Allerdings lässt sich die Zufriedenheit nicht ins Unendliche steigern. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens kommt zum Tragen, wie wir es von der Torte kennen: Das erste Stück schmeckt wunderbar, das zweite ist ebenfalls gut, lässt sich aber nicht mit dem ersten vergleichen. In der Schweiz etwa liegt das optimale Haushaltseinkommen bei 8000 bis 10'000 Franken. Leute dieser Einkommensklasse geben die höchsten Zufriedenheitswerte an. Verdient man mehr, nimmt die subjektiv empfundene Zufriedenheit nicht mehr zu.

Arme, aber glückliche Eingeborene

Den Mythos des armen, aber glücklichen Naturvolkes lässt die Glücksforschung nicht gelten. Leute in reichen Ländern sind im Durchschnitt glücklicher als Menschen in armen Ländern. Neben dem Einkommen spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle, etwa Gesundheit und demokratische Verhältnisse. Diese beiden Faktoren haben einen großen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit, und um beide ist es in reichen Ländern meist besser bestellt.

Selbständige sind zufriedener

Die Beschäftigungssituation ist eine der wichtigen Bestimmungsfaktoren für die Lebenszufriedenheit. Im Allgemeinen sind die Menschen in Europa zufrieden mit ihrer Arbeit: Von 1984 bis 2000 gaben Beschäftigte in Deutschland auf einer Skala von 0 bis 10 jeweils einen Wert von 7,25 an. Den höchsten Wert gaben 1999 die Erwerbspersonen in der Schweiz an: Ihre durchschnittliche Arbeitszufriedenheit lag bei 8,1. In allen Ländern sind selbständig Erwerbende am glücklichsten, obwohl sie in der Regel mehr arbeiten und weniger verdienen. Flexibilität, Unabhängigkeit, Autonomie und das Nutzen der eigenen Potenziale bringen offenbar einen nicht-monetären Nutzenzuschlag und höhere Zufriedenheit mit sich.

Glück ist relativ

Glück ist von vielen Faktoren abhängig: Das beginnt bei den eigenen Genen, umfasst sozio-demografische Merkmale wie Alter, Gesundheit oder Zivilstand und schließlich auch wirtschaftliche Faktoren wie Einkommen oder Beschäftigungssituation. Die Wahrnehmung des eigenen Glücks ist außerdem höchst subjektiv. Hier gibt es verschiedene psychologische Faktoren, denen wir unterworfen sind:

  • Vergleiche: Wie glücklich wir uns schätzen, hängt enorm davon ab, welche Personen wir zum Vergleich heranziehen. Meistens wählen wir eine Referenzgruppe, der es besser geht und schätzen dadurch unser Glück tiefer ein.
  • Gewöhnung: Meistens unterschätzen wir, wie schnell wir uns z.B. an ein höheres Einkommen gewöhnen und es nicht mehr als glücksstiftend betrachten. Das führt dazu, ständig nach noch mehr Einkommen zu streben.
  • Optimismus: Menschen sind übermäßig optimistisch und überschätzen die eigenen Fähigkeiten. Viele von uns gehen nicht davon aus, selber an Krebs oder Aids zu erkranken. Gleichzeitig halten sich die meisten für bessere Autofahrer als die anderen.
  • Zu hohe Erwartungen: Gerade von extrinisischen Faktoren wie Einkommen wird in der Regel ein zu hoher Nutzen erwartet Das führt dazu, dass intrinsische Glücksfaktoren - etwa gemeinsam verbrachte Zeit mit Freunden - unterschätzt und vernachlässigt werden, obwohl sie für das eigene Glück viel wichtiger wären.

[photos title="10 Schlüssel zum Glück" pics="1 2 3 4"]

Glücksforschung hat das Ziel zu bestimmen, was uns glücklich macht. Natürlich auch, damit wir uns daran machen können, diese Faktoren zu optimieren. Das Buch von Frey & Frey ist kein Ratgeber, aber auf Seite 148 finden sich doch noch die zehn wissenschaftlich fundierten Schlüssel zum Glück versteckt. Die Zeitschrift «New Scientist» hat sie 2003 publiziert, und wir geben sie an dieser Stelle gerne wieder. Die Schlüssel wurden nach ihrer Relevanz für das persönliche Glück gewichtet und sind in aufsteigender Reihenfolge widergegeben:

10. «Mach Dir keine Sorgen, wenn Du kein Genie bist.» (Gewicht 0)

Ein hoher IQ macht nicht glücklicher, da klügere Leute zu höheren Erwartungen neigen, was die Lebenszufriedenheit mindert.

9. «Verdiene mehr Geld - bis zu einem gewissen Punkt.» (Gewicht 0,5)

Ein höheres Einkommen steigert die Lebenszufriedenheit, ab einem bestimmten Betrag allerdings nur noch sehr wenig bis gar nicht mehr.

8. «Werde anmutig alt.» (Gewicht 0,5)

Wenn Gesundheit und andere Faktoren wie etwa das Einkommen nicht abnehmen, sind ältere Menschen im Durchschnitt glücklicher.

7. «Hör auf, Dein Aussehen mit anderen zu vergleichen.» (Gewicht 1)

Der Vergleich mit Filmstars und Fotomodellen trägt ganz und gar nicht zum Glücklichsein bei.

6. «Sei religiös, oder glaube an ein anderes System.» (Gewicht 1,5)

Glaube und Vertrauen gibt dem Leben einen Sinn und Zweck und reduziert das Gefühl von Einsamkeit.

5. «Biete Deinen Mitmenschen Hilfe an.» (Gewicht 1,5)

Die Glücksforschung beweist: Freiwilligenarbeit macht glücklich.

4. «Begehre weniger.» (Gewicht 2)

Die Erwartungen zu senken ist ein effektiver Weg, die Lebenszufriedenheit zu erhöhen.

3. «Schließe Freundschaften und betrachte sie als wertvoll.» (Gewicht 2,5)

Soziale Beziehungen tragen wesentlich zur Lebenszufriedenheit bei.

2. «Heirate.» (Gewicht 3)

Heirat gibt Sicherheit und steigert unser Wohlbefinden - zumindest kurzfristig

1. «Nutze so gut wie möglich Deine Gene.» (Gewicht 5)

Entwickle diejenigen Deiner Charakterzüge, die Dich glücklicher machen, und nutze die Talente, die Du hast.

Lesenswert und nützlich

Das Buch von Bruno S. Frey und Claudia Frey Marti zählt knappe 170 Seiten. Darauf findet der interessierte Laie einen hervorragenden Einstieg in das Wissensgebiet der Glücksforschung. Das Buch ist der Wissenschaft verpflichtet, aber trotzdem sehr lesbar. Die Autoren schaffen eine Auslegeordnung der Erkenntnisse in ihrer Disziplin, ohne die Grenzen zu verschweigen: Wie etwa die Frage der Kausalität, die sich in ihren Forschungsergebnissen nicht immer eindeutig ablesen lässt. Macht Heiraten tatsächlich glücklich, oder heiraten glückliche Menschen mehr?

Eine gelungene Publikation, die dem Leser und der Leserin konkreten Nutzen bringt. Den einen oder anderen Gedanken zur persönlichen Lebensführung stößt das kleine Büchlein nämlich durchaus an.

Glück. Die Sicht der Ökonomie von Bruno S. Frey und Claudia Frey Marti, erschienen im Rüegger Verlag, Zürich, März 2010

[hide]Werde anmutig alt (Foto: pedrosimoes7 bei flickr.com)Hör auf, Dein Aussehen mit anderen zu vergleichen (Foto: Mari &amp; Nacho bei flickr.com)Nutze so gut wie möglich deine Gene (Foto: j / f / photos bei flickr.com)Mach dir keine Sorgen, wenn du kein Genie bist (Foto: eff-kay bei flickr.com)Schliesse Freundschaften und betrachte sie als wertvoll (Foto: Paul Swee bei flickr.com)Verdiene mehr Geld - bis zu einem gewissen Punkt (Foto: Digging for fire bei flickr.com)Begehre weniger (Foto: hooverine bei flickr.com)Sei religiös oder glaube an ein anderes System (Foto: eek the cat bei flickr.com)Biete deinen Mitmenschen Hilfe an (Foto: dheuer bei flickr.com)Heirate (Foto: Franco Folini bei flickr.com) [/hide]

Kommentare

  • Gregor Gross

    26.04.10 (07:05:51)

    Ich habe diesen Artikel als Vorlage genutzt und auch was im Denkpass geschrieben. Leider funktioniert an irgendeiner Stelle das Pingen nicht. Also hier der Link manuell: http://denkpass.de/2010/04/die-schlussel-zum-gluck/ @Thomas: PS. Wenn Du gerne Lob hörst, solltest Du dem Link folgen! ;-)

  • Ralf Bohnert

    28.04.10 (08:53:20)

    Hi zusammen, interessanter Artikel. Sicherlich gibt es zu einigen Punkten sehr verschiedene Ansichten, aber das ist meistens so. Ich persönlich trenne Glück von Zufriedenheit. Ich bin glücklich, weil mein Umfeld perfekt ist. Ich kann aber z.B. gleichzeitig unzufrieden sein, weil ich eines meiner Ziele nicht erreicht habe. Das nur mal als grobes Beispiel wie ich die Begrifflichkeiten trenne. Aber in dem Artikel sind viele Interessante Ansätze die ich so noch nicht gehört hatte. Danke dafür und weiter so... lg Ralf Bohnert ;-)

  • mediamax

    28.04.10 (15:59:49)

    Der einzige Schlüsselsatz den ich hier wirklich gelten lassen kann ist: GLÜCK IST RELATIV und damit sind alle anderen Grundsätze ungültig.

  • Oliver Buerge

    04.05.10 (07:48:08)

    Bruno S. Frey war am letzten Sonntag im Doppelpunkt bei Roger Schawinski, für die, die ihn mal live hören wollen: http://www.radio1.ch/podcasts/doppelpunkt/

  • Thomas Mauch

    04.05.10 (18:18:52)

    Danke für den Hinweis!

  • lukas

    26.01.11 (15:54:29)

    Geld macht glücklich Glücksforscher stellen eine statistisch gut gesicherte positive Korrelation zwischen Einkommen und Glück fest Eine Korrelation ist keine Kausalität! Genau so gut könnte es sein, dass glückliche Menschen einfach mehr verdienen.

  • Ludwig

    14.02.14 (10:38:44)

    ... stimmt fast genau mit den 10 Empfehlungen der englischen "Action for Happiness" Bewegung überein: www.actionforhappiness.org ... Ludwig

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