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16.05.07

Getting Nothing Done

Ohne Disziplin kann man mit GTD alles geregelt bekommen - und trotzdem nichts erledigt haben.

Eigentlich wollte ich heute ja in die Praxis einsteigen. Ich will aber doch noch etwas einschieben, bevor es an die Umsetzung geht.

Die meisten Getting-Things-Done-Prinzipien funktionieren nach gesundem Menschenverstand und führen sehr schnell zu einem Ergebnis. Schon im Einführungskapitel fordert David Allen seine Leser ein paar Mal auf, das Vorgestellte an einem Beispiel auszuprobieren. So soll man sich z.B. das Projekt herausgreifen, das einem gerade durch den Kopf schwirrt, während man jene Zeilen liest. Das Projekt schreibt man auf ein Blatt Papier. Dann soll man sich einen Satz überlegen, der den positiven Ausgang dieses Projekts beschreibt. Und schließlich überlegt man sich den nächsten, direkt durchführbaren Schritt, der einen näher zum formulierten Ziel bringt.

Wer dieses Experiment durchführt, wird laut Allen direkt ein bisschen mehr Klarheit und Kontrolle über sein Leben verspüren. An diesen Beispielen versucht Allen direkt zu Beginn zu zeigen, dass seine Prinzipien funktionieren. Und es stimmt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du dich, wenn du dich jetzt hinsetzt und einen "Mindsweep" machst (d.h. alles aufschreibst, was dir gerade im Kopf rumschwirrt und bei jedem Punkt direkt entscheidest, was der nächste Schritt ist), danach stressfreier und produktiver fühlen wirst. Du hast dein Leben ein Stück mehr im Griff. Allens Prinzipien funktionieren schnell und einfach. Und das ist ihr größtes Problem.

 

Auch wenn man sich nach einem Mindsweep gut fühlt, war man trotzdem noch nicht produktiv. Auch wenn man alles, was zu tun ist, fein säuberlich auf einer Liste vor sich liegen hat, so hat man davon noch nichts erledigt. Man kann sein Leben perfekt organisiert haben, alle Produktivitätstipps einsetzen, die besten Tools kaufen und alle Selbsthilfesysteme auswendig kennen. Wenn man nicht irgendwann einen nächsten Schritt aus seiner Liste herausgreift, wird alles umsonst sein.

Das Problem bei GTD ist, dass sich das Gefühl von weniger Stress und mehr Erfolg zu früh einstellt. Lustig ist, dass sich diese Problematik im Unterschied zwischen dem englischen und dem deutschen Titel wiederfindet: So lässt sich der Originaltitel ?Getting Things Done? wortwörtlich mit ?Dinge erledigt kriegen? übersetzen. Der deutsche Titel hingehen heißt ?Wie ich die Dinge geregelt kriege.? Genau da liegt das Problem. Ich kann die Dinge in meinem Leben mit GTD schnell geregelt kriegen und mich direkt besser fühlen. Ich habe sie aber noch nicht erledigt und damit nichts erreicht.

Die Gefahr, gerade bei Leuten, die sich mit Produktivität beschäftigen, ist, dass man nie aus dem Regeln-Modus herauskommt. Man optimiert ständig seine Listen, probiert ein neues GTD-Werkzeug aus, um zu sehen, ob es etwas besser als das alte ist, kauft sich ein neues Gadget, weil man denkt, dass man damit noch produktiver sein könnte und sucht ständig die Blogosphäre nach neuen Hacks ab. Aber wenn man nicht die Disziplin aufbringt, in den Erledigen-Modus umzuschalten, wird es immer nur bei dem schnellen, nicht lange haltbaren Befriedigungsgefühl bleiben, das einem der Regeln-Modus bringt und das nur eine schwache Vorstufe zu dem Gefühl ist, das man hat, wenn man tatsächlich etwas erledigt oder vorangebracht hat.

Getting Things Done bietet simple und sehr praktische Prinzipien, um die anstehende Arbeit so einfach und stressfrei wie möglich anzugehen. Wer sie konsequent anwendet, senkt die Barriere vorm Umschalten in den Erledigen-Modus soweit wie möglich. Aber was GTD nicht produzieren kann ist Disziplin. Auch wenn man dank GTD davon nur sehr wenig braucht, so muss man sich doch immer noch selbst hinsetzen, seine Liste anschauen, entscheiden, was man als nächstes macht und damit anfangen. Wer das nicht kann, wird auch mit GTD nicht produktiver werden. Aber zumindest weiß man dank GTD immer, was man eigentlich gerade tun sollte.

Dieser Artikel ist Teil der GTD-Grundlagenserie bei imgriff.com

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