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06.01.14

Geiz ist nicht geil: Warum sparen unproduktiv macht

Wir sparen und sparen und vergessen dabei, was uns das kostet: nämlich Zeit, Produktivität und letztlich Lebensqualität. So ist Geiz schnell nicht mehr geil. Was hilft: Unliebsame Aufgaben outsourcen und so Kapazitäten freischaufeln.

 Consumerist Dot Com bei flickr.com (CC BY 2.0)Vor kurzem hat mein Netbook nach mehrjähriger Laufzeit seinen Dienst quittiert: Die Festplatte wurde nicht mehr erkannt, Totalausfall kann man sagen. Im Zuge des kurzen Frustes über den Defekt habe ich darüber nachgedacht, wieviel Zeit mich das kleine Gerät gekostet hat. Denn so richtig rund ist der mit nur 1 GB RAM versehene Mini-Rechner nie gelaufen: Windows 7 war auf dem kleinen Bildschirm nicht zu gebrauchen. Ubuntu z.B. war mit der Grafikkarte nicht wirklich kompatibel, neuere Versionen von Ubuntu habe ich gar nicht zum Laufen bekommen. Und am Ende war ich bei Joli OS, das halbwegs vernünftig lief, nachdem ich mal rausgefunden hatte, wie man es auch als Nicht-Cloud-System betreibt. Kurz: Eine Odyssee.

Auf der Jagd nach dem besten Deal

Ich habe dieses Beispiel gewählt, weil es so anschaulich ist. Warum kaufte ich mir damals nicht gleich einen vernünftigen Laptop? Vielleicht, weil ich nicht so wirklich daran glaube, dass es problemlose Geräte gibt. Aber auch, weil ich dieses Netbook der (angeblichen) Luxuskategorie als »kostenloses« Testgerät bekommen hatte und die Aufgabe,  es doch noch irgendwie optimal zum Laufen zu bekommen, meinen Ehrgeiz beflügelte. Das ist nur eines von vielen Beispielen – übrigens nicht nur in meinem Leben - wie der Wunsch nach Sparsamkeit unser Leben in einem Maße bestimmt, das rational nicht mehr zu begreifen ist, weil die Kosten gegenüber dem Nutzen längst überwiegen. Ich denke da z.B. an Leute, die in fünf Supermärkten einkaufen, weil sie überall die Angebote abgreifen wollen. Oder an die stundenlange Internet-Recherche, um ein paar Euro zu sparen.

Hauptsache gewinnen

Genau das ist der Aspekt, auf den ich hinaus will. Saturn hat vor einigen Jahren mit seinem plakativen Werbeslogan »Geiz ist geil« das Lebensgefühl einer gesamten Generation geprägt: Sparen, nicht weil man muss, sondern weil es sich geil anfühlt, mal wieder Geld gespart zu haben. Selbst wenn dieser Spareffekt die Lebensqualität erheblich mindert und unglaublich viel Zeit kostet. Cornelia Topf hat diesen Aspekt sehr schön und treffend beschrieben : Unser Gehirn schüttet Dopamin aus, wenn wir uns einen Vorteil verschaffen. Offenbar geht es einfach nur darum, zu gewinnen – indem man z.B. ein Schnäppchen macht. Dann kochen die Glückshormone über. Findige Marketingstrategen haben das längst erkannt und gaukeln uns den Spareffekt vor, aber das ist ein anderes Thema.

Kapazitäten freischaufeln dank Outsourcing

Wir vergessen im Freudentaumel über den tollen Deal oder das tolle Schnäppchen schnell, dass uns dieses auch etwas kostet: Nämlich reine Lebenszeit. Produktivität. Und Kreativität. Dass wir in der fraglichen Zeit 10 gute Ideen hätten haben können, um mehr Geld zu verdienen als wir gespart haben, bedenken wir oft nicht – wir wissen ja auch nichts von den guten Ideen, weil wir gar nicht die Muße hatten, sie zu haben.

Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich, es einfach mal auszuprobieren und die nervigen, zeitraubenden kleinen Aufgaben des Alltags sein zu lassen oder outzusourcen (gegen Bezahlung versteht sich). Ich habe beispielsweise seit kurzem eine Putzfrau. Getreu dem Motto »Das bisschen Haushalt schafft man doch mit links« habe ich lange mit mir gerungen, ob ich diesen Schritt gehen soll. Das Ergebnis verblüfft mich selbst: Nicht nur ist es gleich viel leichter geworden, Ordnung zu halten; ich habe auch nicht ständig irgendwo im Hinterkopf »Ich muss aber noch putzen«. Dank der frei gewordenen Kapazitäten im Hirn und im Leben habe ich schon so manches Projekt besser realisieren können.

Und was wollt Ihr demnächst outsourcen? Oder doch lieber geizig bleiben?

 

Bild: Consumerist Dot Com bei flickr.com (CC BY 2.0)

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