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23.05.08

Gastbeitrag: Disziplin und Motivation sind keine Feinde

Wer mit eiserner Disziplin, aber unmotiviert seine Aufgaben erledigt, wird nicht glücklich werden. Aber Motivation ganz ohne Disziplin genügt auch nicht. Wer beides ist, motiviert und diszipliniert, der kommt am besten durchs Leben.

Dies ist ein Gastbeitrag unseres Lesers Matthias. Er hatte ihn als Kommentar geschrieben, der aber versehentlich vom Spamfilter kassiert wurde - in diesem Fall ein glückliches Versehen. Denn wir fanden, der Kommentar ist so gut, dass er einen eigenen Artikel wert ist. Danke an Matthias, dass wir ihn also nun so veröffentlichen dürfen:

Ich habe mir aufgrund des Beitrags «Undiszipliniert? Macht nichts, sei einfach nur motiviert» und anderer Artikel zu Motivation und Disziplin mal meine Gedanken gemacht und will hier mein Ergebnis formulieren - auch wenn es viel länger geworden ist, als ich ursprünglich vorhatte.

Ich verstehe Disziplin hier als Verhalten, das zu tun oder zu unterlassen, was gefordert ist, auch wenn es unangenehm ist. Das sei erstmal unabhängig davon, ob ich selbst oder andere diese Forderungen aufstellen. Ich glaube, so versteht Ivan Disziplin in seinem Artikel auch (im ursprünglichen (geschichtlichen) Sinn steht Diszplinierung ja mehr für die Verhaltenssteuerung durch Autoritäten in hierarchischen Strukturen, wie z.B. Schule oder Militär).

Motivation hingegen ist die Energie, die es Dir erleichtert, gewisse Aufgaben zu tun. Die Aufgaben werden dadurch angenehm(er), weil eine Belohnungserwartung dahintersteht.

Ich denke, Motivation und Disziplin sind keine Feinde.

Ich glaube, dass man für die Erreichung seiner Ziele beides braucht. Auch wenn man sich für seine Ziele noch so motivieren kann, es gibt immer wieder Aufgaben und Entscheidungen, bei denen es schwerfällt, sich aufzuraffen - und sei der Grund nur rein körperlicher Natur («Ich bin noch so verschlafen - ich kann noch nicht aufstehen»). Erstaunlich ist doch, dass selbst Motivationstipps oft Regeln zur Disziplinierung enthalten. Man lese nur mal Top 20 Motivation Hacks - An Overview von Leo Babauta:

"...tell yourself NO!"

Für mich persönlich ist es wichtig, zu akzeptieren, dass es immer wieder Situationen gibt, bei denen man sich zwingen muss, wenn man gewisse Ziele erreichen will. Deswegen möchte ich mich positiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

Disziplin hat für mich etwas mit Entschiedenheit zu tun. Wichtig für die Selbstdisziplinierung - wenn sie denn gefordert ist - ist es, Entscheidungen zu treffen. Man sieht zunächst eine unangenehme Aufgabe, fühlt das unangenehme Gefühl hochkriechen, das sich einstellt, wenn man an die unangenehmen Eigenschaften dieser Aufgabe denkt. Hier ist es wichtig, dass man ziemlich schnell eine Entscheidung von sich einfordert. «Ich brauche eine Entscheidung!» Zunächst geht es einmal darum, rational seine Alternativen aufzudecken: Vielleicht gibt es Möglichkeiten, die Aufgabe auch anders zu lösen? Nach dem Abwägen sollte man sich dann aber auch zügig entscheiden. Und wenn man einmal entschieden hat, sollte man diese Entscheidung akzeptieren und nicht mehr mit sich selbst diskutieren. Jeden Gedanken, der dann mit «Wenn» und «aber» beginnt, kann man getrost mit einem «Ich habe entschieden!» abwehren. Das unnötige und anstrengende Hin- oder Her-Überlegen entfällt. Man kann dann ungebremst mit der Aufgabe beginnen. Getroffene Entscheidungen sind ein angenehmes Gefühl: Ich muss mich nicht mehr verkopfen. Es ist entschieden. Ich tue es jetzt. Während ich die Aufgabe erledige, kann sich mein Kopf schon mit dem nächsten Thema beschäftigen. Um zu beginnen, kann man sich noch den Vater vorstellen, der sein Kind liebevoll, aber bestimmt und mit Nachdruck auf den richtigen Weg bringt.

Was aber, wenn die Aufgaben, die ich erledigen soll, nicht von mir entschieden wurden? Da ist Ivans Beispiel mit dem Chef ganz gut. Hier entstehen innerliche Spannungen: Eigentlich will ich das doch gar nicht. Alleine das ist schon unangenehm. Dabei sollte man sich aber immer klar machen, dass man das im Großen und Ganzen selbst mitentschieden hat: Ich habe mich um diesen Job beworben, und das, was ich jetzt machen muss, gehört dazu. Das ist meine Entscheidung!

Der negative Beigeschmack von «Disziplin» kommt zum Teil auch davon, dass man mit der Disziplinierung ziemlich viel Unsinn machen kann. Die Geschichte hat ja viele Beispiele. Aber auch im modernen Leben ist es so: Wenn ich Ziele verfolge, hinter denen ich nicht wirklich stehe (also keine wirkliche Motivation habe), dann wird die Disziplinierung zur Selbstkasteiung und kann in Kombination mit Versagens- und Schuldgefühlen vermutlich auch schon mal zu enormen psychischen Problemen führen.

Auch sollte man meiner Meinung nach nicht versuchen, mit Disizplin seine Gefühle zu manipulieren oder zu vergewaltigen. Das funktioniert nicht. Man stelle sich nur einen Menschen vor, der gerade verlassen worden ist und der sich einredet «Sei fröhlich!»

Auch sollte man Disziplinierung nicht als Vermeidungsverhalten einsetzen, um sich nicht mit unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen. Beispiel «Ich muss mehr arbeiten», wenn man eigentlich traurig und erschöpft ist, aber den Konflikt mit den Ursachen in sich scheut. So denken ja viele Workaholics.

Zusammenfassend:

Motivation ganz ohne Disziplin funktioniert meiner Meinung nach nicht. Wenn ich mal morgens um 5 Uhr aufstehen muss, kann ich nicht warten, bis meine Motivation kommt. Da würde ich nämlich sicher den Zug verpassen. Aber nur mit Disziplin geht es auch nicht. Dann wäre alles leer, und es würde uns ziemlich bald die Luft ausgehen.

Deswegen nehme ich mir vor, auf beides zu achten und beides weiterzuentwickeln.

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