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01.11.13Leser-Kommentare

Erfahrungsbericht: Produktiv während den Ferien II

Letzte Woche habe ich mir an dieser Stelle darüber Gedanken gemacht, wie man ausführlich reisen und/oder intensiv seinen Hobbys nachgehen und gleichzeitig seine Arbeit erledigen kann. Heute berichte ich über aktuelle Erfahrungen aus meinen letzten Ferien.

Gerade eben war ich 12 Tage in Marokko zum Kitesurfen. Ein perfektes Hobby, denn normalerweise gibt es nur ein paar Stunden pro Tag idealen Wind, und die restliche Zeit hat man zur Verfügung zum Lesen, Entspannen - und eben auch ein bisschen Arbeiten.

Während dieser Abwesenheit habe ich versucht, so weit auf dem Laufenden zu bleiben, dass ich einerseits vor den Ferien nicht Überstunden schieben musste, um alles noch geregelt zu kriegen, und andererseits nicht die ersten 1-2 Tage nach den Ferien blockiert war mit liegengebliebenen Mails und Aufgaben.

Gleichzeitig habe ich darauf geachtet, wie die Rahmenbedingungen sein müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Gerne teile ich meine Erfahrungen mit Euch.

Organisation und Planung

  • Planung: Natürlich habe ich versucht, meine Kunden implizit dazu zu bringen, allfällige Fragen/Aufträge noch vorher zu deponieren. Als Argument diente die allgemeine Ressourcenplanung (was ja auch stimmte). Prompt meldete sich aber am ersten Ferientag ein Kunde, den ich die vorherige Woche nie erreicht hatte, mit einem dringenden Bedürfnis.
  • Keine Out-of-Office-Meldungen: Ich hatte Abwesenheitsmeldungen aktiviert, da ich nicht die Erwartung wecken wollte, dass ich innerhalb von 1-2 Stunden antworte. Faktisch war dies aber kontraproduktiv. Weil die Leute wussten, dass ich nicht im Büro bin, wurden ihre Anliegen plötzlich dringend, und sie haben mich über alle möglichen Kanäle zu erreichen versucht. Künftig werde ich keine Abwesenheitsmeldung mehr aktivieren, sofern ich weiss, dass ich innert 48 Stunden reagieren kann.
  • Gelassenheit: Nur weil man nach zwei Stunden Kiten drei Anrufe in Abwesenheit hat, ist dies kein Grund zur Panik und spricht auch nicht gegen das Konzept. Wenn ich in einer längeren Besprechung oder in einem Workshop bin, bin ich auch nicht erreichbar.
  • Ehrlichkeit: Auch wenn ich niemandem auf die Nase binde, wo ich gerade bin, so verschweige ich auch nicht, dass ich «im Ausland unterwegs» bin, falls jemand fragt.

Technik

  • Mail statt Telefon: Eigentlich bin ich ein Befürworter von telefonischer Kommunikation, da sie schneller, effizienter und persönlicher ist. Für meine Zwecke ist es aber unvermeidlich, die Kommunikation auf E-Mail zu verlegen. Nur so ist ein gebündeltes und zeitversetztes Bearbeiten möglich. Zudem muss ich bestimmen können, wann ich kommunizieren will/kann. Dies mag arrogant klingen, hat aber praktische Gründe: Ein vernünftiges Telefongespräch ist am Strand bei einer Windstärke von 22 Knoten oder in einem lärmigen Souk in Marrakesch nicht möglich.
  • Web- bzw. Cloud-basierte Tools: Jederzeit von einem Browser Zugriff auf aktuelle Daten und Informationen zu haben, ist unverzichtbar. Dies gilt insbesondere für die Zusammenarbeit mit Dritten. Wenn das Hin- und Herschicken von Dokumenten in der jeweils aktuellen Version schon im normalen Büroalltag eine Qual ist, wird es in den Ferien zum Killer.
  • Laptop statt iPad: Ich war ein wenig optimistisch und nahm nur mein iPad mit, da ich davon ausging, dass ich primär die Mail-Applikation und den Browser benötigen würde. Ich musste aber einmal mehr feststellen, dass das iPad für mich einfach kein Arbeitsgerät ist. Zu mühsam ist es, längere Texte zu tippen. Zudem hatte ich natürlich prompt nicht alle Passwörter zur Hand, die sonst im Chrome dank Lastpass alle gespeichert sind.
  • Schnelles, stabiles WLAN: Wir hatten bewusst ein kleines, einfaches Hotel in Strandnähe gewählt, aber natürlich darauf geachtet, dass es kostenloses WLAN anbietet. Leider war aber der WLAN-Empfang bei uns im Zimmer sehr schlecht und wenn (wahrscheinlich) noch andere Hotelgäste online waren, fiel die Surf-Geschwindigkeit auf ein unerträgliches und unproduktives Level zusammen. Künftig werde ich eher auf eine bessere Hotelqualität setzen. Für längere Aufenthalte im Ausland sind zudem wohl eine lokale SIM-Karte und ein Surfstick unumgänglich, um jederzeit und zu vernünftigen Kosten online gehen zu können.

Meine Wünsche

Obwohl ich das eigentliche Ziel erreicht habe - ich blieb mit der Arbeit à jour und die Wenigsten merkten, dass ich eigentlich in den Ferien war - habe ich mir überlegt, wie denn das optimale Setting sein sollte.

Gewünscht hätte ich mir insbesondere eine Art «Sekretariatsdienst», der für mich die eingehenden Anrufe abgefedert oder gebündelt hätte. Konkret stelle ich mir vor, dass die Kunden auf eine Nummer anrufen, und die Person sagt, dass ich gerade nicht erreichbar sei, aber gerne zurückrufe. Ich erhalte dann ein Mail mit Name, Telefonnummer sowie dem Grund des Anrufs und kann zu gegebener Zeit zurückrufen (oder es bleiben lassen). Solche virtuellen Büroservices gibt es natürlich, aber die Kosten und das Setup lohnen sich wahrscheinlich erst, wenn man fix auf ein solches Arbeitsmodell setzt.

Ausserdem wäre es natürlich toll, wenn die Lebenspartnerin ein ähnliches Modell leben würde/könnte. Zusammen könnte man dann die maximale Freiheit und Flexibilität leben und unabhängig von den üblichen Urlaubswochen die Welt erkunden und intensiv den Hobbies nachgehen. Auf der anderen Seite ist es vielleicht für jemanden wie mich nicht so schlecht, an seiner Seite eine Person mit typischem Arbeitsmodell und entsprechender Bodenhaftung und Sicherheit zu haben.

Wie erwähnt war dies ein erster Versuch, und ich bin noch weit davon entfernt, diesen Lifestyle auch wirklich zu praktizieren. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, diesen Ansatz weiterzuverfolgen und die optimale Variante für mich zu finden. Wenn mich jemand auf diesem Weg mit Tipps und Tricks unterstützen kann, bin ich sehr dankbar! Ich hoffe, dass ich meinerseits einigen Leserinnen und Lesern wertvolle Anregungen geben konnte.

 

Bild: bertknot bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Kommentare

  • Torsten

    01.11.13 (10:33:49)

    Laptop/iPad: Geht schon, mit externer Tastatur + LastPass Pro - diese Version kostet ja nur 12 Euro im Jahr. Sollte einem Freiberufler dieses Arbeitsmodell schon Wert sein.

  • Tim

    01.11.13 (21:58:19)

    Für mich reicht auf reisen Samsung Galaxy S2 und Apple Bluetooth Tastatur zum schreiben. Dau noch ein Joby Gorilla Stand. Mit dieser Kombi lässt sich besser arbeiten als einem Lapop.

  • Patrick Mollet

    02.11.13 (09:17:09)

    Wenn ich noch eine externe Tastatur brauche, kann ich genau so gut das MacBook Air mitnehmen, was dann m.E. viel bequemer ist zum Arbeiten. Aber LastPass Pro sollte ich mir definitiv zulegen, das stimmt.

  • Patrick Mollet

    02.11.13 (09:18:07)

    Warum bist du der Meinung, dass es so besser geht zum Arbeiten als mit einem Laptop?

  • Maikel

    02.11.13 (10:26:01)

    Meine komplette Entwicklungsumgebung, um am Strand Programmfehler zu suchen und zu beheben, kann ich leider nur schwerlich mitnehmen. Es hängt also von der Art der Tätigkeit (notwendige Reaktionsgeschwindigkeit) und von den benötigten Ressourcen ab, ob man den Job in den Urlaub verlegen kann. Bei meinem letzten Urlaub in Holland hatte ich im Apartment zwar WLAN-Internet; der Zugang wurde aber über den Browser freigeschaltet, so daß ich ihn mit meinem E-Mail-Programm nicht nutzen konnte.

  • Patrick Mollet

    02.11.13 (16:19:34)

    Ich habe nirgends geschrieben, dass ich «am Strand» arbeite, hier müssen wir schon realistisch bleiben. Und wie im Teil 1 beschrieben, funktioniert dies nicht mit Jobs, wo man auf Abruf ist und rasch reagieren können muss. Das ist letztendlich das entscheidende Kriterium!

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