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25.10.13

Erfahrungsbericht: Produktiv während den Ferien I

Ferien sind zum Entspannen da: abschalten, einfach mal nichts tun und vor allem nicht an die Arbeit denken? Ich bin der Meinung, dass diese strikte Trennung von Arbeit und Ferien nicht nötig ist - sofern die Grenze in beide Richtungen aufgeweicht wird. Ein Erfahrungsbericht.

Nachdem Gino Brenni hier auf imgriff.com aufgezeigt hat, wie er in einem Grosskonzern die optimale Ferienvertretung organisiert hat, versuche ich das Gegenteil: Wie kann man ohne Stellvertretung seine Ferien geniessen, ohne dass die Kunden und Partner merken, dass man überhaupt weg war? Es ist zwar schön, wenn einem jemand alle Mails und Pendenzen erledigt, aber leider ist dieses Setting bei Kleinunternehmen, Selbständigen und Freelancern nicht realistisch.

«Freizeitbegleitende» Arbeit

Seit langem fasziniert mich der Gedanke, Arbeit und Freizeit so verbinden zu können, dass das Leben primär aus Freizeit besteht und die Arbeit quasi «freizeitbegleitend» erledigt werden kann. Man muss nicht ganz so weit gehen wie Tim Ferriss mit seiner 4-Stunden-Arbeitswoche, aber die Richtung stimmt. Die modernen Geräte und Technologien haben dazu geführt, dass wir heute grundsätzlich von überall her arbeiten können und eigentlich für viele Tätigkeiten nicht mehr ortsgebunden wären.

Nun wurde schon mehrfach darüber geschrieben, was denn erfüllt sein muss, um an irgendeinem Ort arbeiten zu können. Dies geht mir jedoch zu wenig weit: Denn ob ich 8 Stunden im Büro in Zürich oder auf einer Terrasse in Indonesien oder in einem Strassencafé in New York arbeite, macht noch keinen grossen Unterschied. Mich interessiert die Frage, wie man ausführlich reisen und/oder intensiv seinen Hobbies nachgehen und gleichzeitig seine Arbeit erledigen kann.

Interaktionen reduzieren

Selbstverständlich funktioniert «freizeitbegleitendes Arbeiten» nicht, wenn man bis zum Hals in Arbeit steckt und sowieso schon Überstunden schiebt. Auch ist ganz klar, dass dies mit einem klassischen Angestelltenverhältnis nicht geht. Auch Kleinunternehmer und Selbständige müssen erstmal die Voraussetzungen schaffen, dass so gearbeitet werden kann. Am wichtigsten ist es, die Anzahl Interaktionen zu reduzieren. Eben nicht jeden Tag 5-6 Meetings, ein Dutzend Anrufe und 30-40 Mails mit immer neuen Aufgaben. Hier ein paar Ideen, wie man dorthin gelangen kann:

  • Delegieren: Muss alles von mir bearbeitet und/oder entschieden werden? Oder kann es eine andere Person selbst erledigen?
  • Outsourcen: Muss ich alles selber anbieten und durchführen oder arbeite ich besser mit leistungsfähigen Partnern zusammen?
  • Standardisieren und automatisieren: Kann ich Prozesse so optimieren, dass sie standardisiert und automatisch und damit ohne mein Zutun ablaufen?
  • Einfachheit: Muss es immer die komplexe 100%-Lösung sein oder reicht eine einfache Variante?
  • Planen: Muss alles «asap» geliefert werden oder kann ich mir durch grosszügigere Planung Freiräume schaffen?

Versteht mich bitte richtig: Es geht nicht darum, während den Ferien oder beispielsweise einer intensiven Golfwoche genau die gleiche Leistung zu erbringen wie mit einer 40-Stunden-Woche im Büro. Wie ich bereits hier geschrieben habe, wird «Produktivität» ja zumeist so interpretiert, dass man in der gleichen Zeit mehr macht. Für mich hingegen bedeutet es «Das Gleiche in weniger Zeit machen» - und somit mehr Zeit für Ferien und Hobbies haben.

Wer möglichst viele Aufträge annehmen und damit möglichst viel verdienen will, soll hier gar nicht weiterlesen. Denn zusätzlich müssen sich Selbständige auch Gedanken zu ihrem Geschäftsmodell machen. Biete ich alles an, was Umsatz generiert? Oder fokussiere ich auf die profitabelsten Leistungen und lasse andere Leistungen bewusst weg (obwohl eine Nachfrage besteht)? Wer zeitkritische Leistungen anbietet und für Kunden jederzeit auf Abruf bereit sein muss, wird mit meiner Auffassung von «Produktivität» auch Schwierigkeiten haben. Besser eignen sich Projekte, bei denen man ein paar Wochen ziemlich ausgelastet ist und dann wieder über mehr Freiräume verfügt.

Nächste Woche berichte ich an dieser Stelle von meinen konkreten Erfahrungen während zwei Wochen Kitesurfing-Ferien in Marokko.

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