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09.03.09Leser-Kommentare

Einfach leben: Schritt für Schritt zum Wesentlichen

Ein einfacheres Leben bedeutet meist auch ein aufgeräumteres und organisierteres Leben. "Einfach leben" muss dabei aber nichts mit Sparsamkeit oder Askese zu tun haben - im Gegenteil.

Einer der Gründe, weshalb wir unproduktiv arbeiten, ist, dass wir uns zuviel aufhalsen - oder auch nicht ablehnen können, wenn uns andere zuviel aufhalsen. In diesem Artikel soll es aber nicht um zuviele Aufgaben gehen, sondern um das Zuviel ganz allgemein; um ein einfacheres Leben.

Was "einfach leben" jedoch genau heißt, ist gar nicht so - nun ja - einfach. In den letzten Jahren sind zahlreiche Bücher à la "Simplify Your Life" erschienen. Es gibt verschiedenste Ausprägungen der Einfachheit: Freunde von mir verbringen beispielsweise jeden Urlaub in einem kleinen Häuschen, das nur zu Fuß erreichbar ist und weder fließend Wasser noch Strom, dafür aber einen Brunnen vor dem Haus und ein Trockenklo hat. Geheizt und gekocht wird mit Holz. Eben ein richtig einfaches Leben.

Gleichzeitig gibt es aber auch teuerste Häuser, die sehr minimalistisch eingerichtet sind. Geschmackvoll, mit viel Platz und sehr kostspielig. Auch das ist ein einfaches Leben: Reduziert auf wenige, aber erlesene und teure Dinge.

Die Bandbreite der Einfachheit ist also enorm. Nach meinem Verständnis hat ein einfaches Leben nichts mit Geiz oder sogar Askese zu tun. Im Gegenteil:

Ein einfaches - oder vielleicht besser: vereinfachtes - Leben bemisst sich nicht nach dem Fehlen materieller, sondern nach der Anwesenheit der essentiellen und wichtigen Dinge. Es fokussiert sich auf das Wesentliche. Was diese essentiellen Dinge sind, ist natürlich höchst subjektiv. Darum kann es auch gar keine allgemeine Definition eines einfachen Lebens geben.

Leo Babauta hat eine Bedienungsanleitung für die Vereinfachung geschreiben, die selbstredend auch ganz simpel ist:

  • Identifiziere, was Dir in Deinem Leben das Wichtigste ist.
  • Streiche alles andere.

Diese Anleitung kann man auf alles anwenden: auf die Inneneinrichtung, die privaten Beziehungen (intime und freundschaftliche), Kleider, Dateien auf der Festplatte, zu erledigende Aufgaben, den Speiseplan und vieles mehr.

Den erste Schritt, nämlich das Wichtigste zu identifizieren, kann einem dabei niemand abnehmen. Er ist gleichzeitig der Startpunkt, von dem aus man sein Leben weiterentwickeln, Ziele und Leitbilder definieren kann. Nach diesem ersten Schritt können Bücher (wie "Simplify your Life" von Werner Tiki Küstenmacher), Blogs (wie zenhabits.net) und andere Menschen bei der Umsetzung helfen.

Die ist dann eigentlich wieder ganz einfach: Mach immer nur einen Schritt. Fokussiere Dich ausschließlich darauf. Kümmere Dich am Anfang noch nicht um den zweiten, dritten, siebentausendsten Schritt, denn zuallererst kommt der erste. Danach der zweite. Und dann immer weiter, Schritt für Schritt zum Leben, wie Du es Dir vorstellst.

Kommentare

  • Michael Kieweg

    11.03.09 (10:01:31)

    Den größten vereinfachenden Effekt hatte bei mir das Überprüfen von Beziehungen, im weitesten Sinne. Ich habe irgendwann, den konkreten Anlaß weiß ich garnicht, angefangen, diese ganzen "Man-Sätze" in meinem Leben zu hinterfragen. "Das kann man doch nicht machen!" - Warum nicht? "Das muss man doch unterstützen!" - Wieso sollte ich? "Da kann man doch nicht nein sagen!" - Wer sagt das? usw... Ein typisches Beispiel war eine Aktion im örtlichen Kindergarten. Es sollten Spielgeräte instand gesetzt werden und die Erzieherinnen zogen durch's Dorf und klopften an jede Tür um Leute zum Mitmachen zu bewegen. Ich habe abgelehnt obwohl ich Handwerker bin und über entsprechende Möglichkeiten verfüge, weil: - ich kein Kind im Kindergarten habe - mein Sohn auch keine Anstalten macht in absehbarer Zeit Brut in die Welt zu setzen - mir sowas absolut keine Freude macht und ich es generell für verkehrt halte ("nützlicher Idiot") Der empörte Kommentar meines Schwiegervaters bestand in Man-Satz No.2 Ein echtes Argument, warum ausgerechnet ich mich damit befassen sollte hatte er allerdings nicht. Wohlgemerkt, das bedeutet nicht, daß ich mich um garnix mehr schere und nur stur meine Arbeit tue. Sondern ich hinterfrage, warum ausgerechnet ich mich mit etwas befassen soll, daß dieser Mensch an mich heranträgt und was mir das bringt. Dabei ist der Profit häufig immaterieller Natur. Er besteht in Spaß an der Sache oder dem Gefühl "das Richtige zu tun" oder ähnlichen Dingen. Wenn es aber gar keinen Profit gibt und es auch noch Ansprüche von "Fremden" sind, dann lehne ich konsequent ab. Dadurch habe ich jede Menge Zeit gewonnen, um die Dinge zu tun, die mir wichtig sind.

  • Ivan Blatter

    12.03.09 (10:33:56)

    @Michael: Ein gutes Beispiel, auch wenn es vielleicht nicht von allen gut angesehen wird. Danke für Deinen ausführlichen Kommentar!

  • Michael Kieweg

    12.03.09 (20:13:40)

    Dann hier vielleicht noch ein weniger "emotional" besetztes aktuelles Beispiel. Eine Bekannte fragte in einem Forum, das wir beide regelmäßig lesen, an, ob ihr jemand kurzfristig ihre Magisterarbeit gegenlesen könnte; Abgabetermin kommenden Montag. Ich ertappte mich zum Glück noch rechtzeitig, wie ich schon die Finger auf der Tastatur hatte, um meine Hilfe anzubieten. Dabei habe ich überhaupt keine Zeit dafür. Ich sitze auch jetzt noch in der Werkstatt und warte auf einen Kunden, die Steuer muss dieses Wochenende auch noch fertig gemacht werden und bis Samstag einschließlich müssen noch 3 Aufträge raus. Vor 3-4 Jahren hätte ich mich noch damit abgegeben und dafür eine Nachtschicht eingelegt, dabei schulde ich der Frau nichts und sie ist wirklich "nur" eine Bekannte.

  • Ivan Blatter

    13.03.09 (07:34:55)

    @Michael: Dein zweites Beispiel zeigt sehr schön, wie "Nein sagen" manchmal schlicht und einfach aus Selbstschutz notwendig ist. Es geht gar nicht mal so sehr darum, wie gut Du die Frau kennst, es geht eigentlich gar nicht um die Frau. In diesem Fall musstest Du an Dich und Dein Gleichgewicht denken. Das zu erkennen und sich einzugestehen, braucht oft Mut.

  • mimi mu

    13.12.09 (00:16:29)

    [Kommentar gelöscht. Bitte sachlich bleiben.]

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