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03.12.12

Ein Psychiater erklärt in 10 Thesen, warum es gar kein Burnout gibt

Die Überforderung des Menschen in der heutigen Arbeitswelt ist gegenwärtig ein heftig diskutiertes Thema. Burnout ist sogar als Ursache für Berufsunfähigkeit anerkannt. Nun sagt ein Psychiater: «Alles Quatsch» und gibt Tipps wie «Reden mit Oma».

Stress und Burnout sind in aller Munde und aus der gegenwärtigen Diskussion um Zeitmanagement und Work-Life-Balance nicht mehr wegzudenken. Es gibt ungezählte Bücher und Experten, die darüber Auskunft geben können. Als prominentes Beispiel hat Miriam Meckel ein Buch über dieses Thema geschrieben (mehr dazu hier und hier). Und es gibt, als Antithese sozusagen, sogar das «Boreout», also Stress durch Unterforderung. Heute würde vermutlich jeder sagen: Klar, Burnout ist eine ernstzunehmende Krankheit.

Ist Burnout eine Krankheit?

Das Landgericht München zumindest hat diese Haltung vertreten. 2006 erklärte es in einem Grundsatzurteil Burnout zum Fall für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Geklagt hatte ein Manager, dessen Versicherung zunächst nicht zahlen wollte und der nach dreijährigem Rechtsstreit schließlich Recht bekam. Psychische Erkrankungen und nervliche Belastungen gelten als eine der Hauptursachen für Berufsunfähigkeit.Und jetzt das: Der Chefarzt eines großen psychiatrischen Krankenhauses in Köln erklärt in der Frankfurter Rundschau, dass es Burnout als Krankheit gar nicht gibt. Im Interview zu seinem aktuellen Buch «BLUFF! Die Fälschung der Welt» sagt Dr. Manfred Lütz:

«Burnout gibt es als Krankheit gar nicht. In der internationalen Klassifikation psychischer Störungen durch die Weltgesundheitsorganisation kommt es überhaupt nicht vor. Es ist eine Z-Kategorie. Das sind keine wirklichen Krankheiten, sondern allgemeine Lebensprobleme.»

Ständige Erreichbarkeit gab es früher schon

Breite Zustimmung bei Facebook erhielt Lütz' Antwort auf die Frage nach der Überforderung des Menschen durch die ständige Erreichbarkeit (gefunden im Account von PR-Frau Dr. Kerstin Hoffmann):

«Im Dreißigjährigen Krieg waren die Leute rund um die Uhr für die Schweden erreichbar. Das war viel unangenehmer.»

Und um solche Probleme zu lösen, meint Lütz, müsse man nicht etwa zum Psychiater gehen, sondern mit guten Freunden und Familienangehörigen sprechen. Seine Aussagen habe ich nachfolgend in 10 Thesen extrahiert:

10 Thesen zur Überforderung in Job und Leben

  • Oma statt Psychiater: Lütz rät, bei Lebensproblemen mit der eigenen Oma oder sonst jemandem mit Lebenserfahrung zu sprechen. Gereifte Persönlichkeiten, sagt Lütz, haben vielleicht nicht das theoretische Wissen eines Therapeuthen, dafür aber mehr Lebenserfahrung.
  • Nicht jede Krise ist ein Psychoproblem: Wir gehen heute wegen jedem kleinen Problemchen zum Therapeuthen. Der kann aber, sagt Lütz, nur bei psychischen Störungen helfen. Bei Lebenskrisen kommt es hingegen auf den gesunden Menschenverstand an. «Differenzieren» rät der Psychiater.
  • Beförderung bis zur Inkompetenz vermeiden: Nach dem Peter-Prinzip neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. Und dann sitzt er inkompetent auf einem Posten, auf dem er völlig unglücklich ist. Quatsch, meint Lütz.
  • Kündigen statt Burnout-Klinik: Bei Überforderung durch den Chef hilft auch keine Burnout-Klinik, sondern einfach eine Kündigung, sagt der Klinikchef.
  • Nicht jedem Guru glauben: Selbsternannte Gurus wissen oft auch nicht mehr als jeder Mensch mit etwas Lebenserfahrung. Dennoch lassen sich viele von dem Scheinwissen blenden.
  • Es ist nicht alles wissenschaftlich erklärbar: Jede psychische Regung lässt sich auch auf molekularer Ebene erklären. Doch die Fülle menschlicher Gefühle auf ein paar Neurotransmitter zu reduzieren, sei naiv und unwissenschaftlich, sagt der Wissenschaftler.
  • Einfach mal im Wald spazierengehen: Wer Burnout vorbeugen will, sollte einfach mal abschalten und im Wald spazieren gehen. Oder Sport treiben, um die Stresshormone abzubauen.
  • Öfter mal aus der Rolle fallen: Man sollte zwischendurch mal aussteigen aus den ganzen Rollen, die man in seinem Arbeitsleben so spielt - und  man selbst sein. Auch wenn der eine oder andere einen vielleicht schräg anschaut. Aber der eigene Seelenfrieden ist das wert.
  • Das wahre Leben nicht vergessen: Es besteht die Gefahr, dass die Rollen zum Lebensinhalt werden und man darüber sich und seine ureigensten Bedürfnisse vergisst. Der echte Sinn des Lebens, mahnt der Autor, sind Wahrheit und Liebe.
  • Beziehungen pflegen: Dementsprechend empfiehlt Lütz, mehr Zeit mit seinen Mitmenschen zu verbringen und Beziehungen zu pflegen. Denn die würden viele Menschen vergessen, weil sie den ganzen Tag irgendwelchen Rollenvorbildern nacheiferten.

 

Bild: Lisa Brewster bei flickr.com (CC BY 2.0)

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