15.09.11 06:20

, von Thomas Mauch

Dinge geregelt kriegen: Der Versuchung widerstehen können

Selbstkontrolle und eine «Can do»-Einstellung sind entscheidend für den beruflichen Erfolg. Wie man dazu kommt? Vernünftig essen, genug schlafen und nicht gehorsam sein.

Wieso gibt es Menschen, die mehr erledigt kriegen als andere? Rosabeth Moss Kanter, Professorin an der Harvard University und Buchautorin glaubt an die einfache Erklärung: Diese Leute tun immer etwas. Sie würden nie stehen bleiben, schreibt Kanter, sie würden die Initiative ergreifen und nicht warten, bis ihnen gesagt wird, was sie zu tun hätten.

Dahinter sieht sie vier grundlegende Prinzipien, die zu einer solchen Haltung verhelfen - nicht so sehr praktische Tipps als vielmehr Einstellungsfragen, die unternehmerisches Denken und Handeln ausmachen.

1. Kleine Erfolge zählen. Kanters Studien zeigen, dass die eigene Einschätzung, wie erfolgreich ein Vorhaben enden wird, darüber entscheidet, wieviel Bemühungen wir reinstecken. Rechnen wir mit einem am Ende gelungenen Projekt, arbeiten wir mehr dafür. Der Weg dahin ist gepflaster mit kleinen Erfolgen: Ein gelungenes Kundengespräch, eine innovative Lösung für ein Teilproblem - kleine Erfolge, die wir schätzen und auch ein wenig feiern müssen. 2. Der Erfolg kommt in kleinen Schritten. Der altbekannte Hinweis, grosse Vorhaben in kleine Schritte aufzuteilen. Erfolgreiche Menschen hätten den Antrieb, noch ein kleines Ding mehr zu erledigen. Morgen stapeln sich wieder neue Aufgaben. Also noch einen Anruf tätigen, noch eine Mail schreiben.

3. Perfektion ist unerreichbar. Perfektion gibt es nicht. Es hat keinen Zweck, darauf hinzuarbeiten. Also kann man es einfach tun. Ausprobieren. Mit dem Risiko, dass es nicht klappt. Dann probiert man's noch mal. Alles, bloss nicht warten.

4. Etwas zu unternehmen führt zu mehr Energie. Es fühle sich, so Kanter, einfach besser an, Dinge erledigt zu kriegen. Besser als rumzusitzen und zu warten. Überarbeitung könne zwar zu Stress führen. Kanter weist aber darauf hin, dass Stress vor allem auftaucht, wenn wir die Dinge nicht selbst kontrollieren können. Also lieber viel arbeiten, dafür die Dinge in der Hand haben.

Rosabeth Moss Kanters «Can do»-Philosophie erklärt sicher gut, weshalb erfolgreiche Menschen erfolgreich sind und ihre Aufgaben und Vorhaben erledigt kriegen. Nur: Was tun, wenn ich müde werde? Tony Schwartz, der CEO von The Energy Project, kümmert sich seit 10 Jahren vor allem um die eine Frage: Wie gehe ich mit meiner Energie um?

Selbstkontrolle ist nicht Gehorsam

Ähnlich wie für Kanter sieht Schwartz den Grund für den Erfolg von Menschen in der Fähigkeit zur Selbstkontrolle: Die Fähgikeit, einer «Versuchung» (z.B. um 17 Uhr nach Hause zu gehen) kurzfristig zu widerstehen, die Belohnung aufzuschieben und statt dessen vielleicht ein nachhaltigere Vorhaben anzugehen (z.B. noch ein Telefonat zu erledigen). Allerdings hätten wir häufig falsche Vorstellungen von Selbstkontrolle. Das habe, so Schwartz, weniger mit Charakter, Selbstdisziplin oder ähnlichem zu tun.

Diesen Punkt unterstreicht auch Seth Godin auf seinem Blog. Selbstkontrolle, so Godin, würde häufig mit Gehorsam verwechselt. So seien nämlich unsere Unternehmen und Schulen aufgebaut: Mit der Idee, dass Gehorsam irgendwann dazu führt, dass man sich selbst gehorcht und sich dieser Gehorsam auf wundersame Weise in Selbstkontrolle verwandelt. Aus einem gehorsamen Soldaten, meint Godin, sei noch nie ein grosser General geworden.

Selbstkontrolle braucht Energie

Erfolgreich Selbstkontrolle auszuüben heisst für Tony Schwartz, seine Energie erfolgreich zu «bewirtschaften». Erstens muss man anerkennen, dass unser Reservoir an Selbstkontrolle beschränkt ist. Jedesmal, wenn wir Selbstkontrolle ausüben («ich esse diesen Schokoriegel jetzt nicht»), verbrauchen wir Energie, die für den nächsten Akt der Selbstkontrolle (»diese Zigarette lasse ich sein») weniger zur Verfügung steht. Der berühmte Marshmallow-Test beziehungsweise das Video dazu dokumentiert eindrücklich, wie dieser «Glücksmuskel» funktioniert.

Das persönliche Energiereservoir gut zu managen ist deshalb der wesentliche Faktor für den Erfolg. Schwartz schlägt drei grundlegende Strategien vor: Dafür zu sorgen, dass man mehr Energie hat, diese Energie effizienter einzusetzen und das Energiereservoir regelmässig zu erneuern.

Essen, schlafen, zur richtigen Zeit arbeiten

Ernährung und Sport sind für Schwartz zwei wichtige Massnahmen, um das eigene Energieguthaben zu erhöhen. Fünf- bis sechsmal pro Tag essen, Glukosespiegel hochhalten, wenig Zucker und einfache Kohlenhydrate.

Dann schlägt er vor, die Energie effizient und zur richtigen Zeit einzusetzen. 90 Minuten konzentriertes Arbeiten am Morgen verbrauche weniger Energie als die gleiche Menge Arbeit am Nachmittag. Seinen Vorschlag für ein regelmässiges «Arbeitsritual» haben wir vor einiger Zeit hier auf imgriff.com beschrieben.

Und als letztes, um die eigene Energie zu erneuen, weist Schwartz auf die Wichtigkeit von Schlaf hin. Er verweist auf Studien, nach denen erfolgreiche Menschen mindestens zwei Stunden mehr schlafen als die Durchschnittsbevölkerung. Schwartz schlägt mindestens acht Stunden vor.

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Kommentare: Dinge geregelt kriegen: Der Versuchung widerstehen können

Ein super Artikel, der zeigt, wie wichtig es ist, in Bewegung zu bleiben. Die Frage, ob man 5- bis 6-mal am Tag essen möchte, ist aber aus meiner Sicht nicht so wichtig. Nicht alle werden mit Grazing glücklich, und ernährungsphysiologisch gesehen ist es ziemlich egal, ob man 3-mal oder 6-mal am Tag isst, solange man sich für gesunde Lebensmittel und die richtige Portionsgröße entscheidet.

Diese Nachricht wurde von Tanja Handl am 15.09.11 (10:11:43) kommentiert.

Alles gute und richtige Tipps. Nur die Mahnung, zur richtigen Zeit, nämlich am Morgen, zu arbeiten, ist wohl etwas einseitig. Das ist durchaus eine Typ-Frage und eine Frage, wie man es gewöhnt ist. Ich habe seit 30 Jahren einen Arbeitsrhythmus, der mir am späten Nachmittag die meiste Energie abverlangt und die Arbeit oft bis in den Abend verlagert. Das entspricht zum einen meinem Typ - Eule - und ist mir zur Gewohnheit geworden. Warum dies also ändern?

Diese Nachricht wurde von Susanne Peyronnet am 15.09.11 (19:41:02) kommentiert.

Ich bewundere Tony Schwartz schon seit Jahren für seine Arbeit. Beim Thema Ernährung gehe ich jedoch mit Tanja einig. Nicht überall helfen rigide Systeme wirklich weiter. Ich bin beispielsweise ein überzeugter 3x-täglich-Esser und kann das auch ernährungsphysiologisch begründen. Was will ich damit sagen? Die Ideen von Tony Schwartz sind sehr hilfreich. Bei der konkreten Umsetzung sollten wir aber - wie überall im Bereich der Produktivität - von rigiden Systemen oder von DER Lösung wegkommen und den Menschen lieber helfen, ihre persönliche Lösung zu finden.

Diese Nachricht wurde von Ivan Blatter am 19.09.11 (05:12:51) kommentiert.
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