20.09.12 08:40, von Simone Janson

Die Wiederentdeckung der Social Bookmarks: Delicious effektiv nutzen

Das persönliche Wissensmanagement wird in unseren informationsintensiven Zeiten zur Kernkompetenz. Das Web bietet alle notwendigen Tools dazu - hier ein Blick auf Delicious.


Um ehrlich zu sein, hatte ich den Trend Social Bookmarks verschlafen. Und bin gleich bei Twitter eingestiegen. Ich sah zunächst einfach keinen Sinn darin, alle Artikel, die mich irgendwie interessieren, mit anderen Menschen zu teilen – kollaboratives Arbeiten war noch zu weit weg von mir.

Twitter als Bookmarking-Service?


Dann fungierte eine Weile Twitter als öffentlicher Bookmarketingdienst: Man kann Nachrichten sammeln, weitergeben und als Favorit bookmarken. Allerdings ist Twitter eben gleichzeitig auch ein hervorragendes Marketing-Tool, bei dem das weitergeben von Informationen auch einen gewissen strategischen Nutzen verfolgt. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich jeden Link, den ich persönlich interessant finde, dort mit meinen Followern teilen würde, würde ich diese zuspammen und wäre bald alle Follower los.

Dazu kommt noch, dass schlichte Tweets und Retweets irgendwann nich mehr abrufbar sind. Was ich dauerhaft behalten möchte, muss ich favorisieren – und diese Favoriten erscheinen dann in einer chronologischen Liste ohne die Möglichkeit, sie irgendwie thematisch zu sortieren. Kurz: Twitter mag zwar ein exzellenter Nachrichtenkanal sein, zum bookmarken und wiederfinden der News taugt es jedoch nicht.

Delicious und seine vielen Einsatzmöglichkeiten


Ein anderes Tool musste her. An diesem Punkt entdeckte ich Delicious wieder – ich hatte mir hier schon vor Jahren einen Account angelegt. Und bin seitdem von den vielen flexiblen Einsatzmöglichkeiten als Bookmarkingdienst, Twitter-Backup bei Seminaren und in meinem Blog begeistert. Wie und wozu nutze ich aber Delicious genau?

1. Bookmarkingservice


Zunächst ganz traditionell als Bookmarkingdienst. Das war nötig geworden, da ich mittlerweile an einem festen Computer, an einem Netbook und auf einem Handy arbeite. Und auf allen drei möchte ich meine Lesezeichen jederzeit griffbereit haben. Die einzige passable Möglichkeit, die ich dazu gefunden habe, war Delicious. Es gibt ein Delicious Add-On für Firefox und eine App für Android (eine Auswahl im Play Store) und mit beiden lassen sich Delicious-Links schnell und unkomplziert bookmarken – z.B. auch, wenn ich auf dem Handy einen interessanten Linkt bei Twitter entdecke.

2. Backup-Funktion für Twitter


Apropos Twitter: Wie schon erwähnt, sind älter Tweets, wenn sie erstmal durchgelaufen sind, nach ein paar Monaten nicht mehr erreichbar. Man möchte seine Tweets, ähnlich wie Blogbeiträge, aber vielleicht doch irgendwo speichern und hinterher nochmal einsehen. Was also tun? Der Dienst packrati.us schafft Abhilfe: Mit ihm kann man einfach und schnell seine Tweets bei Delicious sichern und auch mit bestimmten Tags versehen. Das eigene Twitterarchiv sozusagen und auch noch allseits griffbereit. Eine weitere Möglichkeit zum Speichern eigener Tweets hat Blogwerk-Kollege Mathias Vettiger hier mit ifttt dargestellt.

3. Delicious in Seminaren nutzen


Allseits griffbereit ist ein gutes Stichwort: Als ich kürzlich ein Online-Marketing-Seminar gab, arbeitete ich mit verschiedenen Medien: Power-Point-Folien auf der einen Seite, aber andererseits habe ich meine Präsentation auch immer wieder unterbrochen, um Videos oder Websites vorzuführen. Aber das Abtippen der URL erwies sich für die Teilnehmer schnell zu mühsam. Eine andere Möglichkeit musste her, um ihnen die Links direkt auf ihrem Computer direkt einspielen zu können. Und was habe ich da benutzt: Delicious. Denn hier lassen sich die Links auch gleich mit einem passenden Seminar-Tag versehen, so dass die Teilnehmer die Informationen auch später jederzeit wiederfinden können.

4. Delicious als Linkliste im Blog


Wiederfinden ist schließlich auch wichtig bei meinem vierten Vorteil: Ich nutze Delicious als Linkliste in meinem Blog. U.a. für meine Seminar-Teilnehmer und andere Technik-Interessierte habe ich eine Rubrik angelegt, in der ich diverse Tipps & Tutorials sammle. Da ich nicht zu jedem Technik-Hack, den ich irgendwo im Netz finde, gleich einen Blogbeitrag erstelle, ich aber im Laufe der Zeit sehr viele Coding-Tipps gerade für Wordpress angesammelt habe, macht es Sinn, diese als Linkliste in der Sidebar der Tutorial-Rubrik auszugeben. Und genau dabei hilft mir Delicious: Hier kann ich zu jedem Tag einen RSS-Feed erstellen, den ich dann per Sidebar-Widget in das Blog einbinden kann. Und wer ältere Tipps sucht, kann einfach bei Delicious danach suchen.

Nutzt Ihr noch Social-Bookmarking-Dienste – und wenn ja, wie?

© 2015 förderland
  drucken
RSS Feed Beobachten

Kommentare: Die Wiederentdeckung der Social Bookmarks: Delicious effektiv nutzen

Ich benutzte vor langer Zeit einen Vorläufer von Delicious, dessen Name mir entfallen ist, dann Delicious, später Evernote und seit etwa zwei Jahren Memonic. Umgestiegen bin ich jedes Mal aus dem gleichen Grund: Die Dinger waren mir viel zu langsam, ich wollte nicht so lange warten, bis ein Hinweis gespeichert war. Memonic übertraf sie punkto Geschwindigkeit alle. Ob es immer noch so ist? Ich verhasple mich immer wieder mit der Ablegeordnung. Ob Kategorie, Ordner, Verzeichnis, Thema, Tag, Stichwort oder wie die Gliederungshilfe heisst – die Ablegeordnung muss man sich selbst zurechtlegen. Ist man beim Klassifizieren zu wenig sorgfältig, ist das rasche Wiederauffinden Illusion. Gerade beim Speichern von Hinweisen auf Web-Seiten – also nur Hinweise, ohne einen langen Text – verringert sich die absuchbare Menge auf die vergebenen Stichworte und die Ordnerunterteilung. Wenn man sich da nicht stur an einen engen Begriffskatalog (Thesaurus) hält, sucht man "haarscharf daneben", findet nichts und beginnt mit Google von vorne. Da ist viel Selbstdisziplin und Organisationsarbeit nötig. DIE Lösung für das Klassifizieren habe ich noch nicht gefunden. Hat jemand gute Ideen?

Diese Nachricht wurde von Norbert Nigg am 20.09.12 (16:04:50) kommentiert.

ich bin vor kurzem von delicious zu bibsonomy gewechselt. vorteil: man kann publikationen gesondert bookmarken, und der server steht in deutschland. :)

Diese Nachricht wurde von viola am 21.09.12 (08:58:55) kommentiert.

das ideale klassifikationssystem gibt es nicht. :) man muß sich für das jeweils vorhandene ein für die eigenen zwecke möglichst passendes vorgehen überlegen. ich komme mit tags gut zurecht (bei delicious und bibsonomy werden einem beim vergeben der tags die schon vorhandenen angezeigt, das "konsolidiert" das eigene tag-vokabular). was auch hilft ist die benutzung des anmerkungsfeldes; die volltextsuche grast es mit ab und hilft damit ggf. beim wiederfinden. mangelnde geschwindigkeit war übrigens für mich weder bei delicious noch bei bibsonomy je ein problem.

Diese Nachricht wurde von viola am 21.09.12 (10:32:22) kommentiert.

Ich nutze mein Delcious-Konto http://www.delicious.com/medienpaedagoge/ zunächst als Sortierhilfe, um für mich relevante Artikel über die Tags wieder auffindbar zu machen. Ich habe auch den Eindruck, als verknüpfe ich die Artikel besser in meinen Wissensstand, wenn ich Sie aktiv mit Tags in meine Sammlung einpflege. Dann hat die Sammlung einen Wert für Studierende aus meinen Seminaren, die über Tags und deren Kombination einen schnellen Einstieg in erstes Recherchematerial finden können.

Diese Nachricht wurde von Gregory Grund am 24.09.12 (15:17:16) kommentiert.

@viola Danke für den Hinweis auf BibSonomy, das ich jetzt benutze. Mit der Möglichkeit, Tags zu "Konzepten" zu gruppieren, sowie mit der Anzeige von Tags, Konzepten und deren Hierarchie auf dem Eingabebildschirm bietet BibSonomy was ich gesucht habe: Eine einfache, wirkungsvolle Unterstützung beim Einordnen.

Diese Nachricht wurde von Norbert Nigg am 08.10.12 (13:18:56) kommentiert.

@norbert: das freut mich!

Diese Nachricht wurde von viola am 08.10.12 (13:26:20) kommentiert.

Ich finde die social bookmarking services wie delicious eine tolle Sache. Gerade auch für Projekte, Events etc. kann man damit gut nützliche Linksammlungen erstellen und teilen. Ich habe zunächst delicious genutzt und bin irgendwann auf pinboard.in gestoßen. Pinboard ist etwas "magerer" und gefällt mir deshalb besser. Damit kann ich alle meine Links mit Tags sammeln. Ich nutze meine Linklisten zu bestimmten Tags gerne um diese in meine Website und meine Blogs einzubinden. So habe ich immer aktuelle Linksammlungen auf meiner Website eingebunden ohne dass ich dort etwas editieren muss. Dabei nutze ich gerne auch Kombinationen von Tags, also z. b. "Noten" und "Mandoline" um alle meine Links für Mandolinennoten zu finden. Die Links werden ab und zu exportiert (pinboard bietet verschiedene Formate dafür, so hat man auf jeden Fall auch ein backup) und bei delicious wieder importiert - falls jemand delicious bevorzugt kann derjenige also damit arbeiten. (kurios: seit Kurzem verlangt delicious dass man sein Konto mit twitter oder facebook verknüpft hat, wenn man bookmarks importieren will) Pinboard ist schnell, das Interface gefällt mir gut, es kostet eine einmalige Registrierungsgebühr, aber für mich hat sich das gelohnt. Wer sich meine pinboard links ansehen will: https://pinboard.in/u:mandoisland

Diese Nachricht wurde von Michael Reichenbach am 24.10.12 (13:57:11) kommentiert.
Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Titel*

Name*

E-Mail*

(Wird nicht veröffentlicht!)

URL

Kommentar*

Um Spam zu vermeiden, lösen Sie bitte folgende Rechenaufgabe:

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer