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04.06.08Leser-Kommentare

Die Walt-Disney-Strategie

Der Zeichner und Produzent Walt Disney hatte eine einfache und zugleich geniale Methode, um seine Ideen und Einfälle bis zur Umsetzungsreife zu bringen: Er spielte alle Aspekte mit verteilten Rollen durch.

Walt Disney - genau DER Walt Disney - war ein genialer Zeichner und später erfolgreicher Filmproduzent, der Ideen am laufenden Band entwickelte. Leicht glaubt man - wie bei allen kreativen Menschen -, dass die Ideen einfach so aus ihm heraus sprudelten. Doch es steckt mehr dahinter: Ideen fliegen einem selten einfach zu, sondern sind Arbeit. Walt Disney hat zum Überwinden von Denkblockaden eine eigene Strategie basierend auf einem Rollenspiel entwickelt. Er hat nacheinander drei Rollen eingenommen: Der Träumer, der Realist und der Kritiker. Diese Strategie wurde später von Robert Dilts ins Neurolinguistische Programmieren (NLP) aufgenommen bzw. modelliert. So fand die Methode ihren Durchbruch.

 

In der Regel vermischen wir die drei Rollen Träumer, Realist und Kritiker: Der Realist bremst den Träumer aus, bevor der richtig loslegt, der Kritiker macht den Realisten mundtot, oder der Träumer übergeht den Kritiker. Außerdem sind die Rollen bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Walt-Disney-Strategie setzt hier an und versucht, die Rollen ins Gleichgewicht zu bringen, indem man sich bewusst in eine Rolle nach der anderen versetzt.

Die Strategie lässt sich entweder für die freie Ideenfindung einsetzen oder wenn die Vision/die Mission schon bekannt sind und man den Weg dorthin sucht.

Der Träumer

Beginne mit der Rolle des Träumers. Lass Deiner Fantasie freien Lauf. Egal, ob und wie Du die Sache, um die es geht, überhaupt umsetzen kannst, ob es realistisch ist oder nicht, ob es nur ein Luftschloss ist oder nicht: Schreibe es auf und hinterfrage es in dieser Phase nicht.

Der Realist

Anschließend ist der Realist dran. Frage Dich, wie Du Deinen Traum konkret realisieren kannst. Frage nicht, ob Du das kannst, sondern wie. Denn das "ob" ist die Frage des Kritikers. Der Realist macht einen Plan, er notiert Maßnahmen, Termine, Mittel, Ressourcen. Entwirf also einen konkreten Plan zu Deinem Traum.

Der Kritiker

Jetzt kommt der Kritiker. Frage Dich in dieser Phase, ob Du das Projekt überhaupt realisieren kannst. Genauer: Frage Dich nicht nur, sondern suche alle Fehler und Schwachstellen. Nimm Deinen Plan und Deine Idee auseinander, sei kritisch und kleinlich!

Wenn Du durch bist, beginne wieder mit dem Träumer. Wie reagierst Du in dieser Position auf den Plan des Realisten und die Einwände des Kritikers? Fantasiere weiter und finde eine kreative Lösung darauf. Geh dann weiter zum Realisten und wieder zum Kritiker. Wiederhole diesen Prozess so lange, bis Du einen guten Plan hast, an dem Du als Kritiker keine Mängel mehr feststellst und der dem Träumer auch hochfliegend genug ist.

Um die Rollen konsequent zu trennen, ist es ideal, sie auch räumlich zu trennen. Walt Disney hatte angeblich einen Raum für jede Rolle: Im Träumer-Raum befanden sich viele Pflanzen, große Fenster zum Träumen und wenig Ablenkungen. Der Realist-Raum war ein normales Büro mit Schreibtisch, Nachschlagewerken, Telefon usw. Der Kritiker-Raum schließlich war ein sachlicher, schlichter, nüchterner Raum.

Wahrscheinlich wirst Du kaum drei Zimmer extra einrichten können, aber Du kannst trotzdem für jede Rolle andere Positionen in Deinem Zimmer oder Deiner Wohnung einnehmen: Stell Dich als Träumer ans Fenster, steh auf, geh umher, geh raus oder nimm Platz auf dem Sofa. Der Platz für den Realisten kann Dein Schreibtisch sein. Hier hast Du gleichzeitig auch alles verfügbar, was Du für den Plan benötigst. Der Kritiker sitzt vielleicht an einem schlichten Tisch und rauft sich ständig die Hände. Such Dir geeignete Plätze, wo Du Dich am besten in die jeweilige Rolle versetzen kannst.

Kennst Du diese Methode? Oder arbeitest Du mit einer Alternative? Mich interessieren Deine Erfahrungen. Hinterlass einfach einen Kommentar.

Kommentare

  • Nimue

    05.06.08 (16:40:18)

    Ich hab die Methode mal in einem NLP-Kurs ausprobiert... war sehr Faszinierend. Der Dozent hat einfach Tettel auf den Boden gelegt mit "träumer" "realist" usw. Je nachdem, wo ich stand, vielen mir nur die dementsprechenden Argumente ein. Witzigerweise brauche ich die aber gar nicht, wenn ich etwas tun möchte, tu ich es einfach. Ich empfehle diese Methode aber sehr gern.

  • THL

    05.06.08 (19:48:14)

    Sehr schöne Methode um Ideen weiter zu entwickeln! Damit die Trennung der Rollen gut gelingt, sind 3 Räume ideal. Falls die nicht vorhanden sind tun es verschiedene Zimmerecken aber auch. Meine Erfahrung: Unbedingt in den verschiedenen Rollen auch verchiedene Körperhaltungen einnehmen (stehen, aufrecht und korrekt sitzen, gemütlich lümmeln bspw.). So gelingt die Trennung der Rollen besser. Ich nutze die Methode in der Einzelarbeit, aber auch mit Teams.

  • Ivan Blatter

    07.06.08 (06:21:21)

    @Nimue: Das stimmt schon, dass man meistens die verschiedenen Perspektiven einfach so anwendet. Doch manchmal hören wir vielleicht ein wenig zu sehr auf den Kritiker oder der Träumer hebt ab. Die Methode hilft dann, das Gleichgewicht zu wahren. @THL: Guter Tipp wegen der Körperhaltung. Ist in meinem Artikel wohl zu wenig hervor gekommen, aber ist sicherlich ein "Erfolgsfaktor" für die Methode. Ich weiss, dass man die Methode auch in Teams einsetzen kann, habe aber leider noch keine direkte Erfahrung damit machen können. Ist sicher spannend!

  • Tami

    07.06.08 (15:03:27)

    NLP wird erfolgreich auch bei Comic-Zeichnern und Verlagen angewendet. In der verlagsabteilung meines Freundes, werden diese Szenarien durchgespielt bei neuen Projekten und Geschichten. Die wichtigste Position nimmt hier der Realist ein, da es sich ja auch immer um Profit dreht.

  • Jochen

    19.08.08 (15:29:02)

    Bin auf diese Methode beim Recherchieren des Aktienkurses von Disney gestoßen und habe nun schon mehrere Sachen darüber gelesen. Hier steht nun zum ersten mal, dass nach dem Träumer der Realist folgen soll. Ich dachte bislang, der Kritiker, damit man dann im Anschluss aus Träumer und Kritiker eine reale Lösung erarbeiten kann. Gibt es da Meinungen zu?

  • Ivan Blatter

    20.08.08 (09:07:59)

    @Jochen: Hmm, ich weiss nicht, wie es bei Walt Disney war. Mir scheint die Reihenfolge Träumer-Realist-Kritiker logischer, da der Kritiker ja die beiden anderen auseinander nimmt. Wahrscheinlich ist aber die Reihenfolge nicht wesentlich, sondern dass man die Rollen bewusst auseinander nimmt und so eine vollständige Betrachtung erhält.

  • Manuela Martin

    19.09.11 (14:51:22)

    Hallo, ich kenne diese Methode und finde sie wirklich sehr gut. Ich habe vor kurzem von der Großgruppen-Alternative der Walt Disney gehört 5-3-2-1. Allerdings verstehe ich nicht, wie man diese umsetzen kann. Kennt diese jemand oder kann mir die Vorgehensweise einer erklären? Würde diese Variante gern in meinem nächsten Training mal ausprobieren?! Lieben Dank schon mal Manuela

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