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03.03.14Kommentieren

Die Marshmallow Challenge: Ist einfach loslegen effektiver als lange planen?

Strategische Planung gilt als Garant für gute Ergebnisse. Ein simples Experiment mit Spaghetti und einem Marshmallow zeigt allerdings, dass sie nicht zwangsläufig produktiver macht.

Wer vorausschauend plant, Strategien entwirft und Entscheidungen nur nach ausführlichem Abwägen trifft, gilt gemeinhin als effektiver als Menschen, die intuitiv bzw. "aus dem Bauch heraus" entscheiden. Denn im Gegensatz dazu ist eine durchdachte Strategie wohlüberlegt und basiert oft sogar auf wissenschaftlicher Forschung. Da klingt es logisch, dass die Ergebnisse besser sein müssen. Oder?

Ein Personaler erzählte mir kürzlich etwas anderes: Sein Unternehmen setzt bei der Bewerber-Auswahl und auch zum Teambuilding die Marshmallow Challenge ein. Und die scheint das Gegenteil zu beweisen.

Die Marshmallow Challenge erklärt

Eine Gruppe bekommen eine Packung ungekochte Spaghetti, Bindfaden, Klebeband und ein Marshmallow. Die Aufgabe: Das Team muss in einem fest definierten Zeitrahmen von 18 Minuten aus den Spaghetti einen möglichst hohen Turm bauen, auf dessen Spitze ein Marshmallow zu platzieren ist. Diese Challenge wurde mit verschiedenen Gruppen getestet – unter anderem mit Absolventen von Business-Schools, aber auch mit vierjährigen Kindergartenkindern.

Und nun raten Sie mal, welche Gruppe besser abgeschnitten hat? Jochen Mai von Karrierebibel.de hat die Ergebnisse übersichtlich zusammengefasst:

  • 50 Zentimeter ist der Turm bei einem durchschnittlichen Team hoch.
  • Business-School-Absolventen kommen im Schnitt nur auf 25 Zentimeter.
  • CEOs konstruieren im Schnitt 60 Zentimeter-Bauwerke. Wenn nur ein CEO dabei ist, der mit seinen Sekretärinnen zusammenarbeitet, werden es aber 80 Zentimeter.
  • Kindergartenkinder bauen bis zu 75 Zentimeter hoch.

Warum einfach ausprobieren effektiver ist

Die Erklärung für diese Ergebnisse der Marshmallow Challenge ist so einfach wie überraschend: Business-School-Absolventen halten sich einerseits in Eitelkeiten und Rivalitätskämpfen auf. Sie sind andererseits auch darauf trainiert, strategisch auf die einzig richtige Lösung hinzubauen. Wenn das dann nicht klappt, haben sie keine Zeit mehr, etwas Neues auszuprobieren.

Den CEOs merkt man die praktische Organisationserfahrung an. Wenn sie aber mir ihren Sekretärinnen zusammenarbeiten und nur einer den Ton angibt, werden sie eben noch besser.

Dass die Kindergartenkinder so gut abschneiden, liegt nicht nur daran, dass sie fern von Rivalitätskämpfen gut zusammenarbeiten. Sie sind auch einfach unbefangen genug, die Dinge einfach mal auszuprobieren. Wenn der Turm dann unterwegs zusammenfällt, versuchen sie es einfach nochmal. Mit dieser Learning-by-doing-Methode sind sie offensichtlich erfolgreicher als Business-School-Absolventen und die meisten Firmenchefs.

Das bringt die Marshmallow Challenge

Man sieht also, dass strategische Planung nicht immer zu den besseren Ergebnissen führen muss. Manchmal ist es besser, die Dinge einfach mal auszuprobieren - getreu dem Motto: Probieren geht über Studieren.

Bild: Luigi Mengato bei flickr.com (CC BY 2.0)

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