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04.02.13

Die Fragmentierung der sozialen Kommunikation: Wird Google Facebook überleben?

Während Netzaktivisten - etwa hier bei Carta - das Ende des freien Internets durch Facebook befürchten, sehen alte Hasen die Situation gelassener und kritisieren vor allem das Hype-Geschäftsmodell von Facebook. Aus ihren Reihen hört man: Google wird Facebook überleben, u.a. weil sich unsere Kommunikationstools immer weiter fragmentieren. Stimmt diese These?

Kürzlich hatte ich ein spannendes Treffen mit Gerhard Kenk. Er betreibt sein Blog Crosswater Job Guide schon seit 2000 und ist der dienstälteste deutsche Jobbloger. Mit Informationstechnologie beschäftigt er sich jedoch schon wesentlich länger: Gut 30 Jahre lang arbeitete er zuvor in der IT-Industrie. Er hat in dieser Zeit so einige Trends und Hypes kommen und gehen sehen.Vor kurzem hat Kenk nun die neue Jobbörse von Facebook und das Geschäftsmodell des derzeit angesagtesten Sozialen Netzwerks analysiert. Und kommt zu dem Schluss: Die machen es nicht lange. Google wird den Kampf der Giganten gewinnen. Seine Thesen und die Begründungen dafür möchte ich hier einmal zur Diskussion stellen:

  • Die Blackbox-Schwäche: Das Hauptproblem von Facebook aus ökonomischer Sicht sieht Kenk in einer Eigenschaft, die auch von Netzaktivisten immer wieder kritisiert wird: Facebook ist wie eine Blackbox, die alle Inhalte aufsaugen und nach außen abschließen will. Wer nicht Teil des Netzwerks ist, bekommt nicht mit, was darin vorgeht. Genau das aber ist gemäss Kenk die strukturelle Schwäche von Facebook: Während Google alle Inhalte zugänglich macht, versperrt Facebook den Zugang für die Nutzer. «Das ist ein Konzept aus den 50ern», sagt Kenk. «Natürlich starten alle Unternehmen erstmal mit dem Anspruch, die alleinige Nr. 1 zu sein und versuchen, die User auf ihre Seite zu ziehen. Irgendwann aber merken sie schon, dasss es nicht klappt.»
  • Das Heiße-Luft-Syndrom: Facebook sei, so Kenk, viel heiße Luft und sein Erfolg sei alleine Hype-gesteuert. Seit dem Börsengang beschäftigen sich auch Analysten mit dem Geschäftsmodell von Facebook und stellen fest, dass wenig dahinter steckt. Als Beleg nennt Kenk die neue Jobbörse des sozialen Netzwerks: Es seien in San Francisco gerade mal 800 und in Köln 1200 Recruiter zwischen 25 und 45 bei Facebook. «Wie soll da die Jobbörse funktionieren?» fragt Kenk.
  • Das «kommunistische» Geschäftsmodell: Das Geschäftsmodell von Facebook ist austauschbar. Während die Suche von Google bis heute konkurrenzlos ist und Google zudem in einer Art kommunistischem Geschäftsmodell kostenlos Inhalte anderer zu Geld macht, kann das Geschäftsmodell von Facebook leicht kopiert werden. Die Überschneidungen mit anderen Sozialen Netzwerken wie Google+ sind zu stark.
  • Die Fragmentierung der Kommunikation: Evolutionär gesehen, so Kenk, streben alle Ideen nach Spezifizierung. Auch unsere soziale Kommunikation werde sich daher immer weiter fragmentieren: Der Trend geht zum Spezialnetzwerk, in dem sich spezielle Communities treffen und austauschen – etwa LinkedIn für hochspezialisierte Business-Kontakte oder Researchgate für Wissenschaftler. Facebook als Netzwerk für alle kann daher langfristig nicht am Markt bestehen.
  • Die Mosaik-Strategie: Google habe, sagt Kenk, mit seiner Vielzahl von Diensten einfach eine viel breitere Basis für sein Geschäftsmodell. Der Suchmaschinenanbieter verfolgt eine Strategie der Mosaiksteinchen, bei der viele kleine Angebote unter dem Markennamen Google ein großes Ganzes ergeben – anders als Facebook, das bislang nur das soziale Netzwerk etablieren konnte.

Das baldige Ende von Facebook? In Anbetracht von 1 Milliarde Nutzern klingt diese These etwas gewagt. Und doch kann ich vielen Punkten nur zustimmen: Das Internet als Blackbox - dieses Konzept hat schon in den 90ern AOL erfolglos zu etablieren versucht. Zudem merke ich bei Facebook an der deutlich gesunkenen Kommunikationsbereitschaft der Nutzer, dass der ganz große Hype vorbei ist.

Schließlich ist die Fragmentierung eine Tatsache, die sich in der Wirtschaftsgeschichte sehr deutlich zeigt. Und auch wenn Google+ bislang hinter Facebook herhinkt, hat Google tatsächlich das breitere Geschäftsmodell. Welcher der beiden Internet-Giganten am Ende wirklich die Oberhand gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall bleibt es spannend.

 

Bild: Eldar_ bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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