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25.03.13

Die Ehrenrettung der Snooze-Taste: In der unproduktiven Phase Schwung für den Tag holen

Wer am Morgen wiederholt die Snooze-Taste drückt und nur mit Mühe aus dem Bett kommt, gilt in unserer Welt der Selbstoptimierung schnell mal als charakterlos. Dabei nutzt er nur die fünf wichtigen Funktionen, welche die Snooze-Taste erfüllt. Ich behaupte sogar: Unter dem Strich macht sie uns produktiver.

Ja, die Snooze-Taste meines Weckers ist mein Feind. Hämisch grinst sie mich vom Nachttisch aus an und erinnert mich daran, dass ich keine Selbstdisziplin habe und haarsträubend unproduktiv bin.

Es wäre also naheliegend, dass ich versuchte, sie abzuschaffen. Ich könnte beispielsweise eine der Schlafphasen-Wecker-Apps verwenden, die für ein humaneres Aufwachen sorgen wollen. Ich könnte mich auch an die Tipps bei Lifehacker halten, wo neulich so einleuchtend erklärt wurde, warum wir die Finger von der Snooze-Taste lassen sollten.

Und trotzdem bleibe ich der Snooze-Taste treu! Warum bloss? Weil ich der Meinung bin, dass sie einige sinnvolle Funktionen in unserem Leben erfüllt:

  • Du bist wichtig, sagt die Snooze-Taste. Wärst Du keine wichtige Person, müsste sich der Wecker ja nicht die Mühe nehmen, es immer und immer wieder zu versuchen. Nach einmaligem Weckversuch würde er Dich Deinem Schlaf überlassen, denn ob Du nun wach bist oder nicht, würde für die Welt keinen Unterschied machen. Aber nein: Er bleibt hartnäckig - offensichtlich braucht Dich die Welt! Die Snooze-Taste ist der Botschafter, der Dir das jeden Morgen unermüdlich signalisiert.

  • Prokrastination dort, wo sie am wenigsten wehtut. Zugegeben: Das wiederholte aus-dem-Schlaf-gerissen-Werden ist nicht angenehm. Aber in einer halben Stunde ist die Tortur vorbei. Dann hast Du Deine tägliche Dosis Prokrastination bereits hinter Dir. Schiebst Du stattdessen bei der Arbeit eine Aufgabe vor Dir her, kann die schmerzhafte Prokrastinations-Phase hingegen Stunden, ja Tage dauern. Daher: Selektiv beim Aufwachen prokrastinieren lohnt sich.

  • Ich habe gelitten, ergo werde ich belohnt. Wenn wir schon bei der täglichen Dosis sind: Braucht nicht jeder Mensch seine regelmässige Prise Masochismus; seinen kleinen Leidensweg inklusive Selbstmitleid, um sich danach sagen zu können: «Und jetzt reisst Du Dich zusammen und packst das an»? Du startest jeden Morgen mit dem Wissen in den Tag, bereits eine heldenhafte Tat vollbracht zu haben. Wer gelitten hat, wird belohnt, suggeriert unser kultureller und religiöser Hintergrund.

  • Im Halbschlaf kommen die Ideen. Bestimmt ist Dir das auch schon passiert: Du döst noch ein bisschen vor Dich hin, denkst an nichts Bestimmtes, und plötzlich fällt Dir die Lösung zu einem Problem ein, über das Du Dir gestern Abend noch den Kopf zerbrochen hast. Positive Nebenwirkung: Auf einen Schlag bist Du nun hellwach und stehst ohne Mühe auf.

  • Der Wert von Musse bzw. Müssiggang. Wenn wir uns jeden Tag ein bisschen Musse oder Müssiggang gönnen - nicht umsonst sind die beiden Wörter miteinander verwandt -, profitiert davon unsere Produktivität, da bin ich überzeugt. Das faule nochmals-im-Bett-Umdrehen ist eine dieser kurzen Phasen des Müssiggangs in unserem Tagesablauf, die den produktiven Phasen erst ihren Wert geben.

Ich denke, es ist mir gelungen, die Ehre der Snooze-Taste zu retten. Oder hat jemand gewichtige Gegenargumente?

 

Bild: flattop341 bei flickr.com (CC BY 2.0)

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