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08.05.07Leser-Kommentar

Der Vater von GTD

DavidIm dritten Teil der GTD-Grundlagenserie geht es um David Allen, den Entwickler von GTD, der seine Ideen bereits Anfang der achtziger Jahre entwickelte und immernoch herrlich undogmatisch mit ihnen umgeht.

Eigentlich wollte ich heute mit den Grundlagen von GTD weitermachen. Aber mir kam die Idee, noch einen kurzen Abstecher zu wagen, bevor es richtig los geht. Ich beschäftige mich seit über zwei Jahren mit GTD und habe mitbekommen, was Leute an Vorbehalten und Misstrauen gegenüber dem System haben.

Diese Erfahrungen sind für mich der Grund, mir drei Artikel Zeit zu lassen, bevor es an die Materie geht. Ich habe gemerkt, dass es oft kleine, unbewusste Sachverhalte sind, die mit dem eigentlichen System nichts zu tun haben, die dafür sorgen, dass man sich distanziert und von vornherein kritisch an die Sache herangeht.

Das erste Problem ist der Hype. Gerade wir hier im deutschsprachigen Europa sind besonders misstrauisch gegenüber allem, was hochgelobt und von vielen enthusiastisch vertreten wird. Mit dieser Brille schauen wir uns dann das System an und sind unterbewusst schon entschlossen, es abzulehnen. Die Begründung, die wir dann meistens finden, ist in der Regel, dass das ja alles nichts besonderes sei und wir das meiste ja ohnehin schon tun würden.

Der Widerwille gegenüber einem gehypten System hängt auch mit der Angst zusammen, irgendeinem Selbsthilfe-Guru oder sonstigen Scharlatan auf den Leim zu gehen. Bei all dem Müll, der da draußen im Selbsthilfebereich existiert, ist dieses Misstrauen auch durchaus angebracht und gesund. Und gerade deshalb will ich an dieser Stelle ein paar Worte zu David Allen schreiben.

Ich merke für mich immer wieder, dass sich meine Beziehung und meine Sichtweise zu einer Sache ändert, wenn ich die Person dahinter kennenlerne. Irgendwie funktionieren wir auf dem zwischenmenschlichen Level viel besser.

Allen im Profil

Ein paar Hintergrundinfos zu David Allen (Quelle: Wikipedia natürlich):

David Allen wurde 1945 geboren. Er gibt an, unter anderem bereits als Magier, Kellner, Karatelehrer und als Manager eines Reiseunternehmens gearbeitet zu haben. Er behauptet, dass er 35 Jobs hatte, bevor er 35 wurde.

Anfang der achtziger Jahre bekam er den Auftrag, für die Firma Lockheed ein Produktivitätsprogramm für deren Manager und die Geschäftsführung zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt entstanden seine Prinzipien für Selbstorganisation und stressfreie Produktivität. Während der achtziger und neunziger Jahre baute er in tausenden von Coachings und Beratungen mit Firmen, Angestellten und Managern die Konzepte weiter aus, bis er sie 2001 in Gettings Things Done veröffentlichte.

20 Jahre Reifezeit für GTD

Für mich spielt diese lange Reifezeit eine wichtige Rolle. Viele Selbsthilfe-Gurus entdecken ein System, das für sie persönlich passt und fangen direkt an, es in die Welt hinaus zu posaunen (siehe Tim Ferriss). Immerhin ist der beste Weg, um reich und glücklich zu werden, immer noch ein Buch darüber zu schreiben, wie man reich und glücklich wird.

Allen dagegen hat sich fast zwanzig Jahre Zeit gelassen, um die Ideen auszubauen und sie auf ihre universale Einsetzbarkeit zu überprüfen. Merlin Mann, Betreiber des bekanntesten GTD-Blogs 43folders, hat ihn neulich in einem Interview gefragt, ob es demnächst eine überarbeitete Version des Buches geben wird. Allen meinte daraufhin, dass er derzeit keinen Bedarf sieht, weil die Grundprinzipien nach wie vor wunderbar funktionieren und sich bewähren.

Undogmatisch und faul

Ich selbst habe mich nie wirklich mit David Allen beschäftigt. Erst als ich ihn das erste Mal habe reden hören, änderte sich mein Bezug zu der kompletten Sache. Merlin Mann hat eine Interviewserie mit David Allen gemacht, die als Podcast verfügbar ist. Darin unterhalten sie sich vor allem über Implementierungsmöglichkeiten und GTD in der Zeit von Internet und Web 2.0.

Das erste, was mir dabei auffiel, ist, wie undogmatisch Allen mit seinen eigenen Prinzipien umgeht. Von Selbsthilfe-Gurus ist man gewohnt, dass sie ihre Grundsätze ständig runterbeten, aber eigentlich nie in die Tiefe gehen. Allen dagegen ist tief in der Praxis verwurzelt und scheint der Ansicht, dass so manches Problem daraus entsteht, dass Leute seinen Prinzipien zu dogmatisch folgen.

Lustig ist, dass Allen hohen Respekt vor den GTD-Freaks hat, die sein System perfekt implementiert haben, viel weitergehend als er selbst. In einem aktuellen Podcast erzählt er von Leuten, die ihre GTD-Excel-Listen perfekt beherrschen und innerhalb von Sekunden ihre nächsten Schritte bestimmen können. Er selbst sieht sich eher als "Mr. Lazy", der zu faul ist, um komplexe Systeme zu implementieren und deshalb immer nach der Lösung sucht, die für ihn arbeitet statt er für sie.

Neben Gettings Things Done hat Allen noch ein zweites Buch geschrieben. Ready For Anything enthält Artikel aus seinem Newsletter. Er betreibt seine Firma David Allen Company, mit der er Coachings und Seminare durchführt.

Allen ist ein Selbsthilfe-Guru, keine Frage. Aber nach dem, was ich von ihm gesehen und gehört habe, ist er einer der angenehmsten. Mir geht es hier gar nicht darum, alle zu Allen-Jüngern zu machen. Aber ich hoffe, dass ich durch diesen Ausflug zum Entwickler von GTD einigen helfen konnte, das ganze entspannter und unvoreingenommener anzugehen.

Grundsätzlich gilt für diese Serie, dass ich soviel wie möglich von eurem Feedback mit einflechten möchte. Wenn ihr also Fragen, Hinweise, Kritik oder Probleme mit GTD habt, kommentiert wo es passt oder schickt mir eine E-Mail.

Links:

  • * Der David Allen Company Podcast – Unbedingt abonnieren, wenn man einigermaßen des Englischen mächtig ist. Enthält sowohl die Gespräche mit Merlin Mann als auch neue Gespräche von Allen mit seinen Mitarbeitern.
  • * David Allen Company
  • * Allens Blog – Stillgelegt seit März 2006
  • * cheesy PR-Video von David Allen (sehr amerikanisch)

Kommentare

  • Julian Schrader

    08.05.07 (22:03:39)

    Interessant, mal etwas über die Hintergründe und die Person hinter einem System zu erfahren, dass ich seit einiger Zeit versuche umzusetzen ? und damit schon relativ erfolgreich bin. Soviel zum Problem mit dem Hype ;-) Danke für den Artikel (und die ganze Serie)!

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