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07.06.10Leser-Kommentare

Checklisten: Produktiv durch Abhaken

Bei Piloten sind sie Alltag: Checklisten helfen, komplexe Maschinen und Prozesse möglichst fehlerfrei zu steuern. Heute halten sie auch in der Medizin Einzug und führen zu erstaunlichen Resultaten. Können Checklisten auch die persönliche Produktivität erhöhen?

Listen im Blut: Piloten

Fröhlicher arbeiten mit Checklisten (Foto: Muffet bei flickr.com)Am 30. Oktober 1935 stürzte ein Testflugzeug von Boeing bei Dayton, Ohio ab. Die US Army suchte einen neuen Bomber-Typ und das verunglückte Modell 299 war der Favorit. Die Untersuchung des Absturzes zeigte, dass kein mechanischer Fehler vorlag. Vielmehr war das neue Flugzeug um einiges komplexer zu steuern als bisherige Flieger, und ein Pilotenfehler hatte zum Absturz geführt. «Too much airplane for one man to fly», wie eine Zeitung damals schrieb. Die Army kaufte andere Flugzeuge. Eine kleine Gruppe von Piloten war aber überzeugt, dass die Boeing-Maschine zu fliegen war. Sie suchten nach Lösungen und kamen auf eine simple Idee: Sie schufen Checklisten, die Schritt für Schritt aufzeigten, was der Pilot beim Starten, Fliegen und Landen zu tun hatte. Bis dahin war ein Start zwar nervenaufreibend, aber keine komplizierte Angelegenheit - ähnlich wie ein Auto aus einer Garage zu fahren. Das Modell 299 war aber zu kompliziert und der Pilot musste an zu viele Dinge denken - egal, wie erfahren und wie gut geschult er war. Checklisten lösten dieses Problem und sind seither aus der Fliegerei nicht mehr wegzudenken: Die US Army beschaffte insgesamt 13’000 Stück des Modells 299, die ohne einen Unfall 1,8 Millionen Meilen zurücklegten.

Eine kleine Medizin-Revolution

Cockpit einer A380 - listenbedürftig (Foto: Naddsy bei flickr.com)Atul Gawande, US-amerikanischer Wissenschaftsjournalist, zeigt in seinem Buch The Checklist Manifesto, wie Listen heute die Medizin erobern. Peter Pronovost, Spezialist für Intensivmedizin aus den USA, ist der Checklisten-Pionier der Ärzte. Seine erste Liste kümmerte sich um eine alltägliche Aufgabe: Das Legen eines Zugangs bei einem Patienten für eine Infusion oder einen Katheter. Auf US-amerikanischen Intensivstationen werden pro Jahr fünf Millionen Zugänge gelegt, in rund 80’000 Fällen erleidet der Patient nach einigen Tagen eine Infektion. Je nach Gesundheitszustand sterben zwischen 5 und 28 Prozent der Patienten daran. Diejenigen, die überleben, sind durchschnittlich eine Woche länger in Intensivpflege. Pronovosts Liste umfasste fünf Schritte, von 1) Hände waschen bis 5) Katheter mit einem sterilen Überzug abdecken. Jeder Arzt und jede Betreuungsperson in Pronovosts Krankenhaus kannte diese Schritte und war darin ausgebildet. Trotzdem brachten die Checklisten im John Hopkins Hospital erstaunliche Resultate: Nach einem Jahr fiel die Infektionsrate auf praktisch null. 43 Infektionen, acht Todesfälle und zwei Millionen Dollar Kosten wurden im Vergleich zur Statistik vermieden.

Eigene Produktivität verbessert

Checklisten funktionieren auch im Kleinen (Foto: Bill Ward’s Brickpile bei flickr.com)Gawandas Buch basiert auf seinem Artikel zum gleichen Thema, der 2007 im New Yorker erschienen ist. Nach der Lektüre begann ich mich mit persönlichen Checklisten auseinander zu setzen. Gibt es auch in meinen persönlichen Arbeitsabläufen Aufgaben, die von einer Checkliste profitieren würden? Ich fand einige, die Gawandas Kriterien entsprach: Einen Unterrichtstag vorbereiten zum Beispiel. Das ist ebenfalls eine Anhäufung von ‘No Brainer’-Aktivitäten: Unterlagen zusammenstellen, Kopieraufträge erteilen, Präsentationen aktualisieren, Einladungen versenden oder VGA-Kabel einpacken. Meistens passierte es mir, dass ich einen oder mehrere Schritte schlicht vergaß. Die Auswirkungen waren in meinem Fall nicht tödlich, erforderten aber einiges an Improvisation, und die Gesamtqualität litt darunter. Ich entwarf in zehn Minuten eine Checkliste und die Vorteile zeigten sich rasch: Ich vergaß nichts mehr, der Stress wurde kleiner und die Effizienz höher. In Zukunft werde ich für immer wiederkehrende Aufgaben noch einige mehr ausprobieren: Etwa für meine persönliche Wochenplanung, für Kundenprojekte oder administrative Aufgaben.

Kommentare

  • Rainer

    07.06.10 (12:26:15)

    für Hardcore-Checklisten-Nutzer empfehle ich noch http://www.listbean.com/

  • Stefan

    02.11.10 (11:34:58)

    Guter Beitrag der die Nützlichkeit von einfachen bis komplexen Checklisten mal unterstreicht! Hier ein empfehlenswertes Tool, um Checklisten zu verwenden, selbst zu erstellen oder mit Freunden und Kollegen zu teilen. http://4checkers.de/

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