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05.08.08Leser-Kommentare

Besser schreiben: Auf Einfälle verzichten

Ein grundlegender Fehler beim Schreiben ist, dass viele Ideen aneinandergereiht werden, statt einen guten Einfall auszudifferenzieren. Durch Verzicht wird der Text besser.

Ich habe neulich bereits beschrieben, wie man eine Schreibblockade angeht -  mit einer methodischen Vorgehensweise. Das allein macht aber noch keinen guten Text. Der inhaltliche Aufbau ist entscheidend - nicht nur der Einstieg in den Text, sondern auch das Ende. Beides muss in Beziehung zueinander stehen. Dazwischen wird ein Bogen gespannt. Und den sollte man nicht mit unnötigen Ausschweifungen strapazieren.

Versetzen wir uns mal zurück in die Zeiten, in denen wir das Schreiben gelernt haben - in die Grundschule. Dort bekamen wir gute Noten für viel Phantasie. Im Aufsatz zogen wir von einem Ort zum anderen und erlebten dabei allerlei: Erst passierte das, dann machten sie jenes, dann gingen sie dorthin, und dann, und dann, und schließlich - Einfälle wurden einfach aneinandergereiht.

Um sich präzise auszudrücken, muss man aber differenzieren, einen Gegenstand ausgestalten.

Viele bauen mit ihren Worten ein Haus im Rohbau und beginnen dann - anstatt das Haus erst einmal fertigzustellen -, die Garage anzubauen. Oder gleich ein zweites Haus. Auf diese Weise reihen sie aber bloß wie in der Grundschule Rohbau an Rohbau.

Auch schöne Ideen weglassen

Der Leser will allerdings ein fertiges Haus sehen und keine Baustelle besichtigen. Wenn die Informationen in keinen Kontext eingebettet sind und sich nicht überprüfen lassen, kann man sich das Lesen sparen. Das Schreiben auch.

Genau darum geht es nämlich bei einem inhaltlichen Aufbau - einen Kontext zu schaffen. Man wählt einen Texteinstieg und eine Aussage, in die der Text münden soll. Alles andere wird dem untergeordnet. Jeder Satz, der dazwischen steht, ist dazu da, die Aussage zu verdichten. Was der Aussage nicht dient, ist überflüssiger Ballast und gehört weggelassen - da kann der Einfall noch so schön sein.

Das fällt schwer, aber es macht aus schwammigem präzises Schreiben. Und wenn ein Einfall wirklich trägt, kann aus ihm schließlich sogar ein weiterer Text werden.

Kommentare

  • Tanja

    05.08.08 (17:08:48)

    Das kenne ich noch aus meiner Studienzeit... Meine Strategie war einfach: Zuerst stand das Thema, dann eine Grobstrukturierung nach Kapiteln. Jede Kapitelüberschrift wurde auf ein Blatt Papier geschrieben. Unter dieser Überschrift sammelte ich dann alle für diese Kapitel notwendigen Notizen (Zitate, Ideen, Gedanken, Querverweise, ...). Natürlich bin ich oft auf interessante Details gestossen, aber manchmal liessen sie sich eben nicht zu einem Kapitel zuordnen - ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie in meiner Arbeit nichts zu suchen hatten. Diese Dinge habe ich abseits notiert und manchmal fanden einige -kurz angerissen- Platz in einer Fußnote oder im Ausblick. Wenn ich dann gemerkt habe, dass ein Kapitel mich besonders reizt und es besonders wächst, konnte ich mich durch dieses Vorgehen auch leicht auf dieses Kapitel fokussieren und als neues Thema der Arbeit festlegen. Von den Teilen, die nichts mit meinem "neuen" Thema zu tun hatten, konnte ich mich ja leicht trennen.

  • Hannes

    05.08.08 (23:37:32)

    Super! Bin grad hier mit der hoellisch anstrengenden Aufgabe meine Diplom-Theorie beschaeftigt, "Gemuetliche Moebel bzw. deutsche Stube redesignen" - jetzt geht's aber - hab ne 30KG-Hantel hier neben meinem Tisch liegen, wenn ich mal wieder in die Luft gehen muss. Schoenes Erfolgsrezept, besonders fuer einen, der gerade mal eine Hausarbeit im Studium zu Ende schreiben musste, jetzt Monate wegen des Schreibkrams prokrastinierte und jetzt doch vor lauter hoechstinteressanten Sachen aufgefressen wird, also quasi wissenschaftliches Schreiben einfach von Grund auf lernen muss. DANKEEYYYY

  • Hannes

    06.08.08 (00:01:36)

    PS: Ihr koenntet ja wirklich mal einen fundierten Beitrag zum einfachen wissenschaftlichen Arbeiten bringen. Hab mir in den letzten 5 Tagen selbst eine Strategie ueberlegen muessen. Als Tool für Windows empfehle ich den RTF- & tab-fähigen Wordpad-Ersatz Wordtabs von Skip Bremer - hat auch ein rechts angedocktes "Scratchpad" für Ideen und lauter nützliche weitere Features. Wird aber seit 2000 nicht mehr weiterentwickelt. Hab lange recherchiert, gibt's aber nix besseres, mit dem es sich annähernd so effizient arbeiten lässt.

  • Tobias Hückelhofen

    06.08.08 (11:17:20)

    Hallo, sehr nützlicher Beitrag. @ Tanja: Ein super Tipp, das werde ich mir vor der nächsten wissenschaftlichen Arbeit fürs Studium genauer ansehen. Ich fände es auch super wenn ihr ein paar Beiträge zum wissenschaftlichen Arbeiten bringen könntet. Z.b. darüber, wie man Quellen richtig bearbeitet, und wie der Projektablauf seien sollte. Ich habe das Problem das meine Arbeiten leicht vom Umfang her ausarten. Gruß Tobias

  • Hannes

    06.08.08 (11:43:54)

    Bin auch erstaunt, wie wenig eigentlich man von Microsoft OneNote oder dessen Klone (Evernote) hoert. JournalTools eignen sich ja fuer die meisten Content spezifischen Sachen, sowohl um zu abzuspeichern als auch um zu OneNote ist dabei die Spitze. Schaut ma:

  • Hannes

    06.08.08 (11:54:46)

  • Hannes

    06.08.08 (11:56:52)

    Die Linkfunktion funktioniert nicht! Anyway: http://rtur.net/blog/post/2008/04/05/OneNote-vs-EverNote.aspx

  • Florian Steglich

    06.08.08 (15:57:50)

    » Hannes und Tobias: Okay, wir setzen «Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten» mal auf die Themenliste, danke für die Anregung!

  • Tanja

    06.08.08 (16:03:02)

    Hallo, dass das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten an der Uni viel zu kurz kommt, ist leider traurige Realität - und das, obwohl spätestens die Abschlussarbeit eine schriftliche Ausarbeitung ist... Ich persönlich finde es aber schwierig, da Tipps zu geben, denn jeder Mensch arbeitet anders. Ich hatte auch die genannten Tools nicht zur Verfügung, lediglich eine Textverarbeitung, einen Ringbuchblock, eine Einlegemappe und mehrere Stifte (jaja, früher war alles produktiver *g*). Mit dem Block, der Mappe und den Stiften ging es in die Bibliotheken verschiedener Städte - im Internet fand ich keine brauchbaren Informationen. Mittels Schneeballsystem ging es von einem Text zum nächsten, immer so weit "runter", wie möglich. Die Zitate kamen alle auf die besagten Zettel mit den Kapitelüberschriften. Handschriftlich, versteht sich - das zwang mich dazu, sehr genau zu überlegen, ob ich ein Zitat wirklich brauche. Ich hatte keine Lust, seitenweise den Text abzupinnen. Ich kenne es aber auch, das "Nicht-anfangen-wollen". Die Zettel haben mit geholfen, das zu überwinden. Ich nahm mir die Zettel eines Kapitels, brachte die Zitate und Gedanken in eine logische Reihenfolge und hangelte mich daran runter. Wenn die Arbeit zu umfangreich wurde, ließ ich Kapitel aus und konzentrierte mich stärker auf die restlichen Kapitel. So wurde aus einer Arbeit über Symbolik eine Arbeit, die sich nur mit Todessymbolik beschäftigte. Auch heute schreibe ich lange Texte zumindest stichpunktartig vorher von Hand, denn ich kann dabei besser denken und meinen Ideen mehr Raum geben. Ich denke aber, dass es bei jedem an unterschiedllichen Stellen hakt. @Hannes: bei Dir hört es sich nach der Produktivitätsfalle an. Wie wäre es, wenn Du Dich zum Schreiben an einen Ort begibst, an dem Du in Deinen Möglichkeiten eingeschränkt bist. An dem es beispielsweise keinen Internetzugang gibt und damit keinen Zugang zu weiteren, vermeintlich besseren Tools? Grüße, Tanja

  • Hannes

    07.08.08 (00:42:16)

    Hey Tanja! sehr aufschlussreich, bin aber jetzt schon im Flow ;-) Mit der Produktivitaetsfalle haste natuerlich recht - ist in meinem Fall aber eigentlich ein aeusserst gluecklicher Umstand. Studier ja Produktdesign, und da ueberlegt man bei unangenehmen Aufgaben eben erstmal 90% der Zeit wie man's effizienter angehen kann. Das ist freilich prokrastinierend, aber nur so kommt man beispielsweise bei anderen Projekten unvermittelt zu ganz neuen Einsichten, Erfindungen und Entwuerfen. So ne Art Querdenken, gell?! Muss jetzt eigentlich auch nur die Theorie zu meinem Entwurf fertig schreiben und dann geht's ab Mitte naechste Woche an den Modellbau, und das heisst: NIE WIEDER TEXTARBEIT - JUHUUUU! Gruesse aus dem dunklen Weimar!

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