30.04.13 07:22, von Sabine Gysi

Auch ich muss kreativ bleiben: 8 Dinge, die als Katalysator wirken

Wer täglich kreativ arbeitet, braucht Hilfsmittel, damit die Ideen nie versiegen. Bei mir gehören dazu die Gartenarbeit, lange Zugfahrten, und dass ich Arbeit und Freizeit nicht krampfhaft trenne.


Mein Kollege Martin Weigert, Chefredakteur von netzwertig.com, hat neulich beschrieben, welches für ihn die entscheidenden Faktoren sind, damit er kreativ bleibt und ihm die Einfälle für immer neue Blogposts nicht ausgehen. Kreativitäts-Katalysatoren sozusagen.

Da auch ich täglich für mehrere Blogs tätig bin – für Blogwerk-Kunden, für imgriff.com und für das Firmenblog von Blogwerk – muss ich wohl ebenfalls über solche Techniken verfügen, dachte ich mir beim Lesen von Martins Artikel. Nur hatte ich mir vorher nie bewusst überlegt, welche das sind.Die meisten Faktoren, die Martin erwähnt, gelten sicher auch für mich. Was für ihn beispielsweise Jogging oder Fitnessstudio, ist für mich das Schwimmen - sei es in der Halle, sei es der tägliche Sprung in den See im Sommer. Dass örtliche Tapetenwechsel und der Austausch mit neuen Menschen wichtig sind, kann ich sofort unterschreiben. Ausserdem gehören zu meinem Rüstzeug:

1. Mein Schrebergarten

Die körperliche Arbeit im Garten – mit den Händen in der Erde wühlen, Unkraut jäten etc. – hat etwas Meditatives. Und wenn es in mir genug meditiert hat, geschieht es nicht selten, dass die Ideen kommen. Der Garten schärft aber auch das Bewusstsein für kreative Lösungsfindungen: Da gibt es so viele Faktoren, die man nicht beeinflussen kann; die meine Mitgärtnerin und mich zwingen, flexibel zu bleiben und häufig umzudenken.

2. Gespräche mit Internet-Abstinenzlern

Unterhaltungen mit Menschen, die im Netz und in den Social Media aktiv sind, habe ich täglich zur Genüge. Ich habe aber auch das Glück, einige fast komplette Internet-Abstinenzler zu kennen. Die Impulse, die ich von ihnen erhalte, sind manchmal verblüffend. Nicht dass sie Dinge wüssten, die das Internet nicht weiss - aber es sind Dinge, die ich im Netz schlichtweg verpasse, weil sie dort offenbar unter meinem Radar durchschlüpfen.

3. Lange Zugfahrten

Ich habe nichts gegen Flugreisen, aber Zugfahrten finde ich deutlich anregender. Bis zu acht Stunden mit der Bahn fahren ist für mich absolut zumutbar. Bei Zugfahrten im Ausland meist auch ohne Internetzugang. Einen Roman lesen, mit wechselnden Mitreisenden ein paar Worte austauschen und dabei gleich Fremdsprachen üben, der Landschaft beim Vorbeiziehen zuschauen – und beim plötzlichen Auftauchen eines Gedankens mein Moleskine-Büchlein zücken und ein paar Seiten vollschreiben... Es gibt kaum etwas, das die Kreativität mehr anregen würde.

4. Niemals ohne Lunch

Früher kam es oft vor, dass ich um die Mittagszeit ein Sandwich vor dem Bildschirm verzehrte. Seit einigen Jahren kommt das nicht mehr in Frage. Lunch bedeutet rausgehen, sich – und wenn nur kurz – aufs Essen allein konzentrieren. Das iPhone bleibt in der Tasche; dafür führe ich ein angeregtes Gespräch mit Kollegen. Ich habe das nie statistisch erfasst, aber ich bin sicher: die gesteigerte Kreativität und Konzentration, über die ich nach dem Mittagessen verfüge, lassen mich deutlich mehr Arbeit bewältigen, als ich in einer endlosen, pausenfreien und somit auch unkonzentrierten Arbeits-Session erledigen könnte.

5. Bei der Arbeit in Bewegung bleiben

Warum Bewegung, häufiger Wechsel der Haltung und des Ortes bei der Arbeit produktiver und kreativer machen, habe ich hier bereits beschrieben.

6. Arbeit und Freizeit nicht krampfhaft trennen

Klar, man muss auch mal abschalten können. Aber dächte ich ausserhalb der Arbeitszeit nie an die Arbeit, verschlösse ich mir eine ergiebige Quelle der Kreativität. Sowieso unterteilen sich bei mir die 24 Stunden eines Tages in verschiedene Etappen von Arbeits- und Freizeit, die nicht jeden Tag gleich sind. Dieser variierende Rhythmus verhindert diejenige Art von Routine, die laut Martins Artikel das «Einrosten» und somit das Versiegen der Kreativität begünstigt.

7. Kultur

Regelmässig ein Konzert besuchen, durch eine Fotografie-Ausstellung schlendern, einen Film anschauen, einen Roman lesen, Spoken-Word-Veranstaltungen organisieren; mit anderen Menschen über all das diskutieren – Kulturelles regt meine Phantasie an, lockt Ideen hervor, fördert das eklektische Denken.

8. Natur

Wenn ich in den Bergen wandere, geniesse ich erstmal einfach das Nicht-denken-Müssen und die Schönheit um mich herum. Aber irgendwann kommen die Ideen, scheinbar ganz ohne mein Zutun. Es ist mir schon öfters passiert, dass ich am Ende einer Wanderung einen kompletten, teilweise schon ausformulierten Blog-Beitrag im Kopf hatte.

 

Und welches sind Eure Kreativitäts-Katalysatoren?

 

Bild: zoovroo bei flickr.com (CC BY-2.0)

© 2015 förderland
  drucken
RSS Feed Beobachten

Kommentare: Auch ich muss kreativ bleiben: 8 Dinge, die als Katalysator wirken

Danke für diesen Beitrag. Tolle Wortschöpfung: Kreativitäts-Katalysatoren. Ein Wort, das mir sehr gut gefällt, sind die "Kraft-Quellen". Was gibt es Schöneres, als am Morgen durch den frischen Wald zu laufen; oder Meditation. Aber auch: Perspektivenwechsel schaffen und ganz bewusst mal wieder eine andere Zeitschrift, neue Blogs lesen usw. Oder umgekehrt: Wenn die Kreativität fehlt, die "Selbst-Beobachtung" und Reflexion: Welches sind meine Energieräuber? Was bremst mich aus? Wie komme ich (wieder) in Kontakt zur Quelle?!

Diese Nachricht wurde von Thomas Kiefer am 30.04.13 (19:39:43) kommentiert.

"AUCH ich MUSS kreativ bleiben" klingt sehr nach Zwang. Kreativ ist der Fotograf, und nicht derjenige, der durch die Ausstellung schlendert. Kreativ antörnend sind immer nur die Werkzeuge oder gestellten Aufgaben. Hier liegt eine Verwechslung mit Burnout-Abwehr vor.

Diese Nachricht wurde von Karin am 01.05.13 (21:22:25) kommentiert.

Hallo Karin Ein Berufssportler muss fit bleiben - ich muss kreativ bleiben. Ich “muss” auch arbeiten, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Trotzdem arbeite ich gern. “In einem kreativen Beruf arbeiten” bedeutet genausooft hartes Durchbeissen – und genausoviele Glücks- und Erfolgsmomente – wie jeder andere Job.

Diese Nachricht wurde von Sabine Gysi am 02.05.13 (07:54:26) kommentiert.

Danke für deinen Blogpost - er kam gerade zum richtigen Zeitpunkt für mich :-) Was mir hilft: Rasen mähen, alleine in den Wald gehen/setzen und .... selten, dann aber besonders gut: längere Autobahnfahrten in Urlaubsländern mit Geschwindigkeitsbegrenzung wie Italien, Südafrika - weites Land, gerade Strecke mit wenig Verkehr als Voraussetzung (und mittlerweile auch mit Tempmat). Und keine Angst, Blick auf die Strasse gerichtet und den Gedanken freien Lauf gelassen

Diese Nachricht wurde von Jörg am 02.05.13 (17:52:32) kommentiert.

Ich übersetze für mich "Kreativität" immer mit "Schöpferkraft". Täglich etwas schöpfen/erschaffen zu müssen, ist nicht das Problem, das macht der Bäcker auch. Die Hilfsmittel-Erfordernis liegt darin, das Erschaffene täglich erneut einer Bewertung und einem Konkurrenzkampf aussetzen zu müssen. Hierin liegt die Verwechslung. Das Müssen liegt im Präsentationsdruck. Ein Katalysator zeichnet sich dadurch aus, dass er Prozesse bewirkt und dabei in seiner Struktur unverändert bleibt. Dieser Logik zu Folge scheidet alles Genannte aus, selbst Berg und See. Bleiben wir bei diesem Bild gibt es nur einen einzigen Katalysator, den jeder kennt, aber mancher verloren zu haben glaubt.

Diese Nachricht wurde von Karin am 02.05.13 (19:01:25) kommentiert.
Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Titel*

Name*

E-Mail*

(Wird nicht veröffentlicht!)

URL

Kommentar*

Um Spam zu vermeiden, lösen Sie bitte folgende Rechenaufgabe:

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer