08.12.11 05:45

, von Thomas Mauch

Arbeitswelt: Fünf Trends der Zukunft

Was bewegt uns und die Arbeitswelt in den kommenden 10 Jahren? Der Talent Management-Experte Kevin Wheeler verdichtet seine Beobachtungen zu fünf Trends.

Kevin Wheeler ist Spezialist für HR-Fragen und Talent Management. Sein Steckenpferd sind zukünftige Entwicklungen - wohin bewegt sich die Welt, insbesondere die Arbeitswelt? Jedes Jahr schart er für das «Future of Talent Retreat» helle Köpfe um sich und wagt einen Blick in die Glaskugel. Grundlegend ist Kevins Bild des Dorfes: Unsere Gesellschaft wird wieder ähnlicher wie die Dorfgemeinschaft, die bis vor ein paar Jahrzehnten unsere Kultur geprägt hat.

Zurück zum Dorf

Dörfer waren kleine und überschaubare Gemeinschaften, die gemeinsam aufgebaut und auch gemeinsam geleitet wurden. Der Austausch unter den Mitgliedern der Gemeinschaft war rege, man hat von den Älteren gelernt. Gleichzeitig war auch die soziale Kontrolle besser ausgebaut: Jeder wusste alles von jedem. Heute seien wir auf dem Weg zu ganz ähnlichen Gemeinschaften - auch Unternehmen würden sich in diese Richtung entwickeln. Mit dem Unterschied, dass die Technologie ein starker Treiber dahinter ist und eine virtuelle Erweiterung der Gemeinschaft erlaubt, die bis anhin unbekannt war.

Zusammengefasst sieht Kevin fünf Trends, die unsere Arbeitswelt in den kommenden 10 Jahren prägen werden:

1. Social Business

Beziehungen prägen die Geschäftswelt in Zukunft noch viel stärker als heute - Beziehungen zwischen Verkäufern, Käufern, Lieferanten, Mitarbeitern und anderen. Vielmehr als Verträge oder rechtliche Rahmenbedingungen bestimmen Vertrauen und Transparenz die Zusammenarbeit. In dieser Zusammenarbeit wird es auch viel mehr darum gehen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und Lösungen zu finden - über die Unternehmensgrenzen hinweg. Das Internet erleichtert und ermöglicht diese Zusammenarbeit und erweitert unseren Wirkungsraum.

2. Social Leadership

Der CEO wird in Zukunft eine von vielen Führungskräften sein. Die Komplexität der anstehenden Probleme verunmöglicht es, dass eine einzelne Person die Verantwortung tragen kann. Geteilte Verantwortung, gemeinsame Entscheidungsprozesse und situative Führung wird die Regel werden.

3. Transparenz und Privatsphäre

Das Internet und das Social Web lassen heute keine Geheimnisse mehr zu - Anaylsetools und Aggregatoren sind inzwischen zu mächtig. Wir werden neue Regeln für die Privatsphäre definieren müssen und festlegen, wie wir damit umgehen.

4. Das Konzept des Angestellten neu denken

Das Konzept des Angestellten, der nur für eine Unternehmung arbeitet, ist ein sehr junges Konzept der vergangenen hundert Jahre. Davor waren die meisten Menschen «unabhängige» Kleinunternehmer. In Zukunft werden die meisten von uns in wechselnden Rollen unterwegs sein: Als Teilzeit-Angestellte, Freelancer, Subunternehmer, Selbständige etc. Dabei gilt es einige Fragen zu klären: Wie sehen Entschädigungsmodelle aus für Co-Creation? Welches sind die Mitarbeiter, die ein Unternehmen zum Kern zählt?

5. Wissen, Daten und Menschen zusammenführen

Wir lernen aus Erfahrungen, Fehlern und Informationen, die wir finden - heute sind das Dinge, die meistens nur noch einen Mausklick entfernt sind. Mit Tablets und Smartphones lernen wir praktisch ständig. Schulen und Ausbildungsstätten werden sich in den nächsten Jahren zu Orten verändern, in denen wir gemeinsam neues Wissen erarbeiten und Erfahrungen austauschen.

Jay Cross, Experte für informelles Lernen und Buchautor, war Teilnehmer der diesjährigen «Future of Talent Retreat» und hat auf seinem Blog seine Eindrücke zu den fünf Trends zusammengefasst.

(Artikelbild: bvalium auf flickr.com, CC BY 2.0)

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Kommentare: Arbeitswelt: Fünf Trends der Zukunft

Gerade die Punkte 4 und 5 finde ich extrem spannend, immer wieder neue Dinge tun können (und müssen), neue Eindrücke, neues Wissen, neue Herausforderungen - klingt für mich nach einer erstrebenswerten Zukunft. Punkt 3 ist wohl die größte Gefahr auf die wir zusteuern. Hier sollten wir alle sehr aufpassen. Sonst wird nichts aus Punkt 4 und 5. Bei Punkt 2 bin ich skeptisch. Verantwortung teilen ist für viele heute noch ein Fremdwort und ich bin sehr unsicher, ob sich das Konzept geteilter Verantwortung je wirklich durchsetzt. Öffnet nämlich "Schuldzuweisungen" Tür und Tor, oder? Punkt 1 halte ich für nicht sonderlich neu. Oder hat jemand schon mal für sich isoliert ohne Kunden und Kollegen ein erfolgreiches Business aufgebaut? Wieder ein sehr interessantes Posting.

Diese Nachricht wurde von Mirko am 08.12.11 (06:19:28) kommentiert.

Fehlt da nicht was? Nachhaltiges Handeln im Hinblick auf die Umwelt? Aber ob sich da der Mensch ändern wird („nach mir die Sinnflut“) bezweifle ich aktuell mal ganz stark. Ausserdem sollte man mal bedenken, dass immer noch eine RIESIGE Menge Menschen NICHT am Geschehen im Internet teilnehmen bzw. schlicht keinen Zugang oder die nötigen Kenntnisse besitzen. Die Trends der Arbeitswelt beziehen sich also irgendwie nur auf die fortgeschrittenen (Industrie)Staaten. Langfristige Lösungen werden aber nur unter Einbeziehung der anderen Staaten möglich sein. Ich begrüße natürlich die Öffnung des Internets, denn es zeigt, dass darüber auch politische Veränderungen möglich sind (Arabischer Frühling, China). Dennoch wird ein absoluter Zukunftstrends SEIN MÜSSEN, dass wir von unserem hohen westlichen Roß runtersteigen und mit mehr Offenheit, weniger Sendungsbewußsein und Respekt in der Welt agieren. Gerade auf Führungskräfte wird da eine Menge Arbeit zukommen. Nur: War das nicht schon immer so? Ist humanistisch geprägtes Handeln ein Zukunftstrend? Früher war man nett zum Nachbarn die Straße rauf und hat sich aktiv geholfen. Heute liked man sich bei facebook und macht „social business“. Gerade Punkt 1 finde ich droht Gefahr zu laufen eher als notwendiges Übel denn als selbstverständliche Pflicht angesehen zu werden. Menschen, die ethische Werte (vor)leben sind zu jeder Zeit „im Trend“ gewesen. Blöde ist halt aktuell nur, dass daran die wenigsten Entscheidungsträger gemessen werden. Ethisches Handeln beeindruckt die Aktionäre nur im geringen Maße, weil nicht direkt messbar. ++++ Es wird sich meiner Meinung nach noch ein Futuretrend abzeichnen, der immer stärker an Bedeutung gewinnt: Transparenz! Transparenz im Handeln, Transparenz im Produkt, Transparenz in der Kommunikation. Unternehmen werden nicht mehr in der Lage sein, Fehlentscheidungen zu vertuschen, denn die Kunden informieren sich, tauschen sich aus, mobilisieren.

Diese Nachricht wurde von Dominik am 08.12.11 (09:04:09) kommentiert.

Davor waren die meisten Menschen «unabhängige» Kleinunternehmer. Leute, ihr träumt! Die meisten waren eher extrem abhängig. Leibeigene, Hufenbauern, Knechte, Mägde, Dienstboten oder Beamte, die der Willkür des Duodezfürsten ausgeliefert waren...

Diese Nachricht wurde von Münchnerin am 08.12.11 (19:30:22) kommentiert.
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