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22.04.14Leser-Kommentar

Apples iWatch: Schlaflabor für zu Hause?

Sein eigenes Leben vermessen und dadurch optimieren liegt im Trend. Bald sind wir wohl soweit, dass wir selbst unseren Schlaf überwachen - Apples iWatch könnte das Schlaflabor für zu Hause ermöglichen. Ist das wünschenswert, oder werden wir durch die lückenlose Selbstoptimierung unserer letzten Rückzugsmöglichkeit beraubt?

Graeme Law bei flickr.com (CC BY 2.0)Self-Tracking oder Quantified Self: Wer es noch nicht tut, lebt hinter dem Mond - so lautet der Grundtenor. Hier bei imgriff.com haben wir schon mehrmals über den Trend geschrieben, z.T. auch kritisch. Einige der Beiträge wurden heftig und kontrovers von unseren Lesern diskutiert.Bei Quantified Self geht es darum, sich selbst in allen Details zu vermessen und sich mit anderen zu messen. Doch in diesem ständigen Zwang zur Selbstoptimierung liegt die Gefahr, sich selbst unter Druck zu setzen, wie es imgriff-Redaktionsleiterin Sabine Gysi plastisch beschreibt:

»...lange vor der Zeit von Quantified Self, als die WG-Mitbewohnerin täglich zweimal auf die Waage ging und sich danach immer schlecht fühlte. Als mir ein Kollege gestand, dass er regelmässig kontrolliert, ob sich die Anzahl seiner grauen Haare erhöht hat.«

Und auch ich habe mir in einem anderen Beitrag schon so meine Gedanken zu dem Thema gemacht:

»Mir scheint, wenn man nahezu sein gesamtes Leben in Zahlen bemisst und zum Vergleich freigibt, dann fehlt am Ende jede Rückzugsmöglichkeit, wenn es mal nicht so läuft.«

Genau diese Rückzugsmöglichkeiten sah ich einmal mehr in Gefahr, als ich diesen Artikel von Carsten Drees las: Demnach hat Apple den Schlafforscher Roy J.E.M. Raymann von Philips Research eingestellt. Aus welchem Grund, das erklärt Drees auch gleich. Es geht um die Vermutung, dass die von Apple geplante iWatch neben den üblichen Informations-Funktionen auch umfangreiche Gesundheitsfunktionen haben soll:

»Wenn so ein Mensch bei Apple anheuert und zudem Erfahrung mit den entsprechenden Sensoren von Wearables hat, um Schlaf überwachen zu können, dann liegt es auf der Hand, dass er sich auch in Cupertino auf diesem Feld bewähren soll.«

Die Gerüchte um die Gesundheitsfunktionen der iWatch verdichten sich immer mehr - so ist diesem Artikel auf CHIP zu entnehmen, dass iWatch mit Gesundheits- und Fitness-Apps oder Sensoren für Herzinfarktrisiko ausgestattet sein könnte oder gar in Zusammenarbeit mit Krankenkassen angeboten werden könnte, um deren Mitglieder zur regelmäßigen Anwendung bestimmter Apps zu verpflichten.

Mal abgesehen von diversen datenschutzrechtlichen Bedenken, die mir durch den Kopf schießen, wenn ich darüber nachdenke, dass unsere Krankenkassen unser gesundheitsschädliches Verhalten auf Schritt und Tritt überwachen und die Tarife entsprechend anpassen könnten: Wenn die Vermutung von Carsten Drees stimmt, dann kann sich mit der iWatch vielleicht bald jeder ein Schlaflabor für zu Hause installieren.

Das mag für den einen oder anderen vielleicht sogar spannend klingen. Allerdings hilft die iWatch dann dabei, auch die bisher letzte Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeit, den Schlaf, zu überwachen und zu vermessen. Ist das wünschenswert?

 

Bild: Graeme Law bei flickr.com (CC BY 2.0)

Kommentare

  • Achim

    22.04.14 (15:08:13)

    Na so neu ist das ja auch nicht, auch wenn es aus Cupertino kommt. Viele Tracker, wie das Up von jawbone, fitbit flex und einige andere machen das schon etwas länger.

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