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11.05.12

Achtung, Manipulatoren am Werk: Die Kommunikations-Tricks der Zeitfresser

Den eigenen Tagesplan abzuarbeiten wäre oft einfach - wenn da nicht die lieben Kollegen und Chefs wären. Nicht immer haben sie besten Absichten.

Vor einiger Zeit habe ich über Digitale Wichtigmacher geschrieben, die unsere Zeit fressen, weil sie uns suggerieren, Dinge dringend erledigen zu müssen. Ohnehin ist es ja geradezu en Vogue, auf das Internet als Zeitfresser zu schimpfen. Was dabei oft vergessen wird: Ob Internet oder nicht, die eigentlichen Zeitfresser sind die aus Fleisch und Blut, die uns mit allerlei Tricks dazu zwingen wollen, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Und das mitunter kommunikativ sehr geschickt. Einige Beispiele:

Immer diese Wichtigtuer

Der Chef, der hektisch und mit lauter Stimme um die Erledigung eines Gefallens bittet, nutzt solche Manipulations-Mittel, um Dich dazu zu bringen, etwas für ihn zu tun. Denn manche Dinge erscheinen nur deshalb besonders dringend, weil der andere sie wichtig erscheinen lassen will, damit Du seinem Wunsch absolute Priorität einräumst. Eine andere Methode besteht darin, Dich mit Schmeicheleien dazu zu überreden, ihm einen Gefallen zu tun: «Sie kennen sich so gut aus – würden Sie mir helfen diese Informationen zu recherchieren?» Da es viele Menschen besonders freut, wenn sie für unersetzbar gehalten werden, helfen sie natürlich gern.

Versteckte Drohungen und andere Gemeinheiten

Aber auch versteckte Drohungen gehören zum Repertoire solcher «Manipulatoren», die genau wissen, wo sie treffen können. Aussagen wie «Geben Sie sich doch etwas mehr Mühe!» oder «Sie haben mich tief enttäuscht!» treffen wie die Faust aufs Auge, denn es wird nicht nur die sachliche Aussage («Sie haben einen Fehler gemacht.») transportiert, sondern sie wird mit einer Wertung verknüpft. Denn wenn Du nicht auf diese Kritik reagierst, hält der andere Dich, so lautet seine implizite Botschaft, automatisch für faul, unmoralisch oder einen schlechten Menschen. Manchmal werden Kritik und Forderungen auch in Sticheleien und kleine Gemeinheiten verpackt, um ihnen besonderen Nachdruck zu verleihen. «Ihr Verhalten ist doch nicht normal», «Sie sind der Erste, der mit meiner Bitte ein Problem hat» oder «Normalerweise macht man das aber anders».

Die Spitze steckt dabei in so unscheinbaren Worten wie «natürlich», «normal» oder «man», wie etwa in der Aussage «Man kann das ja kaum glauben!». Wichtiger ist jedoch das, was ungesagt bleibt, nämlich die implizite Meinung des Kollegen: «Nicht nur ich bin dieser Ansicht, sondern die Mehrheit – und wer die Ansicht nicht teilt, ist irgendwie komisch und hat unrecht.» Gerade Menschen, deren perfektionistisches Bestreben ohnehin darin besteht, Unannehmlichkeiten um jeden Preis zu vermeiden, trifft dieser implizite Vorwurf hart. Daher ist die Versuchung groß ist, sich der angeblichen Mehrheitsmeinung zu beugen, denn wer möchte schon gern als Sonderling gelten. Oft genug steht der soziale Konsens jedoch auf ziemlich wackeligen Beinen und es gehört nur etwas Mut dazu, die Aussage ganz trocken zu entkräften.

Moralische Erpressung

Es gibt noch weitere, unfeine Methoden: die moralische Erpressung. Man versucht, Dich zu etwas zu überreden, weil es angeblich Usus sei. Ein Chef, der zum Beispiel sagt: «Bitte geben Sie Ihren Bericht heute noch ab – alle anderen haben das schon gemacht!» lässt keine Chance mehr, Nein zu sagen. Denn Du willst ja nicht der Einzige sein, der aus der Reihe tanzt. Das funktioniert hervorragend, um Kritik noch zu verstärken: «Alle finden, dass Sie dieser Aufgabe nicht gewachsen sind» – Diese Aussage zieht einen angeblichen sozialen Konsens heran: Die Mehrheit hat immer recht – und wer bist Du denn, dass Du diese Meinung in Frage stellen könntest? Du kannst! Lass Dich nicht nötigen und gib den indirekten Vorwurf einfach zurück an den Absender:

  • «Geben Sie sich doch etwas mehr Mühe.» – Mögliche Antwort: «Geben Sie sich etwas mehr Mühe, mich zu unterstützen.»
  • «Tun Sie es mir zuliebe.» – Mögliche Antwort:«Verzichten Sie mir zuliebe auf Ihre Forderung.»
  • «Sie vertrauen mir wohl nicht.» – Mögliche Antwort: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.»
  • «Dazu haben Sie kein Recht!» – Mögliche Antwort: «Manche Rechte muss man sich nehmen, sonst hat man sie nicht.»
  • «Sie haben mich sehr enttäuscht!» – Mögliche Antwort: «Ich fürchte,ich habe unter Ihren Erwartungen gelegen.»

Bild: jk5854 bei flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0)

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