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21.07.2011
Unternehmensfinanzierung

Aktuelle Entwicklungen im Mezzanine-Markt - Stand Juni 2011

Der Markt für stille Beteiligungen wird weiterhin geprägt von der regen Tätigkeit der mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, die sich regelmäßig auf "ihr" Bundesland beschränken und einigen bundesweit agierenden Anbietern von Individual-Mezzanine. Die zu zahlenden Zinssätze liegen mit rund 10 Prozent deutlich über den Werten des seit 2007 nicht mehr refinanzierbaren Programm-Mezzaniens. Die viel diskutierte Problematik der Anschlussfinanzierung gibt es so offenbar nicht.


Ein Beitrag von Guido Bruch

In den Jahren 2004 bis 2007 nahmen rund 700 Unternehmen mit einem Umsatz ab 10 Mio Euro das damals relativ leicht zugängliche Programm-Mezzanine in Anspruch. Mit Zinssätze von i.d.R. weniger als 8 Prozent (zum Vergleich: Ende 2006 lag der Euribor bei fast 4 Prozent) konnten sich Unternehmen Eigenkapital-ähnlich ohne Bereitstellung von Sicherheiten günstig, langfristig und voluminös finanzieren. Das Programm-Mezzanine wurde auch Standard-Mezzanine genannt, da die Verträge und Laufzeiten (7 Jahre/ endfällige Tilgung) fix vorgegeben waren, wodurch die mittels Verbriefung erfolgende Refinanzierung am Kapitalmarkt maßgeblich vereinfacht wurde. Die finanzierten Firmen erhielten durchschnittlich 6 Mio Euro, in Summe über 4 Mrd Euro.

Anbieter-Überblick

Mit der Finanzkrise versiegte diese Finanzierungsquelle "abseits" der Hausbank. Es verblieben die bereits seit mehreren Jahren am Markt befindlichen Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) sowie einige Anbieter von Indidvidual-Mezzanine. Beiden Anbieter-Gruppen ist gemein, dass sie bereit sind die Verträge (Laufzeiten) zumindest zum Teil an die spezifischen Wünsche des zu finanzierenden Unternehmens anzupassen.

Bei den MBGs handelt es sich i.d.R. dem jeweiligen Bundesland sehr nahestehenden Gesellschaften, zu deren Gesellschaftern neben dem Staat auch Geschäftsbanken, Industrie- und Sparkassenverbände zählen. Der Förderauftrag dieser Gesellschaften spiegelt sich in der Bereitschaft zum Eingang von kleineren Engagements nieder. Diese Untergröße liegt bei einigen ostdeutschen MBG, aber auch in Baden-Württemberg bei bescheidenen 25.000 Euro.

Je nach Größe der MBG (Stichwort Risikostreuung) werden maximal zwischen 1 Mio Euro und 5 Mio Euro vergeben. Bis zur i.d.R. endfälligen Rückzahlung der mit rund 10 Prozent zu verzinsenden stillen Beteiligung vergehen gewöhnlich 8 bis 10 Jahre. Für das zu finanzierende Unternehmen von Vorteil ist das bewährte Geschäftsmodell der MGB, die es seit Jahrzehnten gibt und anders als mancher Fonds oder Wettbewerber auch noch in einigen Jahrzehnten geben sollte.


Anschlussfinanzierungen/ Verlängerungen sind somit grundsätzlich leichter. Die Ansprechpartner wechseln nur selten. Die schweizer Kantonalbanken bieten teilweise ebenfalls Mezzanine an, jedoch häufig nur in einer Höhe bis 0,3 Mio CHF. Neben den MBG gibt es in NRW, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg noch einige weitere, oftmals Sparkassennahe Anbieter. Die VR Mittelstandskapital Unternehmensbeteiligungs AG gehört dem Genossenschaftssektor an und agiert nur in NRW. Bundesweit tätig ist hingegen mit DZ Equity-Partners (DZEP) eine Tochter des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken. Insbesondere bei Engagements bis 1,5 Mio Euro setzt DZEP eine mindestens zweijährige Geschäftsbeziehung des zu finanzierenden Unternehmens zu einer Raiffeisen- und Volksbank sowie eine Risikobeteiligung dieser Bank voraus. DZEP ist wie die MBGs seit langem am Markt tätig und gut vernetzt.

Die übrigen bundesweit agierenden Anbieter haben sich entweder auf Kleinst-Volumen (ETL bis 0,25 Mio Euro), größere Tranchen (über 10 Mio Euro) oder auf Branchen bzw. Soziales/ Umwelt spezialisiert. Die früher vom Programm-Mezzanine typischerweise offerierte Tranchenhöhe von 2,5 Mio Euro bis 5 Mio Euro wird bundesweit neben DZEP nur noch von zwei Anbietern angeboten. Außer dem Deutschen Bank Mittelstandsfonds, der offenbar sehr risikoavers ist und dessen Verzinsung bei mindestens 12 Prozent liegt, ist dies die österreichische Invest Mezzanin. Neben der Anbieterzahl hat sich das Finanzierungsovlumen reduziert. Heute wird stärker als in der Zeit bis 2007 auf die Relation EBIDTA : Mezzanine oder bestehendes Eigenkapital : Mezzanine geachtet. Bundesweit in der Schweiz aktiv ist die CS Anlagestiftung, die bei guter Bonität bis zu 5 Mio CHF vergibt.

Auswirkungen der Finanzkrise auf kapitalsuchende Unternehmen

Per Saldo kann festgestellt werden, dass es insbesondere für Unternehmen, deren Kapitalwunsch das Angebot ihrer regionalen MBG oder die von dieser eine Absage erhalten haben, deutlich schwerer geworden ist Mezzanine zu erhalten. Dies gilt insbesondere für Unternehmen mit mittlerer bis schlechter Bonität.

Unternehmen mit guter Bonität dürften hingegen die Zinssätze der bundesweit operierenden Anbieter als zu hoch empfinden. Korrekterweise muß betont werden, dass diese Zinssätze vor dem Hintergrund des Risikos durchaus als adäquat anzusehen sind. Laut einer Untersuchung von PricewaterhouseCoopers wird für die Hälfte der in den Jahren 2004 bis 2007 durchgeführten Programm-Mezzanine eine Ausfallquote von mindestens 15 Prozent, in der Spitze (H.E.A.T. 2007-1) von 24 Prozent erwartet. Untersuchungen von Mezzanine-Bericht.de haben gezeigt, dass die MBGs im Zeitraum 2004 bis 2009 rund 25 Prozent ihres Bestandes abschreiben mußten.

Finanzierungsmöglichkeiten überdenken

Sofern keine Sprunginvestition ansteht sollte sich vor diesem Hintergrund die Geschäftsführung des sich für Mezzanine interessierenden Unternehmens selbstkritisch fragen, warum quasi eine Liquiditätslücke besteht und z.B. die geplante Investition nicht ausschließlich mit klassischen Krediten finanziert werden kann. Mezzanine ist sinnvoll, sollte aber nicht zur Deckung einer Liquiditätslücke, der i.d.R. ein strategischer Fehler vorausging, genutzt werden. Die Verschuldung laufend zu erhöhen ist bekanntlich riskant. Eine kritische Reflektion des bestehenden Geschäftsmodells incl. Kosten- und Preisstruktur kann nicht schaden. Diese Reflektion ergibt sich – hier greift der Verfasser auf seine langjährige Berufserfahrung zurück – quasi als Abfallprodukt, wenn das geplante Vorhaben von einem kritisch hinterfragenden Dritten, zu denen auch der Verfasser gehört, in einem Businessplan dargestellt wird. Dieser ist bei der Darstellung der mittelfristigen Kapitaldienstfähigkeit hilfreich und ist häufig eine Voraussetzung im Vergabeprozeß. Die Kosten sind bei einem Zeitaufwand von 2 bis 5 Tagen gering, insbesondere in Relation zur Finanzierungssumme und können sich bei erbrachten Denkanstößen schnell amortisieren.

Unterstützung durch die Hausbank oder die KfW

Kann Mezzanine eingeworben werden, ist häufig die Hausbank zur Erhöhung ihres Engagements bereit. Alternativ bietet sich via Hausbank die Ansprache von regionalen Förderinstituten sowie der KfW an. Insbesondere die KfW bietet verschiedene Programme an, die eine Fremd- und eine Eigenkapitalkomponente beinhalten, sich durch einen moderaten Zinssatz und langer Laufzeit auszeichnen. Allerdings steigt bei den KfW-Programmen die Risikoposition der involvierten Hausbank.

Durch die KfW dürften einige der Teilnehmer des Programm-Mezzanines ihre Anschlußfinanzierung erhalten haben. Diese ist bei den Unternehmen notwendig, die – offenbar entgegen ihrer ursprünglichen Planung – nicht ausreichende Mittel für die ab 2011 beginnenden Tilgungen ansparen konnten.

Insbesondere 2010 wurde in der Presse, begleitet von entsprechenden Untersuchungen, die Frage gestellt, was passiert wenn die zwischen 2004 und 2007 aufgelegten Programme planmäßig nach 7 Jahren auslaufen und das Mezzanine zurückgezahlt werden müssen. Zwischenzeitlich ist mir PREPS 2004-1 eines der solidesten Programme ausgelaufen. Die Investoren erhielten ihren Einsatz zurück; die Verzinsung der Senior Notes lag mit 4,5 Prozent und die der Junior Notes mit 6,6 Prozent zwar unter der Planung, aber doch noch auf beachtlichem Niveau. Die Junior Notes des vergleichbaren Programms PRPES 2004-2 sollte mit 16,5 Prozent verzinst werden. Hiervon ist man weit entfernt. Von den 34 finanzierten Firmen waren zwei in Insolvenz gegangen, bei sieben halfen Forderungsverluste.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die MBGs sowie einige weitere regionale Anbieter den Mezzanine-Markt bis zu einer Tranchenhöhe von 2,5 bis 5 Mio. Euro zu üblicherweise akzeptierten Zinssätzen versorgen und daher zahlreiche Abschlüsse tätigen. 2010 zahlten allein die MBGs 202 Mio. Euro an 674 Unternehmen (= 0,3 Mio. Euro je Unternehmen). Bei Mezzanine-Wünschen zwischen 5 bis 10 Mio. Euro gibt es nur ein geringes Angebot zu marktkonformen Zinsen. Ab 10 Mio. Euro Finanzierungsbedarf werden die Unternehmen für den Markt wieder interessanter und Alternativen wie Mittelstandsanleihen bieten sich ebenfalls an.

In vielen Bundesländern gibt es gerade bei den niedrigeren Volumina mit der jeweiligen regionalen MBG nur einen Anbieter. Hier ist der erste, möglichst professionelle Eindruck bei der Kontaktaufnahme und Eigendarstellung umso wichtiger, da es selten eine zweite Chance gibt. Da der Professionalisierungsgrad und der Erfahrungsschatz der Marktteilnehmer hoch ist, fallen "Tricksereien" oder fehlende Plausibilitäten schnell auf. Auch vor diesem Hintergrund erscheint eine Sparringsrunde mit einem neutralen Dritten, der das Unternehmen, die Zahlen und die Geschäftsführung zum ersten mal sieht, sinnvoll.

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Über den Autor

Guido Bruch verfügt über eine rund 15 jährige Erfahrung im Bereich der Mittelstandsfinanzierung, ist Betreiber des führenden Mezzanine-Portals Mezzanine-Bericht.de und geschäftsführender Gesellschafter der auf die Finanzierung von Unternehmen spezialisierten Equity Advice GmbH (http://www.equity-advice.de).

Bruch hat eine höhere zweistellige Anzahl an teilweise sehr komplexen Investitionsvorhaben im Auftrag von Unternehmen für Kredit- und Mezzanine-Anfragen beschrieben und mit der bestehenden Finanzierungsstruktur abgestimmt. Darüber hinaus arbeitet er regelmäßig für Kreditinstitute sowie Steuerberater/ Wirtschaftsprüfer. Bei der Konzeptionierung eines Mezzanine-Fonds war er involviert.

Kontakt:
Mezzanine-Bericht.de
Guido Bruch
Josef-Kyrein-Str. 4
D-85579 Neubiberg/ München

Tel: 0170 834 0816
gbruch@mezzanine-bericht.de

www.Mezzanine-Bericht.de

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