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04.06.12Kommentieren

Unternehmenskultur

Wir statt Gier – warum gerade junge Unternehmer die Revolution nutzen müssen

Wer jetzt als Start-up Gründer oder Unternehmer den Anschluss an die Revolution verpasst, verspielt seine Zukunft. Der Paradigmenwechsel weg von der Gier hin zum Wir, den die nachrückende Generation eingefordert, wird die Wirtschaft radikal ändern. Wer sein Unternehmen nicht darauf ausrichtet verliert Mitarbeiter, Innovationspotenzial und Kunden. Welche Fragen sollte er sich stellen und wie handeln?

Ein Beitrag von Gordon Müller-Eschenbach

Immer mehr Menschen sehnen sich heute nach einem Neuanfang und radikalem

Wandel. Sie kündigen ihre guten Jobs in etablierten Berufszweigen bzw. in

klassischen Unternehmen und machen sich auf den Weg. Heute liegen vielleicht

Australien, Nepal oder Bali auf dem Weg der persönlichen Sinn-Suche und werden

dadurch das "Neue Goa der 1970er Jahre".

Doch nicht Klimawechsel,

Erlebnisse und Abenteuer auf diesen Reisen sind es, vor dem sich die etablierten

Führungskräfte der "old school" fürchten müssen: Es ist die innere Klarheit, mit

dem die Menschen zurückkommen und die Sicherheit, nicht mehr zusehen zu wollen,

wie alte Führungsmethoden, verschrobene Unternehmenskulturen und egomanische

Einzelinteressen gegen das Gemeinwohl arbeiten. Sie wollen nicht mehr

Sinn-entleert einem 9-to-5-Job nachgehen, sondern wieder mit vollem inneren

Antrieb und Freude sich einbringen am Arbeitsplatz.

Nicht falsch

verstehen: Mir geht es nicht um eine esoterische Bewegung mit Räucherkerzen und

Klangschalen, sondern um eine handfeste Revolution, die unsere Wirtschaft und

Gesellschaft radikal ändert und der sich jeder Gründer und Unternehmer bewusst

sein muss, um in den nächsten Jahren überhaupt erfolgreich sein zu

können.

Die Skandale um Günstlingswirtschaft, Korruption, Missbrauch oder

aberwitzige Investitionsruinen und die Reaktionen darauf zeigen, dass immer mehr

Menschen heute den Glauben an die klassischen Eliten als Orientierungshilfe und

Vorbilder verloren haben. Da wo Staat, Kirche und Vorstände mit ihrem

unethischen Verhalten unsere Loyalität missbrauchen, gibt es das Bedürfnis nach

neuen Strukturen und eigenem Wirken.

Kein Wunder, dass immer mehr sich

verweigern, Handlanger in den klassischen Machtspielchen innerhalb der

Unternehmen zu werden. Sie steigen aus, um ihren eigenen Werten und

Überzeugungen zu folgen. Viele suchen sich einen neuen Arbeitgeber, bei dem die

Unternehmenskultur und Führungsqualitäten der Manager zu ihrem eigenen Sinn und

Verständnis passen – andere folgen dem Pfad der Unternehmer und gründen selbst

ein Unternehmen, das sie so schaffen können, wie sie sich das richtige

Arbeitsumfeld vorstellen. Und hier kommen die Start-up-Gründer und neuen

Unternehmer ins Spiel. Was wird sich also für Start-up-Gründer und Unternehmer

ändern?

Wir ist die neue

Währung des Erfolges

Die Orientierung an gemeinschaftlichen

Werten und am Gemeinwohl prägt die Bewegung, die zur Revolution wird. Das "Wir"

wird über die Partikularinteressen weniger, also über die "Gier"-Aspekte

gestellt – daher auch der Schlachtruf "Wir statt Gier", den ich in meinem

aktuellen Buch als Titel verwendet habe. Und so wird

sich die Unternehmenskultur ändern müssen, um der Entwicklung gerecht zu werden.

Gründer und Manager müssen jetzt erkennen, dass gerade ein Drang nach

einem schnellen Exit, das Streben nach hohen eigenen Profiten und die

Implementierung von strikten und rigiden Unternehmensstrukturen das eigentliche

Kapital der neuen Unternehmer tötet: Innovation, Kreativität und vor allem die

Loyalität von Mitarbeitern, die sich freuen, sich am Arbeitsplatz einbringen zu

können mit Ihren Talenten und Begabungen. Die Pervertierung der eigenen Ethik

durch externe Investoren und die Dollar-Zeichen in den Augen hat schon manches

erfolgsversprechende Unternehmen in den 1990er Jahren zu Fall gebracht, weitere

werden in diesen Jahren folgen.

Jeder Manager, der diese Themen einer

neuen Unternehmenskultur heute noch als bedeutungslose "Soft Factors" oder

weiches Unternehmenskultur-Geschwätz abtut, verkennt, dass nicht nur die

nachrückende Generation (und damit sein Talent-Pool der Zukunft) sondern auch

immer mehr Mittdreißiger oder Mittvierziger (und damit der Kern und die Stütze

seines Unternehmens) keine Lust mehr haben, in überholten Strukturen zu

arbeiten. Gerade die Start-up-Landschaft muss sich hier der neuen Verantwortung

stellen – und nicht nur aus altruistischen Gründen sondern weil ihr Überleben

davon abhängt.

Schnell steht alles auf

dem Spiel

Viel steht auf dem Spiel: Nicht nur der eigene

wirtschaftliche Erfolg des Startups oder Unternehmens, sondern auch die Chance,

mit seinem eigenen unternehmerischen Wirken zum Wandel in der Gesellschaft und

Wirtschaft beizutragen. Weil die Einbrüche auf vielen Ebenen parallel passieren,

wenn unethisches Verhalten und eine falsche Unternehmenskultur aufgedeckt

werden: Mitarbeiter, Talent- und Innovationspools und Kunden sind potenzielle

Bruchstellen.

Mitarbeiter erkennen, dass sie in Umfeldern, die sich an

ihren eigenen persönlichen Werten orientieren, viel mehr Befriedigung, Sinn und

Freude an ihrer Arbeit haben. Die Ausstiegshürden für Mitarbeiter, gerade in der

Start-up-Landschaft, sind heute nur noch gering. Zu viele neue Unternehmen

werden gegründet, zu viele alte Konzerne wachen auf und sind am neuen Talentpool

interessiert. Und welches junge Unternehmen verkraftet schon den brain-drain von

guten Mitarbeitern schadlos?

Die Zeiten, in denen der nächste billige

Praktikant um die Ecke wartet und bereitwillig sich ausbeuten lässt, nur weil

der Name des Unternehmens oder die Fließband-Incubator-Gruppe sexy ist, werden

auch enden – wie andere Berufszweige wie Agenturen schon vor Jahren erkennen

mussten. Moderne Sklaverei ist kein Ausdruck des "Wir"-Gedankens, sondern

feudalistische old-school, wie sie rückwärtsgewandter gar nicht sein

kann.

Für Unternehmer heißt dies aber auch, dass Kunden heute sehr genau

hinschauen, nach welchen Werten die Führung handelt und nach welchen Prinzipien

ein Unternehmen ausgerichtet ist. Nachhaltigkeit hat sich als Thema von einsamen

Diskussionsrunden der Weltverbesserer zu handfesten Wettbewerbsvorteilen

gemausert, zu unser aller Wohl.

In Zeiten immer größerer Transparenz und

nicht mehr zu kontrollierender Informationsströme durch Internet und Social

Media bilden sich potenzielle Käufer immer mehr ein persönliches Bild vom

Unternehmen, den Produkten und der Wirkung, die ein Konsum nach sich ziehen

wird. "Wir statt Gier" wird nicht nur hip werden, sondern Grundbedingung für

einen Wandel, der über die Unternehmenskultur die gesamte Wirtschaft und

Gesellschaft ergreift.

Es fängt beim

Gründer, Manager und Teamleiter an

Und die neue und

zukunftsfähige Unternehmenskultur muss von der Führung und dem Gründerteam im

Alltag gelebt werden. Erst wenn Mitarbeiter erkennen, dass die Führung nach

einem Wir-Prinzip im Unternehmen entscheidet und handelt, können sie anfangen,

sich selbst danach auszurichten. Das Gemeinschaftsgefühl sorgt dafür, dass

automatisch die Probleme der alten Unternehmen verschwinden: Missmut, innere

Kündigung, Mobbing und fehlende Kreativität und Produktivität.

Nur dann

ist die Basis für eine Innovationskraft, Kreativität und eine hohe

Identifikation mit dem Produkt, der Dienstleistung und dem Unternehmen möglich,

die letztendlich darüber entscheidet, wie magnetisch das Unternehmen Kunden und

neue Mitarbeiter in seinen Bann ziehen kann. Ohne den Magnetismus wird es nicht

funktionieren. Konzepte kann man kopieren, Menschen mit ihren Ideen und

Inspirationen nicht.

Nachhaltig Erfolg hat der, der die meisten Herzen

der Menschen berührt und mit seiner Vision für sich einnimmt. Viele Manager

konfrontiere ich im Coaching mit folgenden Fragen, die ihre eigene

Positionierung, ihr Handeln und ihre Unternehmenskultur auf den "Wir-Faktor" hin

überprüft:

  • Wer bin ich - Wie will ich leben und arbeiten?
  • Was möchte ich in 10, 20 und 40 Jahren erreicht haben? Was davon sind

    monetäre, ideelle und gemeinschaftlich geprägte Ziele?

  • Wie will ich führen und wie sollen mich meine Mitarbeiter sehen?
  • Welche Art und Charakterprägung von Managern und Mitarbeitern will ich in

    meinem Umfeld haben, die mich auf meinem Weg begleiten?

  • Welche Werte, Tugenden und Einstellungen sind mir wichtig im Umgang mit

    Mitarbeitern, Kunden und dem Wettbewerb?

  • Welche dieser Werte sind meine eigenen und welche von anderen

    übernommen?

  • Was hinterlasse ich der Nachwelt mit meinem Unternehmen, wenn ich morgen vom

    Bus überfahren werde?
    Welchen Teil des Profits und meines Capital Gains will

    ich auf welcher Weise zurück an die Gemeinschaft zurückfließen lassen?

  • Welche Hilfestellung und welchen Mehrwert erhalten meine Kunden durch die

    Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens?

  • Wieviel Freude, Spaß, Leichtigkeit und Gemeinschaftsgefühl wird jeden Tag in

    meinem Unternehmen insgesamt und in meinem direkten Umfeld sichtbar: In der Art

    der Zusammenarbeit, auf den Gesichtern der Mitarbeiter und in der Form der

    Kommunikation?


Sie haben das Ruder in der Hand und

entscheiden über die Zukunft

Haben Sie Klarheit zu den obigen

Fragen? Können Sie Ihre ureigenen Werte von den übernommenen aus dem Umfeld

differenzieren? Ein klares Wertegerüst und ein Wissen um die eigene Vision und

Ausrichtung ist essentiell, um Ihr Unternehmen zu gestalten und so die richtigen

Impulse für die individuelle Unternehmenskultur zu setzen. Eine Kultur, die wie

ein Fingerabdruck für Ihr Unternehmen und Sie persönlich steht und entscheidet,

wie Sie im Wettbewerb um Mitarbeiter und Kunden abschneiden werden. Sie haben

die Wahl und bestimmen, wie die Entwicklung weitergeht. Sie werden als Gründer,

Führungskraft oder Manager jeden Tag an Ihren Handlungen und Entscheidungen

gemessen – von Mitarbeitern, Kollegen und Kunden.

Erinnern Sie sich: Das Wir ist überall. In motivierten Mitarbeitern,

die sich als Mit-Unternehmer verstehen, im Miteinander bei der Entwicklung

kreativer Marketingstrategien und innovativen Technologien, im

crowd-financing-Ansatz, im user-generated-content, in der Weiterentwicklung von

Produkten und Prozessen durch Kunden, die sich nicht als Kunden sondern als

Weggefährten verstehen, in internen Innovationsprozessen und nicht zuletzt auch

im Kundeninteresse nach Nachhaltigkeit und offenem Kommunikationsstil ohne

kleingedruckte Fußangeln. Es bietet das Fundament für ein zukunftsfähiges

Unternehmen und ermöglicht erst die Basis, auf der Erfolg und Nachhaltigkeit

zusammen kommen.

Also stellen Sie sich die Frage: Schneller Exit und vermeintlicher Luxus oder

wollen Sie was nachhaltiges schaffen.....eine legacy etwa? Seien Sie

leidenschaftlich und setzen Sie Impulse, um die Wirtschaft und Gesellschaft

nachhaltig zu ändern!

Autor: Gordon Müller-Eschenbach

Coach und Berater
Website des Autors
Gordon Müller-Eschenbach

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