12.07.11

Interview

Wie Sie Ihren eigenen Online-Shop bauen

Auswahl, Tests, Vertragsabschluss und dann die eigentliche Einführung – bei der Inbetriebnahme eines neuen Shops sind viele Faktoren zu berücksichtigen. Fehler verursachen unter Umständen fatale Spätfolgen. Wir fragten Marco Stipek, Geschäftsführer bei den CMS-Agenten, wie die Etablierung eines neuen Shops erfolgreich geplant und abgewickelt werden kann.

So bauen Sie einen neuen Online-Shop aufSo bauen Sie einen neuen Online-Shop auf

Marco Stipek ( www.cms-agenten.de ) „Logistik, IT, Marketing und Vertrieb sowie Rechnungswesen und Controlling müssen beim Aufbau eines Shops an einem Strang ziehen.“ 

Interviewer: Herr Stipek, wer einen Shop-Anbieter sucht, findet im Markt ein breites Angebot. Da stellt sich natürlich die Frage: Nach welchen Kriterien soll ein Shop ausgewählt werden?

Marco Stipek: Wie bei einem traditionellen Point of Sale können Sie am Anfang der Evaluierung Marketing- und Vertriebsanforderungen in den Mittelpunkt stellen. Gerade hier offenbaren sich oft Schwächen, sowohl bei den Shop- Betreibern, als auch bei den Webagenturen.

Den Ausschlag gibt nicht, dass ein Shop-System sehr viele Möglichkeiten bietet, sondern welche realen Anforderungen ich an es stelle.

Am wichtigsten sind sicherlich Themen wie

  • die Anbindung an Preissuchmaschinen,
  • die Messung des Anteils an Shop-Besuchern, die einen Kauf tätigen (Conversion Tracking genannt),
  • Suchmaschinenmarketing und -optimierung,
  • effizientes Forderungsmanagement,
  • die Integration von Zahlungsdienstleistern,
  • die Unterstützung von CRM-Prozessen und
  • die nahtlose Integration in bestehende Prozesse und die IT-Landschaft.

Interviewer: Wie testet man einen Shop?

Marco Stipek: Hierfür gibt es kein Patentrezept. Vielmehr müssen die Tests auf Basis der zuvor definierten Anforderungen durchgeführt werden. Es gibt funktionale Aspekte wie Im-/Export aus einer bestehenden Warenwirtschaft oder die Performance, die sich messen lässt. Ein Tipp: Profitieren Sie von den Erfahrungen anderer und lernen Sie von der Konkurrenz.

Interviewer: Bei der Vertragsgestaltung spielen natürlich Gebühren und Wartung eine Rolle. Was sind denn bewährte Vertragsmodelle?

Marco Stipek: Wer heute langfristig im E-Commerce erfolgreich sein will, hat mit der Wartung das geringste Problem hinsichtlich der Kosten. Zentraler ist die Weiterentwicklung des Geschäfts, kontinuierliche Marketingmaßnahmen, Suchmaschinenmarketing (SEM) und Suchmaschinenoptimierung (SEO) sowie die Integration neuer Vertriebsmöglichkeiten – etwa die Einbindung von Facebook. Das verschlingt ein Vielfaches der Wartungs- und Betreuungskosten. So sind beispielsweise unsere Supportverträge nach den Anforderungen unserer Kunden gestaltet, Reaktionszeiten und Erreichbarkeit sind für den Preis ausschlaggebend. Wer etwa nur den deutschen Markt bedient, ist möglicherweise nicht auf „Rund-um-die-Uhr“-Support angewiesen und kann hier sparen.

Interviewer: Wer ist in einem Einführungsteam beteiligt?

Marco Stipek: Hier offenbaren sich meist bereits am Beginn der Projektplanung die ersten Schwächen. Nicht selten sitzen wir zu diesem Zeitpunkt ausschließlich mit Vertriebsmitarbeitern und der Geschäftsführung zusammen. Dass der Einstieg in einen neuen Markt Prozesse im gesamten Unternehmen berührt, wird dabei oft übersehen. Logistik, IT, Marketing und Vertrieb sowie Rechnungswesen und Controlling müssen an einem Strang ziehen, um diesen neuen Vertriebskanal in einem neuen Marktsegment erfolgreich zu etablieren. Daher empfehlen wir den Unternehmen, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. Wir nehmen hier oft die Rolle des Mediators und Beraters ein. Wir zeigen die zu definierenden Schnittstellen im Unternehmen auf und sorgen dafür, dass alle beteiligten Akteure ihren Beitrag zum Erfolg leisten können.

Interviewer: Wie muss eine Übernahme von bestehenden Daten geplant werden?

Marco Stipek: Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden: Geht es um die Übertragung der Daten von einem alten in ein neues Shop-System, so ist zu prüfen, ob der finanzielle Aufwand für die automatisierte Migration der Daten angemessen ist. Geht es hingegen um die Anbindung an bestehende Systeme, etwa an ein Warenwirtschaftssystem, so muss das bei der Auswahl eines Shops mit einfließen. Die Anforderung heißt in diesem Fall: Unterstützt ein Shop-System den Import der Daten oder muss diese Anbindung erst entwickelt werden? Letzteres schlägt sich dann mit einem Anteil von bis zu 30% an den Kosten der gesamten Realisierung des Shops nieder. 

Experten-Tipp von Marco Stipek

Letztlich ist die Etablierung eines Online- Shops mit ähnlichen Hürden verbunden wie die Eröffnung eines Ladenlokals. Vergessen Sie deshalb zunächst die Technik und prüfen Sie besser Ihr Geschäftsmodell und Ihre Geschäftsprozesse. An erster Stelle stehen das Produkt, der Service, das Marketing. Die Technik ist lediglich das Mittel zum Zweck. Sind diese Grundlagen sauber ausgearbeitet, fällt die Wahl des Systems und die Wahl der Dienstleister leichter.

Glossar


  • Conversion Rate: Anteil der Shop-Besucher, die einen Kauf tätigen
  • Tracking: System, mit dem sich das Surfverhalten von Shop-Besuchern messen lässt
  • CRM: Software zur Steuerung der Kundenbeziehungen
  • Performance: Anzahl der Anfragen und Verkäufe
  • SEM: Suchmaschinenmarketing (Schalten von Anzeigen in Suchmaschinen)
  • SEO: Suchmaschinenoptimierung (Maßnahmen zur Verbesserung der Suchergebnisse)

Redaktionsbüro Buttenmüller

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