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27.02.14Kommentieren

Vergabe von Aufträgen

Öffentliche Ausschreibungen auch für Gründer?

Prinzipiell steht der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen natürlich jedem offen. Aber soll sich auch ein Gründer an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen? Ist vielleicht die Chance für neu am Markt befindliche Unternehmen, den Zuschlag zu erhalten viel zu gering? Oder der Aufwand viel zu groß?

Ein Beitrag von Michael Singer

Immer wieder hört man von Vorurteilen, die es aber verdienen, näher beleuchtet zu werden.


1.   Den Zuschlag bekommt sowieso immer nur der Billigste


Tatsächlich ist es so, dass den Zuschlag das wirtschaftlichste Angebot bekommt. Der Preis ist nur in begrenzten Ausnahmefällen einziges Kriterium. Das Vergaberecht sieht sogar vor, sog. unauskömmliche (also zu niedrige) Preise von der Wertung auszuschließen. Die einzelnen Kriterien sind mit der Ausschreibung offen zu legen

2.   Den Zuschlag bekommt der, der die besten Beziehungen hat

3.    Der Gewinner der Ausschreibung steht schon von vornherein fest

Bei einer freihändigen Vergabe kann es sicherlich so sein, dass die besten Beziehungen entscheiden, wer überhaupt zu einem Angebot aufgefordert wird. Das sich anschließende Auswahl- und Vergabeverfahren unterliegt jedoch den gleichen Bestimmungen wie eine offene Ausschreibung. Ein Zuschlag nur wegen guter Beziehung wäre ein eklatanter Verstoß gegen das Vergaberecht. In Einzelfällen mag das in der Realität vorkommen, aber es ist für die Beteiligten ein Spiel mit dem Feuer.

4.       Öffentliche Aufträge führen Gründer in die Insolvenz

Die Vergabe von öffentlichen Aufträgen wird im Wettbewerb aufgrund Angebot und Nachfrage bestimmt. Den Zuschlag bekommt das wirtschaftlichste Angebot. Das Öffentliche Preisrecht sieht vor, dass die Vergabe von öffentlichen Aufträgen zu angemessenen Preisen erfolgen muss. Dabei sind die vollen Kosten bei wirtschaftlicher Betriebsführung inklusive der Zinsen für das eingesetzte Kapital und eines (immerhin moderaten) Gewinnzuschlages zu berücksichtigen.

Lohnt es sich dann doch für Gründer, sich um öffentliche Aufträge zu bemühen?

Es wird für einen Gründer schwierig sein, öffentliche Ausschreibungen zu gewinnen. Das liegt an den formalen Hürden wie der oft zu erbringende Nachweis, dass seine Firma schon über einen längeren Zeitpunkt tätig ist und er vielfach die Ergebnisse der letzten drei Jahre der Geschäftstätigkeit nachweisen muss. Wenn er diese Kriterien dann nicht erfüllt, wird sein inhaltliches Angebot gar nicht gewertet werden.

Trotzdem ist es auch für Gründer empfehlenswert, sich mit dem Thema Ausschreibung von öffentlichen Aufträgen zu beschäftigen. Zum einen gibt es öffentliche Ausschreibungen, bei denen auf die Erfüllung dieser formalen Kriterien verzichtet wird. Gründer haben auch die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Kooperation als Subunternehmer zu bewerben und entgehen somit ebenfalls den strengen formalen Vorschriften.

Wie finden Sie öffentliche Ausschreibungen?

National sind die Ausschreibungen kostenlos auf dem Portal www.bund.de zu finden. Dort hat man auch zusätzlich die Möglichkeit, sich über die Ausschreibungsergebnisse zu informieren. Diese findet man in der Rubrik "Vergebene Aufträge". Dies kann interessant bei der Suche nach Kooperationspartnern sein, weil man dadurch auf bereits erfolgreiche Bieter zurückgreifen kann

Europaweit sind Ausschreibungen und die Ergebnisse von Ausschreibungen – ebenfalls kostenlos - in der Datenbank TED finden. Der Zugang ist nach einer Registrierung über ted.europa.eu möglich.

Wenn man selbst diese Suchen nicht durchführen will, dann ist die Vergabe eines Auftrages an einen Informationsvermittler, der auf die Suche in Ausschreibungsdatenbanken spezialisiert ist, eine Möglichkeit der Informationsbeschaffung.

 

Autor: Michael Singer

Berater für die Vergabe und Preisprüfung öffentlicher Aufträge
Website des Autors
Michael Singer

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