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26.02.13

Steuerfrei

Wett- und Spielgewinne steuerfrei?

Es ist eine gängige Stammtischparole, dass man bei „unerklärlichen“ Geldzugängen dem Finanzamt gegenüber einfach behaupten könne, es handele sich um Zuflüsse aus Glücksspiel oder einer Wette. Richtig daran ist zunächst einmal, dass Einkünfte aus Spiel und Wette steuerlich tatsächlich irrelevant sind – es sei denn, das Gesetz regelt ausdrücklich etwas anderes.

Steuerfrei durch (fiktive) Wett- und Spielgewinne?Steuerfrei durch (fiktive) Wett- und Spielgewinne?

Eine Wette zu gewinnen ist keine Einkunftsart

Denn Spiel- und Wettgewinne passen einkommensteuerlich in keine der sieben gesetzlichen Einkunftsarten. Hierfür wird nämlich keinerlei Gegenleistung erbracht – das Geld wird nicht „erworben“.

Jetzt werden Sie sicher sofort sagen: Das ist doch bei vielen Wertpapieren im Grunde dasselbe! Wenn ich zum Beispiel Optionsscheine bei meiner Bank kaufe, tue ich doch auch nichts anderes, als auf das Steigen oder Fallen von Wertpapierkursen oder Marktpreisen zu wetten! Stimmt genau, Sie haben völlig Recht! Aber hier hat der Gesetzgeber nun einmal ausdrücklich geregelt, dass Steuern anfallen.

Ein angeblicher „Spielbankgewinn“ ist leicht zu entlarven

Doch die bloße Behauptung, Geld in einer Spielbank gewonnen zu haben, kann heute leicht entlarvt werden. Das Geldwäschegesetz (GWG) von 2008 verpflichtet nämlich Spielbanken dazu, jeden Besucher zu identifizieren. Ohne Personalausweis kommen Sie also gar nicht erst ins Casino hinein. Wer also einen Spielbankgewinn behauptet, aber in der Spielbank gar nicht erfasst worden ist, hat sich schon ins Abseits manövriert.

Außerdem müssen die Spielbanken alle Spieler identifizieren, die Spielmarken im Wert von 2.000 Euro oder mehr kaufen oder einlösen. Das Finanzamt kann sich also bequem auflisten lassen, wer wann mehr als 2.000 Euro verspielt oder eben gerade gewonnen hat. Also keine Chance zur illegalen „Steueroptimierung“!

Interessanterweise noch nicht erfasst: die private Wette

Noch nicht erfasst hat das GWG den gesamten privaten Bereich von Spiel und Wette. In Deutschland ist privates Glücksspiel zwar illegal, schon im europäischen Ausland mag das nicht mehr gelten. Ob und wann jedoch Schutzbehauptungen, man habe sein Geld bei einer Wette in Bulgarien oder Lettland gewonnen, bald der Boden entzogen wird, bleibt abzuwarten.

Was nach wie vor nicht verboten wurde, ist, mit seinem Freund um 100.000 Euro auf den Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Bayern München zu wetten. Sofern der Freund da mitspielt. Und hinterher dem Finanzamt dann auch bestätigt, dass es so war – denn diesbezüglich formuliert § 90 AO eine Mitwirkungspflicht.

Mathias Frenzel, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht


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