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14.05.09Kommentieren

Steuertipps

Umsatzsteuer: So sparen Sie bares Geld

Das als größtes empfundene Steuerproblem der meisten Unternehmer ist die Einkommensteuer. Damit haben sie zwar auch Recht, aber nur wenn sie dabei auch sofort an Problem Nr. 2 denken: die Umsatzsteuer (USt). Nachzahlungen in diesem Bereich verkraften viele Unternehmen gar nicht. Davor möchten wir Sie bewahren und lichten das Dunkel um diese Steuer.

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USt muss bezahlt werden – auch bei Verlusten

Neulich sprach mich ein neuer Mandant empört an. Er würde doch noch gar keine Gewinne erwirtschaften – und trotzdem müsse er dauernd Steuern zahlen!

Das könne doch nicht rechtens sein, in der Zeitung stehe ständig, dass die „Großen“ bei Verlusten überhaupt keine Steuern mehr zahlen! Als Fachmann ist man da auch erst einmal verwirrt und fragt sich, was da denn wohl los sei.

Aber die Lösung ist ganz einfach. Der Mandant hatte den Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Einkommensteuer noch nie erklärt bekommen. Und somit logischerweise nicht verstanden, dass das zwei völlig verschiedene Paar Schuhe sind.

Hand aufs Herz: Hätten Sie’s gewusst?

Sagen Sie bitte nicht vorschnell: Wer das nicht begriffen hat, sollte lieber die Finger von der Selbständigkeit lassen. Warum? Von der Umsatzsteuer hören überhaupt nur Kaufleute in ihrer Berufsausbildung – aber woher soll ein (vielleicht brillianter) Optiker, Web-Designer, Klempner das wissen?

Und können Sie aus dem Stand sicher sein, dass bei Ihren Privatentnahmen und der Kfz-Besteuerung nach der 1 %- Regel auch umsatzsteuerlich alles richtig läuft?

Risiko Insolvenz: USt bleibt an Ihnen kleben

Natürlich rechnen Sie nicht mit der Insolvenz Ihres Unternehmens. Aber es kann Ihnen passieren, und zwar ganz schuldlos, wenn z. B. plötzlich Ihre größten Schuldner selber ausfallen. Und dann grüßt wieder die Umsatzsteuer: Sie ganz persönlich müssen sie nämlich in aller Regel trotzdem zahlen, auch wenn das Unternehmen insolvent ist.

Und davon sind Sie nicht einmal dann befreit, wenn Sie noch eine Privatinsolvenz hinterher klappen lassen, um nach gut sechs Jahren wieder ganz von vorne anfangen zu können. Nach bisheriger Rechtslage läuft die Umsatzsteuerschuld außerhalb der Segnungen des Insolvenzrechts.

Das Finanzamt verlangt sie regelmäßig (zur Not per Haftungsbescheid) weiterhin von Ihnen persönlich! Ist das nicht ein Grund mehr, schon heute ganz genau hinzuschauen?

Das Prinzip der Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer (europarechtlich „Mehrwertsteuer“ genannt) ist KEINE Steuer auf das Einkommen, wie z. B. Einkommensteuer und Gewerbesteuer. Gewinn und Verlust sind bei der USt also egal. Auch auf einen Vermögensbestand wie bei der Erbschaftssteuer kommt es nicht an.

Besteuert wird schlicht und ergreifend der Umsatz, den ein Unternehmer – also Sie – ausführt. Jedes Mal zum gesetzlichen Steuersatz (derzeit 19 % oder 7 %) – und im wahrsten Sinne des Wortes „ohne Rücksicht auf Verluste“.

Vorsteuerabzug soll den Unternehmer entlasten

Trotzdem soll der Unternehmer nicht mit der Umsatzsteuer belastet sein, sondern nur der Endverbraucher. Das ist ein ehernes Prinzip der europaweiten Mehrwertsteuer – und der EuGH pocht darauf.

Und das übrigens schon seit 1967 – da fiel die alte sog. Kaskadensteuer, bei der es keinen Vorsteuerabzug gab und das Produkt/ die Dienstleistung damit auf jeder Handels- und Produktionsebene auch um die Steuer teurer wurde.

Heute haben Sie als Unternehmer den Vorsteuerabzug – alle Vorsteuer auf das, was Sie einkaufen, um Ihre Umsätze erbringen zu können, können Sie von Ihrer aus Ihren Rechnungen abzuführenden Umsatzsteuer abziehen.

Und den Rest, den Sie dann doch an das Finanzamt überweisen müssen, bezahlt Ihr Kunde mit. Daher kalkulieren Sie nur mit Nettobeträgen – welcher Umsatzsteuersatz gerade gilt, ist Ihnen als voll vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer im Grunde herzlich egal. Das nennt man „Neutralität der Unternehmerebene“.

Nicht zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt?

Nun gibt es leider Unternehmer, die nicht vollständig oder vielleicht gar nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Das liegt einfach daran, dass diese Unternehmer selbst eben Umsätze erbringen, die nicht der Umsatzsteuer unterliegen.

Das kann zum Beispiel ein Vermieter sein, der nicht gemäß § 9 UStG zur USt optiert. Er ist Unternehmer, seine Mieteinnahmen tragen aber keine Umsatzsteuer. Es wäre ja ein Ding, wenn er dann auch noch Vorsteuer ziehen dürfte.

Dieser Unternehmer bleibt also wie ein Endverbraucher mit der Vorsteuer aus seinen „Einkäufen“ belastet! Oder Finanzdienstleister wie z. B. Banken: Sie haben teils USt-freie Einkünfte (Zinsen, Kontogebühren etc.), teils USt-pflichtige Einkünfte (z. B. aus Vermögensverwaltung).

Diese Unternehmer teilen die Vorsteuer in abzugsfähige und nichtabzugsfähige Teile auf.

Matthias Frenzel, Fachanwalt für Steuerrecht

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