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29.04.09

BMF erweitert die bisherigen Möglichkeiten

Steuerfreie Arbeitgeberdarlehen

Neue Gestaltungsspielräume bei Arbeitgeberdarlehen und damit die Möglichkeit zur Optimierung der Lohnabrechnungen Ihrer Arbeitnehmer eröffnet ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums. Dieses Schreiben ersetzt gleich drei Erlasse zum Thema Arbeitgeberdarlehen und ist für alle neu abzuschließenden bzw. auch für bereits gewährte und laufende Darlehen anzuwenden.

Auch eine Möglichkeit der Finanzspritze für Arbeitnehmer: ein Arbeitgeberdarlehen.Auch eine Möglichkeit der Finanzspritze für Arbeitnehmer: ein Arbeitgeberdarlehen.

Erstmalig definiert das Bundesfinanzministerium (BMF) in seinem Schreiben vom 01.10.2008 den Begriff des „Arbeitgeberdarlehens“ und dessen, was gerade kein Darlehen ist:

1. Ein Arbeitgeberdarlehen ist die Überlassung von Geld durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer aufgrund einer Darlehenszusage.

2. Nicht unter den Anwendungsbereich "Arbeitgeberdarlehen" fallen insbesondere Reisekostenvorschüsse, ein vorschüssiger Auslagenersatz, als Arbeitslohn zufließende Lohnabschläge und als Arbeitslohn zufließende Lohnvorschüsse, sofern es sich bei letzteren nur um eine abweichende Vereinbarung über die Bedingungen der Zahlung des Arbeitslohns handelt.

Diese Voraussetzung ist beispielsweise bei Gehaltsvorschüssen im öffentlichen Dienst nach den Vorschussrichtlinien des Bundes oder entsprechenden Richtlinien der Länder nicht erfüllt, so dass entsprechende Gehaltsvorschüsse unter den Anwendungsbereich "Arbeitgeberdarlehen" fallen.

Finanzverwaltung hat die Rechtsauffassung geändert

Bereits im Jahr 2006 hatte der BFH die damalige starre Regelung gekippt, wonach bei allen Arbeitgeberdarlehen, deren Zins unter 5,5% lag, ein steuerpflichtiger Zinsvorteil anzunehmen sei.

Das Schreiben bestätigt das: Nur wenn Sie Ihrem Mitarbeiter Zinskonditionen gewähren, die das marktübliche Niveau (sog. Maßstabszins) zum Abschlussdatum des Vertrags unterschreiten, kann ein steuerpflichtiger Sachbezug entstehen.

 

Tipp:

Der Vorteil aus dem verbilligten Darlehen wird aber nur dann steuerpflichtig, wenn dieser Vorteil zusammen mit anderen Sachbezügen (z.B. PKW) die Freigrenze von 44,- €/mtl überschreitet.

 

Was ist der „Maßstabzins“?

Den Maßstabzins ermitteln Sie je nach Kreditart (z.B. Wohnungsbaukredit, Konsumentenkredit/Ratenkredit, Überziehungskredit) nach dem ortsüblichen Niveau am Abgabeort.

Dabei können auch Angebote z.B. von Direktbanken aus dem Internet berücksichtigt werden.

Aus Vereinfachungsgründen können Sie den Maßstabszinssatz aus den von der Deutschen Bundesbank zuletzt veröffentlichten Effektivzinssätzen heranziehen.

Sie erhalten diese auf den Seiten der Bundesbank unter der Rubrik "EWU-Zinsstatistik [Bestände, Neugeschäft]".

Wichtig ist – und auch vom Arbeitgeber nachzuweisen –, dass z.B. Kreditsumme, Laufzeit, Zinsbindung im Wesentlichen vergleichbar mit einem Standarddarlehen sein müssen!

Besonderer Clou: Der Erlass führt die abgeschaffte Freigrenze von 2.600,- € rückwirkend zum 1.1.2008 wieder ein.

Das heißt, bei allen Darlehen, deren Restvaluta unter 2.600,- € liegt, ist ein Zinsvorteil generell nicht als Sachbezug zu versteuern. Oder anders: Sie können Ihrem Mitarbeiter lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei ein unverzinsliches Darlehen bis zu 2.600,- € gewähren.

Übersteigt der Darlehensbetrag die 2.600,- € Freigrenze, so müssen Sie in allen Fällen, also auch bei Altdarlehen, den Sachbezug ab 1.1.2008 nach diesen Regelungen berechnen.

 

Tipp:

Wie überall im Lohnsteuerrecht ist auch hier für die Versteuerung der Zuflusszeitpunkt maßgebend.

Dieser bestimmt sich regelmäßig nach den vertraglichen Modalitäten für die Fälligkeit der Tilgungsraten des Darlehens.

Hier sollten Sie möglichst monatliche Raten vereinbaren, um eventuell bei kleineren Darlehen (z.B. 20.000,- € zu 3,36% anstatt zu marktüblichen 6%) die 44,- €/mtl. Grenze maximal auszuschöpfen.

Sonderregelung:

Für Banken, Versicherungen und andere Arbeitgeber, deren Geschäftstätigkeit u.a. in der Vergabe von Krediten liegt, gelten andere Regelungen.

Diese Arbeitgeber müssen einen Zinsvorteil erst dann als Arbeitslohn versteuern, wenn der Rabattfreibetrag für den Mitarbeiter von 1.080,- € p.a. überschritten wird. Ferner gilt dort als marktüblicher Zins der institutseigene Zinssatz abzüglich 4%.

Der Zinsvorteil des Mitarbeiters bis 1.000,- € p.a. kann der Arbeitgeber pauschal versteuern. Der Arbeitnehmer wird dann überhaupt nicht belastet. Erst die über 1.000,- € hinausgehenden Zinsvorteile müssen dann vom Mitarbeiter individuell versteuert werden.

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