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17.08.09Kommentieren

Steuertipps

Investitionsabzugsbetrag nutzen und Liquidität gewinnen

Gute zwei Jahre hat es gedauert, bis die Finanzverwaltung per BMF-Schreiben zum neuen Investitionsabzugsbetrag Stellung genommen hat. Als Unternehmen können Sie durch die Möglichkeiten, die die Vorschrift nun bietet, Liquidität gewinnen.

Sorgen Sie für eine höhere Liquidität mit den neuen Regeln zum Investitionsabzug.Sorgen Sie für eine höhere Liquidität mit den neuen Regeln zum Investitionsabzug.

Das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 08.05.2009 – IV C 6 S 2139 soll Zweifelsfragen zur Anwendung des Investitionsabzugsbetrags klären.

Das bringt Ihnen die neue Regelung in puncto Steuern

Die Neuregelung zum sog. § 7g Einkommensteuergesetz (EStG) hat im Bereich der Sonder- und Ansparabschreibung wesentliche Änderungen gebracht, die mit der Unternehmenssteuerreform 2008 eingeführt wurden.

Danach können Sie nun für die künftige Anschaffung und Herstellung von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens bis zu 40% der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten gewinnmindernd abziehen (Investitionsabzugsbetrag).

Zeitschranke

Nutzen Sie die Möglichkeit und bilden einen Investitionsabzugsbetrag (max. 40% der voraussichtlichen Anschaffung- und Herstellungskosten eines Anlageguts), müssen Sie die geplante Investition innerhalb von drei Jahren durchführen, ansonsten müssen Sie den gebildeten Investitionsabzugsbetrag wieder rückgängig machen.

Experten-Tipp

Anders als früher erfolgt die Rückgängigmachung des Investitionsabzugsbetrags (früher: Ansparrücklage) aber nicht im Jahr der Auflösung dieses Abzugsbetrages, sondern rückwirkend im Jahr der Bildung des Investitionsabzugsbetrags.

Somit sind Gewinnverschiebungen ohne tatsächliche Investition nicht mehr möglich. 

Beispiel:

Als Unternehmer planen Sie, im Jahr 2010 eine neue CNC-Maschine anzuschaffen. Die voraussichtlichen Anschaffungskosten belaufen sich auf 200.000 EUR. In der Bilanz 2008 können Sie max. 40% dieser Anschaffungskosten bereits gewinnmindernd einbuchen (40% von 200.000 EUR = 80.000 EUR = Investitionsabzugsbetrag).

Nutzen Sie den vollen Investitionsabzugsbetrag im Jahr 2008, um Steuern zu sparen und investieren Sie entgegen Ihrer Planung im Jahr 2010 nicht (was selbstverständlich legal ist), müssen Sie den Betrag im Jahr 2010 auflösen. Allerdings wird die Auflösung dann nicht im Steuerbescheid 2010 vorgenommen, sondern der Steuerbescheid 2008 wird nachträglich wieder geändert. Die sog. Steuerprogression 2008 (damit ist der Steuersatz für das Jahr 2008 gemeint) kann daher nicht umgangen werden.

Nach altem Recht wäre die Auflösung im Steuerbescheid 2010 erfolgt. Wäre der Steuersatz 2010 niedriger gewesen als 2008, hätte man damit einen Steuervorteil erzielt, der heute nicht mehr zu realisieren ist.

Liquiditätsgewinn

Trotzdem bedeutet die Verschiebung der Steuerzahlung ins Jahr 2010 im o.g. Beispiel einen Liquiditätsgewinn, denn das Geld aus der Steuerzahlung steht im Beispiel zwei Jahre länger zur Verfügung.

Experten-Tipp

Für Sie als Unternehmer bedeutet das: Gerade in der heutigen liquiditätsknappen Zeit können Sie das Instrument des Investitionsabzugsbetrages einsetzen, um einen Liquiditätsgewinn für maximal drei Jahre zu erreichen. 

Voraussetzung für die Nutzung des Investitionsabzugsbetrages ist,

  1. dass Ihr Betrieb am Schluss des Wirtschaftsjahres, in dem der Abzug vorgenommen wird, die folgenden Größenmerkmale nicht überschreitet:
    1. bei Gewerbebetrieben oder der selbständigen Arbeit dienenden Betrieben, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 1 oder § 5 ermitteln, ein Betriebsvermögen von 2008: 235.000 Euro, 2009/2010: 335.000 EUR;
    2. bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft einen Wirtschaftswert oder einen Ersatzwirtschaftswert von 2008: 125.000, 2009/2010: 175.000 Euro oder
    3. bei Betrieben im Sinne der Buchstaben a und b, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 ermitteln, ohne Berücksichtigung des Investitionsabzugsbetrages einen Gewinn von 2008: 100.000 Euro, 2009/2010: 200.000;
  2. dass Sie beabsichtigen, das begünstigte Wirtschaftsgut voraussichtlich
    1. in den dem Wirtschaftsjahr des Abzugs folgenden drei Wirtschaftsjahren anzuschaffen oder herzustellen;
    2. mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich zu nutzen und
  1. dass Sie als Unternehmer das begünstigte Wirtschaftsgut in den beim Finanzamt einzureichenden Unterlagen seiner Funktion nach benennen und die Höhe der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten angeben.

Wichtiger Hinweis

Maximal darf in einem Betrieb ein Investitionsabzugsbetrag von 200.000 EUR gebildet werden.

Dipl.-Betriebswirt Joachim Welper, LL.M.
Joachim Welper ist Steuerberater bei HRW Steuerberater.  

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