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28.09.11

Steuerparadies

Holding-Standort Luxemburg

Luxemburg: Von seinen 476.000 Einwohnern sind fast die Hälfte Ausländer. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit 71.600 € (2006) eines der höchsten. Für das Jahr 2008 wird ein Wachstum von 4,0% prognostiziert. Die Inflationsrate lag im Februar 2008 bei 3,1%. Die Arbeitslosenquote betrug im Februar 2008 4,2%.

Luxemburg ist (Finanz-)Holding-StandortLuxemburg ist (Finanz-)Holding-Standort

Schweigen ist Pflicht

Das Bankgeheimnis ist zwischenzeitlich im Zivil- und Strafrecht ausdrücklich abgesichert. Banken und Mitarbeiter haben die Pflicht zur Aussageverweigerung auch gegenüber Behörden (einschließlich den Finanzämtern) – nur im Strafprozess kann etwas anderes gelten.

Vor einiger Zeit wurde ein Gesetz gegen Steuerbetrug in Kraft gesetzt. Der „Normalhinterzieher“ ist von der Regelung allerdings nicht betroffen. Das Gesetz hat nur gravierende Hinterziehungsfälle im Visier. Dem Täter muss in seinem Heimatland auf jeden Fall eine Gefängnisstrafe drohen, um von Steuerbetrug i. S. der Luxemburger Gesetze ausgehen zu können. Die Nichtangabe von Einkünften in der privaten Steuererklärung ist „nur“ eine Ordnungswidrigkeit.

 

Steuersystem

Das luxemburgische Steuerrecht ähnelt dem deutschen System. Auch im luxemburgischen Recht gibt es die Gewerbesteuer ebenso wie ein mit der deutschen Abgabenordnung vergleichbares Gesetz. Mit einem Steuersatz von max. 38% für Privatpersonen liegt Luxemburg niedriger als die meisten angrenzenden Länder.

Zinsen und Dividenden werden mit einer Quellensteuer zwischen 10% und 20% belegt.

Körperschaftsteuerpflichtig sind insbesondere Kapitalgesellschaften in Form einer AG, GmbH oder KGaA. Der allgemeine Steuersatz auf die Gewinne von Kapitalgesellschaften liegt bei ca. 30,38% und setzt sich aus der Körperschaftsteuer im eigentlichen Sinn, der Gewerbesteuer und dem Beitrag zum Beschäftigungsfonds zusammen.

Von der Körperschaftsteuer befreit (und da wird es interessant) sind unter anderem Holdinggesellschaften.

Hauptvorteile des luxemburgischen Steuersystems

Die steuerliche Belastung von Unternehmen reduziert sich im Allgemeinen durch folgende Mechanismen:

  • Schachtelprivileg für Mutter- und Tochtergesellschaften, das zu einer vollständigen
  • Steuerbefreiung für Dividenden und/oder Buchgewinne führen kann Steuerbefreiungen 
  • Verlustvorträge 
  • Besteuerung von Firmenkonzernen nach dem System der steuerlichen Integration
  • diverse Formen der Steuerermäßigungen

System der steuerlichen Integration

Das System der steuerlichen Integration ermöglicht es einem Unternehmenskonzern, sich unter bestimmten Bedingungen für eine konsolidierte Besteuerung zu entscheiden. Dabei können die steuerlichen Ergebnisse der einzelnen Unternehmen miteinander verrechnet werden. In der Praxis findet dabei ein Ausgleich zwischen den Verlusten der einen mit den Gewinnen der anderen in Luxemburg ansässigen Unternehmung statt. Das Integrationssystem ist für uneingeschränkt steuerpflichtige, in Luxemburg ansässige Kapitalgesellschaften zulässig, bei denen sich mindestens 95% des Kapitals im direkten oder indirekten Besitz einer anderen uneingeschränkt steuerpflichtigen, in Luxemburg ansässigen Kapitalgesellschaft oder im Besitz einer ständigen luxemburgischen Niederlassung einer nicht in Luxemburg ansässigen Kapitalgesellschaft befindet, die uneingeschränkt einer der Körperschaftsteuer vergleichbaren Steuer unterliegt. 

Wichtigste Steuerermäßigungen

Folgende Steuerermäßigungen können von Unternehmen genutzt werden:

  • Steuerermäßigung für Investitionen
  • Steuerermäßigungen für Investitionen im audiovisuellen Bereich 
  • Steuerermäßigungen für Investitionen in Risikokapital Einkommensteuerermäßigungen bei Einstellung von Arbeitslosen 
  • Steuerermäßigung für Investitionen in berufliche Weiterbildung

Gewerbesteuer

In Luxemburg niedergelassene Handels-, Industrie-, Bergbau- oder Handwerksunternehmen sowie ständige Niederlassungen ausländischer Unternehmen unterliegen der Gewerbesteuer, die auch in Luxemburg keine abzugsfähige Betriebsausgabe darstellt.

Vermögensteuer

Die Vermögensteuer für Privatpersonen wurde zum 01.01.2006 abgeschafft. Kapitalgesellschaften mit Sitz in Luxemburg haben alle 3 Jahre eine Vermögensteuererklärung abzugeben. Die Vermögensteuer beträgt 0,5% des zu versteuernden Vermögens.

Experten-Tipp

Luxemburg hält insbesondere für Holdinggesellschaften Steuerprivilegien bereit, wenngleich die EU-Kommission hier einige (verschlechternde) Neuerungen durchsetzen konnte.

Joachim Welper
Steuerberater

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