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23.06.14Kommentieren

Einkommensteuererklärung

Außergewöhnliche Belastungen geltend machen

Bestimmte Aufwendungen wie Krankheitskosten, Scheidungs- oder Pflegekosten können Sie im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung (agB) geltend machen. Aktuell wirken sich diese Kosten nur ab einer bestimmten Höhe aus – vielleicht aber schon bald ab dem ersten Euro.

Bisher gilt Folgendes:

Für Ihre außergewöhnlichen Belastungen gibt es eine sogenannte „zumutbare Eigenbelastung“. Die richtet sich nach der Höhe Ihres Einkommens, Ihrem Familienstand und der Anzahl der zu berücksichtigenden Kinder. Erst wenn Ihre Kosten die zumutbare Eigenbelastung erreichen, wirkt sich der übersteigende Betrag steuermindernd aus.

Bestimmte Aufwendungen wie Krankheitskosten, Scheidungs- oder Pflegekosten können Sie im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung (AGB) geltend machen. Aktuell wirken sich diese Kosten nur ab einer bestimmten Höhe aus – vielleicht aber schon bald ab dem ersten Euro.


Regelung der zumutbaren Eigenbelastung umstritten


Mit der umstrittenen zumutbaren Eigenbelastung – insbesondere bei Krankheits- und Pflegekosten – könnte bald Schluss sein. Ein entsprechendes Verfahren ist derzeit beim Bundesfinanzhof anhängig (Az.: VI R 33/13). Ganz aussichtslos erscheint das Verfahren nicht, schließlich ergehen die Einkommensteuerbescheide hinsichtlich der außergewöhnlichen Belastungen inzwischen vorläufig.


So profitieren Sie


Kippt der Bundesfinanzhof die Zulässigkeit der zumutbaren Eigenbelastung, winken Ihnen zusätzliche Steuervorteile. Voraussetzung dafür ist, dass Sie sämtliche Ihnen entstandenen Kosten in Ihrer Steuererklärung angeben. Aufgrund der unsicheren Rechtssituation sollten Sie alle außergewöhnlichen Belastungen in Ihren Steuerunterlagen auflisten, völlig unabhängig von der Höhe. So sichern Sie sich Ihre Vorteile, wenn die zumutbare Eigenbelastung gekippt wird.

 

Experten-Tipp zum nächsten Einkommensteuerbescheid

Prüfen Sie Ihren nächsten Einkommensteuerbescheid: Schauen Sie nach, ob der Bescheid nach § 165 Absatz 1 AO vorläufig hinsichtlich des Abzugs einer zumutbaren Belastung ist. Sie finden den Vorläufigkeitsvermerk im „Kleingedruckten“ Ihres Steuerbescheids unter dem Punkt „Erläuterungen“. Ist dies der Fall und haben Sie Ihre Belastungen angegeben, sind Sie auf der sicheren Seite.
Fehlt der Vorläufigkeitsvermerk, sollten Sie Einspruch einlegen und die Vorläufigkeit für Ihre Krankheits- und Pflegekosten einfordern. Beantragen Sie zugleich das Ruhen des Verfahrens, bis der BFH abschließend über die Recht-mäßigkeit der zumutbaren Eigenbelastung entschieden hat.

Außergewöhnliche Belastungen – das zählt dazu:


Im § 33 EStG sind die außergewöhnlichen Belastungen gesetzlich geregelt. Dort heißt es: „Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands, wird auf Antrag die Einkommensteuer…ermäßigt.“

Typische außergewöhnliche Belastungen sind: 

Krankheitskosten:

Hierzu zählen alle selbst zu tragenden Aufwendungen bei ärztlich verordneten Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln. Ferner sämtliche nicht von einer Krankenversicherung getragenen Arzt- und Klinikkosten. Bei besonderen Ausgaben – etwa Kur oder psychologische Behandlungen – kann der Fiskus ein ärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes verlangen, die vor Beginn der Behandlung ausgestellt sein müssen.

Scheidung:

Die unmittelbaren und unvermeidlichen Kosten eines Scheidungsprozesses einschließlich der Regelungen über den Versorgungsausgleich (Anwalts- und Gerichtskosten).

Bestattungskosten:

Soweit diese mangels Vermögen nicht aus dem Nachlass des Verstorbenen bestritten werden können.

Wiederbeschaffung von Hausrat:

Aufwendungen für Möbel, Einrichtungsgegenstände und Kleidung nach unvorhersehbaren Ereignissen und Katastrophen. Dazu zählen Brand, Blitzeinschlag oder Hochwasser. Etwaige Versicherungserstattungen werden angerechnet.

Weitere:


Geh- und stehbehinderte Menschen können unter bestimmten Voraussetzungen Fahrtkosten geltend machen. Aufwendungen, die zur Beseitigung von Gesundheitsgefährdungen entstehen (z. B. für Asbestsanierung), gelten ebenfalls als außergewöhnlich.

Praxistipp

 


Unsere vorstehende Aufzählung ist nicht abschließend. Sprechen Sie Ihren Steuerberater an, wenn Ihnen in bestimmten Situationen besonders hohe Kosten entstanden sind. Scheuen Sie sich nicht, nach der Absetzbarkeit als außergewöhnliche Belastung zu fragen.

 

 

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