<< Themensammlung Recht

25.08.06Kommentieren

Dienstleistung Mediation

Dienstleistung Mediation – Konfliktlösung der anderen Art

Menschen haben Auseinandersetzungen, Streit und Konflikte in allen Lebenslagen: Der Nachbar schneidet seine Hecke nicht so, wie er „soll“ oder parkt einem mit seinem Auto „rücksichtslos“ immer wieder die Einfahrt zu – der Ehepartner ruft nach „Trennung“ oder „Scheidung“, „Unterhalt“ und alleinigem „Sorgerecht für das Kind“.

Von Wibke Milena Deutschmann

Erben streiten sich über die Verteilung der Erbmasse oder „ungerechte Verfügungen“ des Erblassers – Schüler „stören permanent“ den Unterricht, Lehrer erteilen „überflüssige“ Verweise – die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Kollegen oder Teammitgliedern „funktioniert“ nicht, die Geschäftsleitung spricht „nicht nachvollziehbare Kündigungen“ aus oder verfügt „Ungerechtigkeiten über die Köpfe der Arbeitnehmerschaft hinweg“, Geschäftspartner „legen sich quer“ und „behindern“ oder „blockieren“ den Erfolg des Betriebs – der Kunde verlangt Leistungen, die „so nicht vereinbart“ sind, der Vertragspartner kommt seinen Verpflichtungen „nicht ordnungsgemäß“ nach – Behörden „vernachlässigen“ bei ihren Entscheidungen die Interessen Betroffener – und so weiter und so fort.

Mediation bietet einen soliden Weg aus all diesen Konflikten, bei dem im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren der Streitbeilegung alle Seiten gewinnen: Unter methodischer Anleitung eines neutralen Dritten – des Mediators – entwickeln die Betroffenen in eigener Verantwortung eine Lösung, die all ihren Interessen und Wünschen gerecht wird, statt sich weiter hinter zwar vehement vertretenen, dennoch aber eben bloßen Forderungen zu verstecken. Der Konflikt wird mit dem Ziel einer gesunden, zukunftsfähigen Lösung selbst in die Hand genommen und nachhaltig bereinigt.

Erfahrungsgemäß gehen die im Wege der Mediation erzielten Ergebnisse dabei weit über einfache Kompromisslösungen oder in zähem Hin und Her ausgehandelte Vergleiche hinaus. Beziehungen, seien sie privater oder geschäftlicher Natur, werden geschont und im Interesse aller Beteiligten neu gestaltet.

Hinzu kommen weitere Vorteile: Im Gegensatz zu gerichtlichen Prozessen unterliegen die Inhalte der Mediationsverhandlungen strenger Vertraulichkeit, so dass gerade „sensible“ Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Die abschließenden, verbindlichen Vereinbarungen werden innerhalb weniger Stunden bzw. Sitzungen erzielt und können ebenso wie ein Gerichtsurteil vollstreckbar ausgefertigt werden. Und: Das Verfahren ist insbesondere bei höheren Streitwerten weit günstiger als ein gerichtlicher Prozess.

In Anbetracht der Vielzahl von alltäglichen Auseinandersetzungen und der wirkungsvollen Möglichkeit zu deren Auflösung durch Mediation birgt diese Dienstleistung grundsätzlich ein immenses Marktpotenzial. Auf den ersten Blick könnte man daher annehmen, dass bei einer vage geschätzten Anzahl von bis zu 10.000 Mediatoren in Deutschland jeder einzelne dieser Mediatoren mehr als genug Geschäftsmöglichkeiten haben sollte.

Häufig gehörte Klagen zeugen jedoch von ganz anderen Ergebnissen: Etliche Mediatoren geben an, seit Abschluss ihrer Ausbildung noch nicht einen einzigen „Fall“ bearbeitet zu haben. Auf der anderen Seite aber gibt es sehr wohl Mediatoren in Deutschland, die ihr Geschäft mittlerweile zum Erfolg geführt haben und ihre berufliche Existenz nahezu ausschließlich auf ihre Mediatorentätigkeit stützen.

Worin liegen die Gründe für den Erfolg einiger weniger und den „Misserfolg“ vieler anderer? ---NEUE-SEITE---Werden Sie aktiv und entwickeln Sie eine wirkungsvolle Marketingstrategie

Hauptursache für die fehlende Nachfrage nach Mediation ist nach wie vor die Unbekanntheit des Verfahrens – ein Gutteil der Bürgerinnen und Bürger weiß nicht einmal, dass es so etwas wie „Mediation“ zur Lösung von Konflikten gibt. Andere haben zwar schon von „Mediation“ gehört, zögern aber aufgrund diverser Bedenken, das Verfahren im Konfliktfall tatsächlich in Anspruch zu nehmen.

Kann, darf oder soll man sich nun trotz dieser Erkenntnisse darauf verlassen, dass sich das Verlangen nach Mediation in der Gesellschaft aufgrund günstiger Umstände oder Zufälle von allein entwickeln wird? Nein, natürlich nicht. Wer sich erfolgreich als Mediator etablieren will, muss sich selbst aktiv im Rahmen seiner Mittel und Möglichkeiten für die weitere Verbreitung der Mediation in seinem Umfeld einsetzen. Erforderlich ist ein treffendes Marketing, durch das Menschen, die man als Kunden zu gewinnen hofft, erreicht und von den Vorzügen und Vorteilen der Mediation überzeugt werden.

Bleiben Sie am Ball – schaffen Sie Vertrauen

Ein Mediator sollte sich keinesfalls entmutigen lassen, wenn Kunden nicht schon bei Aufnahme seiner Tätigkeit das Büro stürmen. Mediation ist nun einmal nach wie vor eher unbekannt oder nur vage bekannt. Gerade in derart sensiblen Angelegenheiten wie dem Ausfechten von Streitigkeiten greifen Menschen aber nicht ohne weiteres auf ein Konfliktlösungsverfahren zu, das Ihnen nicht vertraut ist oder aus etwaigen Gründen unsicher erscheint.

In ihrer belastenden, schwierigen Situation suchen sie vielmehr nach bewährten Methoden, auf die sie meinen, sich verlassen zu können. Es wird daher einige Zeit in Anspruch nehmen, bis ein Mediator eben dieses Vertrauen seiner Ansprechpartner in sich als Person und das Verfahren der Mediation
gewonnen haben wird. Insofern bedarf es eines ausgeprägten Willens,
auch über Durststrecken hinweg am Ball zu bleiben. Denn nur die immer wiederkehrende Berührung mit dem Begriff „Mediation“, ihren Vorteilen und Möglichkeiten wird die Bevölkerung irgendwann dazu führen, das Verfahren als etwasSelbstverständliches zu akzeptieren und es bei Bedarf in Anspruch zu
nehmen.

Synergien entdecken und nutzen

Wichtig ist für Mediatoren auch, sich so gut es geht frei zu machen von Konkurrenzbedenken und die positiven Wirkungen der Kooperation zu erkennen, denn: Gemeinsamkeit stärkt. Zu denken ist in erster Linie natürlich an das Zusammenwirken mit anderen Mediatoren. Auf diese Weise kann der gemeinsamen Sache Mediation weit mehr Gewicht verliehen werden, als wenn im Alleingang versucht wird, Mediation zu etablieren. Vorteile liegen beispielsweise darin, Kosten für Werbemaßnahmen oder Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit auf mehrere Partner verteilen zu können. Vor allem sorgt ein „geballtes“ Auftreten von Mediatoren aber auch aus sich heraus aufgrund seiner „Vehemenz“ für mehr Beachtung in der Bevölkerung.

Zudem sollten weitere Kooperationsmöglichkeiten ins Auge gefasst werden: Versuchen kann ein Mediator zum Beispiel, den einen oder anderen aufgeschlossenen Rechtsanwalt von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Schließlich arbeitet auch dieser Personenkreis auf dem „Streitsektor“, so dass eine gemeinsame Kundenbetreuung durch verschiedene Dienstleistungsangebote durchaus Vorteile für alle Beteiligten mit sich bringen kann – vom Kunden angefangen bis hin zu den Kooperationspartnern selbst. 

Autor: Wibke Milena Deutschmann

Mediatorin, Volljuristin, Bankkauffrau und Fachbuchautorin
Website des Autors
Wibke Milena Deutschmann

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer