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Workfare

Was ist Workfare?

Der Workfare-Ansatz strebt eine Umgestaltung der Rahmenbedingungen des sozialen Sicherungssystems an. Das Modell basiert nicht auf einer Absenkung des sozialen Mindesteinkommens, sondern auf einer Änderung des Zeitbudgets der Erwerbslosen.

Beim Workfare-Modell wird das soziale Mindesteinkommen nur als Gegenleistung für Beschäftigung gewährt (falls der Betroffene auch erwerbsfähig ist). Jedem Erwerbsfähigen wird dazu eine sozial nützliche Beschäftigung angeboten, für die er als Gegenleistung einen Lohn erhält. Dieser Lohn steht in direkter Konkurrenz zum Marktlohn, den der Empfänger von Sozialtransfers bei der Aufnahme einer regulären Beschäftigung erzielen könnte. Dies hat eine drastische Verringerung der Anspruchslöhne von Sozialhilfeempfängern zur Folge. Ist der Stundenlohn am regulären Arbeitsmarkt höher, als der Lohnsatz der Sozialtransfers, werden Geringverdiener, sobald sich eine reguläre Beschäftigungsmöglichkeit bietet, auf die Transfers verzichten. 


In der Anfangsphase ist zunächst die Bereitstellung einer sehr großen Zahl dieser sozial nützlichen Stellen notwendig da der Arbeitsmarkt Zeit benötigt, um auf das Arbeitsangebot im Niedriglohnsektor mit der Schaffung entsprechenden Arbeitsplätzen zu reagieren.

Funktioniert das Modell jedoch in der Praxis, müsste nur für diejenigen dauerhaft eine sozial nützliche Arbeitsstelle bereitgestellt werden, die die Lohnschwelle des Sozialtransferlohnsatzes am regulären Arbeitsmarkt aufgrund zu geringer Produktivität nicht überschreiten können. In solchen Fällen ist es dann möglicherweise sinnvoll, auf geeignete Qualifizierungsmaßnahmen zurückzugreifen.

Das Workfare-Modell erreicht nur erwerbstätige Leistungsbezieher. Welche Erfolge das Workfare-Konzept erzielen kann, hängt daher zu einem großen Teil davon ab, wie viele der heute erwerbslosen Empfänger von Transferleistungen tatsächlich erwerbsfähig sind. Die Schwierigkeit des Modells liegt daher zu einem Teil darin, die Zumutbarkeit von Beschäftigung abzugrenzen. Die Beschäftigungseffekte des Modells lassen sich daher auch durch eine Verschiebung der Zumutbarkeitsgrenzen verbessern. 

In mehreren Ländern, wie zum Beispiel England oder die USA, wurden bereits verschiedene Workfare-Elemente in das soziale Sicherungssystem übernommen. Auch in Deutschland wurden mit den Ein-Euro-Jobs bereits Workfare-Elemente integriert. 

b. Argumente für und gegen Workfare

Argumente für Workfare
Befürworter des Modells argumentieren, dass die Pflicht zu sozial nützlicher Arbeit den Missbrauch von Sozialleistungen verringert. Die Einführung von Workfare könnte zwar die Schwarzarbeit nicht beseitigen, würde aber verhindern, dass das Sozialsystem ungerechtfertigt in Anspruch genommen wird, da die erwerbsfähigen Empfänger die Transfers nur für gebrachte Leistungen erhalten. 

Der Zwang zu sozial nützlicher Arbeit als Gegenleistung für soziale Existenzsicherung würde außerdem ein sehr großes Beschäftigungspotential für den regulären Arbeitsmarkt erschließen. Bei Einführung des Workfare-Modells wäre für die meisten erwerbsfähigen Transferempfänger die Aufnahme einer regulären Beschäftigung lohnend, weil sie bei gleicher Arbeitszeit ein höheres Nettoeinkommen erzielen könnten. 

Befürworter des Modells erwarten sich von der Einführung von Workfare langfristig erhebliche Einsparungen bei den Ausgaben der sozialen Sicherungssysteme. Es wird eine klar definierte Zielgruppe erreicht. Ein weiterer Vorteil des Modells: Mitnahmeeffekte von Seiten der Erwerbslosen könnten vermieden werden, da die Sozialtransfers nur bei erbrachter Leistung ausgezahlt werden würden.

Argumente gegen Workfare
Kritiker des Workfare-Ansatzes führen an, dass es nicht möglich ist, eine so große Zahl sozial nützlicher Stellen bereitzustellen, wie sie für die Einführung des Modells nötig wäre. Außerdem gibt es bereits bei der Definition erste Schwierigkeiten: Welche Stellen sind sozial nützlich und wer darf sie bereitstellen – nur der Staat oder auch private Unternehmen? 

Daraus ergibt sich auch ein weiterer Kritikpunkt. Denn die Bereitstellung dieser sozial nützlichen Stellen könnte zu einer Verdrängung der regulären Arbeitsplätze führen bzw. neue reguläre Arbeitsplätze würden im Niedriglohnsektor gar nicht erst entstehen. 

Kritik an dem Modell kommt auch von Seiten der Gewerkschaften. Sie bemängeln, dass mit der Einführung von Workfare ein Niedriglohnsektor entsteht, was wiederum die Verhandlungsbasis der Gewerkschaften schwächt. Workfare widerspricht daher den Interessen der Gewerkschaften und wird von diesen abgelehnt.

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