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17.07.08Kommentieren

Benutzerfreundlichkeit 2.0 - Teil II

Usability: Kriterien für "Joy of Use"

Die Ursprünge des Usability-Ansatzes liegen in den Erkenntnissen und Normen der Software-Ergonomie, deren Regeln auf Internet-Anwendungen übertragen werden.

Ein Beitrag von Klaus Cloppenburg

Dabei wird die Gebrauchstauglichkeit von Software-Produkten anhand der drei Leitsätze von Effizienz, Effektivität und Nutzerzufriedenheit definiert:

  • Effektivität: Sind Nutzer in der Lage, ihr(e) Handlungsziele zu erreichen?
  • Effizienz: Ist der Aufwand zum Erreichen des Handlungsziels angemessen?
  • Nutzerzufriedenheit: Werden die subjektiven Erwartungen von Nutzern erfüllt?

Im beschriebenen Sinne von "Joy of Use" (siehe Teil I des Beitrages), der sich nicht nur an der ergonomisch-funktionalen Accessibility/Usability sondern am positiven ästhetisch-emotionalen Erlebnis im Umgang mit der Website orientiert, werden folgende Kriterien abgeleitet, die als Grundsätze bei der inhaltlichen und visuellen Gestaltung beziehungsweise Umsetzung von Websites dienen können:

  • Optimale Erreichbarkeit ohne Barrieren
  • Individuelle Ansprache (zum Beispiel zielgruppenspezifische Zugänge, bedarfsorientierte Informationsarchitektur, authentische visuelle und inhaltliche Tonalität, Möglichkeit zur Individualisierung/ Personalisierung von Funktionen)
  • Funktionaler Bedienkomfort (konsistente Navigation, angemessene Orientierungshilfen und Rückmeldungen, eindeutiges Navigationswording, angemessene Fehlertoleranz bei Eingaben, intuitives und effektives Handling von Funktionen)
  • Inhaltlicher Mehrwert/ Content Usability (adäquate Informationsbreite und -tiefe, klar strukturierte und lesbare Texte, kontextrelevante Crosslinks)
  • Emotionaler Mehrwert (multimediale Inszenierung der Marke beziehungsweise von Themen- und Produktwelten, attraktive visuelle Ästhetik, "Flow"-Erfahrung)

Usability Testing – Methoden und Ergebnisse

Grundlage für die Optimierung von Websites im Entwicklungs- und Gestaltungsprozess sind sogenannte Usability-Tests. Dabei steht neben der Erfassung der ergonomischen Qualität und der Identifikation von Usability-Problemen die Bewertung subjektiver Faktoren wie Akzeptanz und "Joy of Use" bei der Nutzung im Mittelpunkt des Testings.

Exemplarisch sei an dieser Stelle ein mögliches Test-Szenario beschrieben:

  • Expertenevaluation der neu entstandenen Designentwürfe, um erste Usability-Probleme zu und entsprechend zu optimieren
  • Usability-Test:
    - Abstimmung und Entwicklung repräsentativer Nutzungsaufgaben (UseCases)
    - Test mit repräsentativen Nutzern der Zielgruppe (je nach Komplexität der Site und der Zielgruppe sowie Anforderungen des Auftraggebers an die empirische Basis der Testergebnisse mit ca. 8 - 20 Testpersonen)

Abhängig vom jeweiligen primären Erkenntnisinteresse bieten sich dabei verschiedene qualitative Testmethoden an:

  • Eye Tracking bietet die Möglichkeit, die Blickbewegungen der Testpersonen während der Interaktion aufzuzeichnen und zu analysieren. Dabei werden Erkenntnisse über die Aufmerksamkeitsverteilung der Benutzer als auch der visuellen Logik des Bildschirmdesigns gewonnen. 
  • Think aloud: Die Testpersonen führen die Nutzungsaufgaben selbstständig durch und kommentieren ihre Aktionen am Bildschirm durch "lautes Denken". Der gesamte Testvorgang wird gegebenenfalls per Video oder mithilfe sogenannter Mousetracking-Software aufgezeichnet. Im anschließenden Interview werden weitere Fragen zu den Nutzungserfahrungen im Umgang mit den Testaufgaben erörtert.

Das Evaluationsergebnis wird zu einem Evaluationsreport zusammengefasst, der zu jedem beschriebenen Problemfeld eine konkrete Optimierungsempfehlung enthält. Die gefundenen Usability-Probleme werden nach Relevanz gewichtet (zum Beispiel "Usability-Katastrophe", "sollte verbessert werden", "kleines Problem") und mit entsprechenden Verbesserungsvorschlägen versehen.

Wer solche Analysen für die eigene Firmen-Website durchführen lassen möchte, kann sich an eine darauf spezialisierte Agentur wenden. Oft bieten Unternehmen, die sich mit der Erstellung und Entwicklung von Websites beschäftigen, auch Tests zur Website-Usability an. Neben einer detaillierten Auswertung zählen entsprechende Optimierungvorschläge zum Dienstleistungsangebot.

Autor: Klaus Cloppenburg

Geschäftsführender Gesellschafter
Website des Autors
Klaus Cloppenburg

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