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18.08.15Kommentieren

Open Innovation

Wie Unternehmen heute Open Innovation erfolgreich umsetzen

Das Verfahren der Open Innovation nimmt seit mehr als 10 Jahren einen steigenden Einfluss auf die Entwicklung der Unternehmen, gerade von Startups, und ihrer Produkte. Doch in welchem Ausmaß finden Open-Innovation-Ansätze in der aktuellen Realität tatsächlich Eingang in die Geschäftsmodelle und welche Erfolge können sie vorweisen? 

Zum Begriff der Open Innovation

Der von Henry Chesbrough in seinem im Jahre 2003 publizierten Werk "Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology" geprägte Terminus bezeichnet die Innovation neuer Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle durch die gezielte Einbeziehung von Kunden oder anderer Externer. Der dagegen stehende Begriff der "Closed Innovation" oder "Internen Innovation" bezeichnet die Exklusivität der Innovation im Unternehmen, erarbeitet durch die Fachleute des Hauses. Die Erweiterung der "Internen offenen Innovation" wiederum zielt auf eine Innovationskultur im Inneren von Unternehmen, also seitens der Mitarbeiter. Für die Unternehmen ist (externe) Open Innovation - grob gesagt - deshalb von so großer Bedeutung, weil sie über die Ideen ihrer Kunden einen wichtigen Einblick in die Wünsche ihrer Kunden und damit einen Blick auf den Markt erhalten. Henry Chesbrough wirkt heute als führender Wissenschaftler im Bereich der Open Innvoation am Garwood Center for Corporate Innovation an der University of California, Berkeley, das unter anderen Studien zum Thema herausgibt. Als Lehrbuch für den deutschsprachigen Raum fungiert die 2006/9 von Reichwald, R./Piller, F./Ihl, C. herausgegebene Publikation "Interaktive Wertschöpfung: Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung".

Innovation ist heute die Basis des unternehmerischen Erfolgs

Innovatives Business wächst schneller, generiert mehr Umsatz und ist nachhaltig erfolgreicher. Zu diesem Ergebnis kam eine internationale Innovationsstudie, zu der die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im Jahr 2013 1.757 Führungskräfte in 25 Ländern befragt hatte, darunter aus 213 deutschen Firmen. Das Fazit der Studie warnt unter anderem davor, dass die Innovationsführerschaft der deutschen Wirtschaft durch eine fehlende Innovationsbereitschaft gefährdet sei. Man setze im Übrigen zu stark auf die Bereiche Produkt und Technologie. Solche Aussagen können als Hintergrundfolie für den Siegeszug des Open-Innovation-Ansatzes gelesen werden, jedenfalls soweit von einem solchem die Rede ist.

Die Vorgehensweise

Open Innovation konzentriert sich nicht auf ein mutmaßlich absteckbares Wissen wie die Closed Innovation, sondern auf den Entstehungsprozess von Innovationen. Dieses offen entstehende Wissen wird als Open Knowledge bezeichnet. Bei der Open Innovation beauftragt ein Unternehmen seine (potentiellen) Kunden, fremde Experten und sonstige Stakeholder mit der Äußerung von Ideen, Anregungen, Impulsen.

Die Äußerung kann im Prinzip offline wie online geschehen. Workshops zur Aufnahme von Anregungen seitens der Mitarbeiter etwa sind ein traditionelles Verfahren, das in seiner Tradition aber nicht im Zusammenhang mit einer innovativen Wirtschaftskultur steht. Moderne Ansätze der Open Innovation bei der Einbeziehung von Konsumenten und Anwendern in die Produktentwicklung werden von Crowdsourcing, Netnography und webbasierten Innovationsstudien geliefert. Solche Technologien meint Henry Chesbrough, wenn er von "Profiting from Technology spricht.

Mit den Social Media stehen dem innovativen Business für den Innovationsprozess einfache Möglichkeiten der Ansprache einer Crowd und zur Aufnahme ihrer Ideen zur Verfügung, die seit vielen Jahren auf die verschiedenste Weise für den Innovationsprozess genutzt werden. Genutzt werden kann im Prinzip aber auch jede andere Online-Plattform, solange sie nur die angemessene Aufnahme und Verarbeitung innovativer Ansätze ermöglicht.

Grundlegender als die technische Umsetzung ist allerdings die Frage, in welchem Ausmaß die Unternehmensgrenzen geöffnet werden bzw. in welchem Stadium der Produktentwicklung die externen Ideengeber eingebunden werden und welchen Stellenwert man der externen Innovation im Verhältnis zur internen beimisst (abgesehen natürlich von Innovationen seitens der Mitarbeiter). Sollte ein Unternehmen seinem Produkt genau die Eigenschaften geben, die die Kunden als ideal benennen, oder sollten die internen Experten die Wünsche der Kunden lediglich in ihre eigene Entwicklungsstrategie eingehen lassen? Die Balance  zwischen diesen beiden Einflüssen wird sich in der Tat als grundlegende Frage des Erfolgs in der Praxis des Open Innovation herausstellen.

Wie weit ist die Open Innovation in der Wirtschaft angekommen?

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) führte ab 2012 eine Erhebung unter 1.600 deutschen Unternehmen unter dem Titel "Modernisierung der Produktion" durch, die die Einflussfaktoren auf den Erfolg von Open Innovation benennen und messen sollte. Die Untersuchungsergebnisse, die 2014 vorlagen, zeigten unter anderem, dass der Innovationsprozess in der deutschen Wirtschaft nur langsam vorangeschritten war. Dieses Ergebnis stand im Gegensatz zu den Berichten über interessante Projekte, von denen man immer wieder lesen konnte. Als Musterbeispiel mag das "People´s Car Projekt" des Volkswagen-Konzerns in China gelten, bei dem innerhalb eines Jahres 33 Millionen Chinesen die Projekt-Website mit dem auf Deutsch lautenden Namen "Ein Auto bauen" besuchten und 119.000 Ideen hinterließen. Bis heute kam es zur Entwicklung von mehreren sehr interessanten Prototypen, aber keiner Serienproduktion. Das Unternehmen ließ verlauten, man habe durch das Projekt wertvolle Einblicke in die Kundenwünsche erhalten. Möglicherweise ist man aber auch zu der Erkenntnis gelangt, dass die vorrangige Behandlung der Kundenwünsche, der externen Innovatoren, nicht notwendigerweise zum wirtschaftlichen Erfolg eines Produktes führt. Das Geschäftsmodell des Hauses basiert wohl weiterhin auf Closed statt Open Innovation.

Welchen Einfluss sollten externe Impulse auf den Innovationsprozess haben?

Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen internen und externen Innovationen zieht die ISI-Studie den Schluss, dass der größte Unternehmenserfolg am ehesten durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen internen und externen Innovationsimpulsen gewährleistet sei. Ein auffälliges Ergebnis der Untersuchung sind die schwachen Ergebnisse von Produkten, die ausschließlich auf externe Impulse setzen. Offenbar werden Produktentwicklungen, die direkt auf der Basis von Kundenwünschen entstehen, in kleinteilige Produktverbesserungen gedrängt und verlieren den Überblick über weitreichendere Entwicklungen. Selbst rein interne Entwicklungen, die also die Kunden nicht nach seinen Vorstellungen befragen, erzielen in der Studie bessere Werte. Im Ganzen zeigt sich, dass die gelegentlich geäußerte These "Je offener der Innovationsprozess, desto mehr Erfolg" nicht stimmt. Die Mehrheit der erfolgreichen Unternehmen  (zwischen 35 und 40 Prozent) nutzt zwei externe Innovationsquellen - zusätzlich zu den internen. Den größten Erfolg verbuchten solch gemischte Strategien im Bereich der Marktneuheiten, wo sie zu 6 Prozent erfolgreicher waren als solche mit rein internen Impulsgebern. Die geringe Erfolgsquote der rein externen Innovationen zeigt sich auch bei Dienstleistungsinnovationen, bei denen man einen besonderen Wert der Kundenwünsche eigentlich annehmen würde. Lediglich 30 Prozent der Firmen sind mit dieser Strategie erfolgreich.

Erfolgreiche Beispiele von Open Innovation in Unternehmen

Der deutsche Markt kennt mittlerweile eine Vielzahl von Open-Innovation-Projekten, die Facebook in irgendeiner Weise als Plattform nutzen. Ein Beispiel ist die Marke "Manhattan", die gemeinsam - also in einer gemischten Strategie -  mit ihren Facebook-Fans eine 20-teilige Nagellack-Kollektion zur Marktreife entwickelt hat, die es ab Winter 2011 in den dm-Märkten zu kaufen gab. Facebook wurde zur Rekrutierung der externen Innovatoren genutzt, die Verwaltung selber wurde auf einer eigenen Plattform umgesetzt. In Modemagazinen und auf Blogs bekam das auf der Basis der Ideen entwickelte Nageldisplay höchstes Lob, das Unternehmen selber bezeichnete das Projekt als wirtschaftlich sehr erfolgreich.

Vor dem Hintergrund eines umkämpften Marktes nutzt die DekaBank eine Crowd-Innovation-Plattform, um das Know-how und die Ideen ihrer Mitarbeiter für das Unternehmen fruchtbar zu machen. Die Mitarbeiter nutzen das Forum auch zu ausgiebiger Diskussion über eingebrachte Ideen. Verschiedene Seiten bestätigen, dass allein schon die Motivation des Personals durch die Eröffnung der internen offenen Innovation deutlich gestiegen sei. Externe Impulse gibt es bei Projekten wie diesen naturgemäß nicht oder nicht direkt, von großem Wert für das Unternehmen sind solche Plattformen nichtsdestrotz, da für Betriebe eben auch die Innovationsfähigkeit im Inneren ein enorm wichtiger Innovationsfaktor ist.

Der Siegeszug der Open Innovation in der Wissenschaft

Wenn man von einem Siegeszug der Open Innovation sprechen kann, dann sicher in der Wissenschaft. Ein großer Vorteil des Ansatzes besteht darin, dass die Suche der angestellten Wissenschaftler nach Problemlösungen unterstützt wird durch die Mitarbeit externer Kollegen, teilweise mit völlig anderen Kompetenzbereichen. Open Innovation setzt die alte Forderung nach interdisziplinärer Zusammenarbeit praktisch um. Das Pharma-Unternehmen Beiersdorf lud im Jahr  2011 Unternehmen, Institutionen und Wissenschaftler aus aller Welt ein, auf seiner Plattform Pearlfinder an zukunftsfähigen Innovationen mitzuarbeiten. Das Handelsblatt zeichnete Beiersdorf in Folge mit dem "Best Open Innovator Award 2011" aus. Seither wurde eine Vielzahl wissenschaftlicher Crowd-Innovation-Plattformen online gestellt. Beispiele wie dieses machen deutlich, dass gerade dort, wo Wissen die Basis für erfolgreiche Unternehmungen darstellt, die Zusammenarbeit der Crowd durch nichts zu schlagen ist.

Autor: David Holetzeck

Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter der TABLE OF VISIONS GmbH
Website des Autors
David Holetzeck

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