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12.05.14Kommentieren

Persönlichkeitsentwicklung

Was blockiert mich?

Viele Menschen stoßen beruflich und privat immer wieder an dieselben mentalen Barrieren. Das schmälert ihr Lebensglück und ihren beruflichen Erfolg.

Ein Beitrag von Andreas Lutz

 

Berufsalltag: Schon -zig Mal nahmen wir uns vor, unseren Kunden auf eine Preiserhöhung anzusprechen. Doch stets verlassen wir sein Büro zwar mit mehr Arbeit, aber nicht mit mehr Geld.

Lebensalltag: Schon 100 Mal schworen wir uns: Beim nächsten Treffen sage ich meiner „Angebeteten“, dass ich sie liebe. Doch stets palavern wir über „Gott und die Welt“, so als seien wir „nur gute Kumpel“. Unsere wahren Gefühle offenbaren wir jedoch nicht.

 

Falsch programmiert?

Solche Situationen kennt jeder Mensch; Situationen, in denen wir uns anders verhalten, als wir es eigentlich möchten. Das ist kein Grund zur Panik. Bedenklich wird „die Sache“ laut Managementberaterin Sabine Prohaska, Wien, erst, wenn wir immer wieder an dieselben mentalen Barrieren stoßen. Denn dann zeigen wir meist ein Ausweichverhalten. Wir reden uns zum Beispiel ein „Mein Kunde hat sowieso kein Ohr für mich“. Oder: „Wenn ich meiner Liebsten meine Gefühle offenbare, zerbricht unsere Freundschaft“.

Ein Grund, warum viele Menschen stets an dieselben mentalen Barrieren stoßen, ist laut Angela Kissel vom  Präventionsspezialisten Balance fürs Leben, Urbar: Unser Verhalten wird weitgehend durch mentale Programme bestimmt, die unbewusst in uns ablaufen. Solche Programme haben wir zuhauf verinnerlicht. Und das ist gut so! Denn sie ermöglichen es uns, viele Alltagsaufgaben (fast) nebenbei zu erledigen – ohne nachzudenken. Zum Beispiel das Zähne-putzen oder das Auto-fahren.

 

Übung allein macht keinen Meister

Viele Menschen leiten daraus ab: Wir müssen nur viel üben. Dann beherrschen wir irgendwann zum Beispiel das Flirten, Verkaufen oder Führen von Mitarbeitern wie im Schlaf. Also besuchen sie regelmäßig Seminare, in denen sie beispielsweise trainieren, ihre Interessen zu artikulieren. Doch irgendwann stellen sie frustriert fest: In den Rollenspielen während der Seminare kann ich zwar sagen, was ich (nicht) will, doch wenn ich im Büro meinem Kollegen Müller gegenüberstehe, werde ich stumm wie ein Fisch. Oder: Im Training pariere ich zwar jede verbale Attacke, doch kaum faucht mich meine streitsüchtige Nachbarin an, bin ich ihrem „Schlappmaul“ nicht gewachsen. Im Trainerjargon heißt dies: Den Teilnehmern gelingt der Transfer nicht.

Eine Ursache hierfür ist laut Führungskräftetrainer Michael Schwartz vom ilea-Institut, Esslingen: In vielen Trainings werden die mentalen Barrieren nicht bearbeitet, an die die Teilnehmer im Alltag stoßen. Deshalb läuft bei ihnen, kaum blafft sie zum Beispiel die Nachbarin an, weiterhin derselbe „innere Film“ oder dasselbe mentale Programm ab. So lange dieser Mechanismus nicht durchbrochen wird, nutzt das intensivste Training wenig.

Das Überwinden der mentalen Barrieren setzt voraus, dass wir die Programme kennen, die in unserem Kopf ablaufen. Vereinfacht lassen sie sich in zwei Gruppen einteilen: Ur-Programme und mentale Muster.

 

Alte Programme in neuer Welt

Die Ur-Programme laufen in uns allen ab, so Schwartz. Sie sind das Ergebnis unserer Evolution. Diese Programme aktivieren sich selbstständig bei bestimmten Umweltreizen. Typische Ur-Programme sind das Flucht- und Angriffsprogramm. Die Ur-Programme sind bei allen Menschen gleich. Trotzdem reagieren sie auf die gleiche Situation verschieden. Während der eine angesichts seiner Angebeteten „weiche Knie“ bekommt, sprüht ein anderer vor Wortwitz. Dieses unterschiedliche Verhalten resultiert daraus, dass Menschen dieselbe Situation verschieden wahrnehmen.

Für diese unterschiedliche Bewertung sorgen die „mentalen Muster“. Sie sind die „Filter“, durch die wir unsere Umwelt wahrnehmen. Sie bestehen unter anderem aus Glaubenssätzen, die wir im Laufe unseres Lebens verinnerlicht haben. Solche Glaubenssätze können laut Sabine Prohaska sein:

  • „Egal, was mir passiert, ich meistere es irgendwie.“
  • „Ich kann mich (nicht) verändern.“
  •  „Ich bin (k)ein wertvoller Mensch.“

Diese Sätze sind weder beweisbar noch widerlegbar, weshalb sie „Glaubens“-Sätze heißen. Trotzdem beeinflussen sie unsere Wahrnehmung und Reaktion auf Umweltreize.

Schwartz erläutert dies an einem Beispiel. Angenommen eine Führungskraft hat den Glaubenssatz verinnerlicht „ Alle Menschen müssen mich mögen.“ Wie reagiert sie, wenn sie einen Mitarbeiter wegen mangelnder Leistung kritisieren soll? Vermutlich erlebt sie die Aufgabe als Bedrohung. Also sucht sie Ausflüchte, um die Aufgabe nicht wahrzunehmen. Oder sie verpackt ihre Kritik in so viel Watte, dass die Botschaft beim Mitarbeiter nicht ankommt. Der Glaubenssatz wirkt sich also „destruktiv“ auf die Arbeit der Führungskraft aus.

 Neue Glaubenssätze verinnerlichen

Unsere Glaubenssätze stehen in einem engen Zusammenhang mit unserer Lebensgeschichte. Einige wirken konstruktiv, andere destruktiv. Welche Glaubensätze in uns wirken, können wir ermitteln. Der Schlüssel hierzu sind unsere Emotionen. Denn allen Emotionen liegen Glaubenssätze zu Grunde, betont der Verkaufs- und Kommunikationstrainer Ingo Vogel, Esslingen. Über sie können wir unsere unbewussten Glaubenssätze ins Bewusstsein heben.

Unsere Glaubenssätze haben wir erlernt. Also können wir sie auch wieder verlernen. Das heißt: Wir können destruktive Glaubenssätze durch neue konstruktive ersetzen. Hierfür müssen wir zunächst zu dem destruktiven Satz ein konstruktives Gegenstück formulieren. Also zum Beispiel statt dem destruktiven Satz „Ich muss perfekt sein“ den Satz „Ich darf Fehler machen und daraus lernen“.

Danach gilt es, den neuen Glaubenssatz zu verinnerlichen. Hierfür müssen wir immer wieder an ihn erinnert werden. Denn das Verankern neuer Glaubenssätze dauert seine Zeit. Vogel empfiehlt unter anderem: „Schreiben Sie Ihren neuen Glaubenssatz auf Notizzettel und kleben Sie diese zum Beispiel in Ihr Auto, an Ihren Badezimmerspiegel und an Ihren PC-Monitor. Dann spüren Sie nach einiger Zeit, wie Sie den Satz allmählich verinnerlichen und sich Ihr Verhalten ändert.“

 

Autor: Andreas Lutz

PR-Journalist und SEO-Spezialist
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Andreas Lutz

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