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31.08.15Kommentieren

Geschäftsführer und Insolvenz

Warum Anstands-Entscheidungen teuer werden können

Sie tragen eine große Verantwortung und können das Schicksal eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen: Als GmbH-Geschäftsführer halten Sie die Zügel in der Hand und zwar in guten wie in schlechten Zeiten. Gerade in kleineren Unternehmen wird das Business auch zur persönlichen Angelegenheit, doch das eigene Gefühl ist nicht immer der beste Ratgeber, vor allem nicht, wenn es um das Thema Haftung geht. Hier können den Geschäftsführer schon kleine Fehler in große Schwierigkeiten bringen.

Warum das eigene Gewissen für Geschäftsführer nicht zwangsläufig der beste Ratgeber ist, erklärt exali.de Gründer Ralph Günther.

GmbH-Geschäftsführer: Kein leichtes Los!

Jahrelang liefen die Geschäfte super, bevor sich dann plötzlich Verluste über Verluste häuften. Eine schlechte Phase, die vorüber geht? Umstrukturierungen sollten die Wende bringen, doch trotz aller Mühen, konnten Sie als GmbH-Geschäftsführer das Ruder nicht rumreißen. Inzwischen sind die roten Zahlen erdrückend und Ihre Möglichkeiten so beschränkt, dass sich nur eine einzige Lösung am Horizont abzeichnet, um die Firma zu retten: Die Insolvenz! Doch jetzt gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht auch noch die private Existenz in Gefahr zu bringen.

Große Verantwortung für GmbH-Geschäftsführer

Gerade in kleineren Unternehmen, wiegt die emotionale Komponente im Insolvenzfall schwer. Die Mitarbeiter sind keine anonymen Zahlen, wie dies in Großkonzernen oft der Fall ist, sondern sie sind bekannte Gesichter, Freunde mit Familie und Verpflichtungen. Auch wenn die persönliche Verpflichtung schwer lastet, Sie sollten als Geschäftsführer immer Ihre Pflichten im Hinterkopf behalten und im Zweifel lieber eine Business- anstelle einer „Anstandsentscheidung“ treffen. Klingt hart? Ist leider so!

Ein Beispiel: Der 12 Mann Betrieb, dessen Geschäftsführer Sie sind, steckt tief in den roten Zahlen. Der einzige Ausweg ist die Insolvenz. Doch Sie als GmbH-Geschäftsführer wissen: Ist der Insolvenzverwalter erst mal im Betrieb, müssen Sie das finanzielle Zepter aus der Hand geben. Ihr Verantwortungsgefühl drängt Sie deshalb zu einer ganz klaren Entscheidung: Erst werden die aktuellen Monatsgehälter überwiesen und die Mitarbeiter vorgewarnt – wer weiß schließlich wo der Insolvenzverwalter den Rotstift ansetzt – und erst dann treten Sie den Weg zum Amt an, um Insolvenz anzumelden. Wer gute Arbeit leistet soll auch sein Geld bekommen lautet ihre Devise, ihr Anstand regiert ihre Businessentscheidung.

Gesetz verpflichtet

Die Pflichten eines GmbH-Geschäftsführers sind im „Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung“ (GmbHG) festgeschrieben. Im Insolvenzfall ist dabei ein Paragraf ganz besonders entscheidend:

§ 64 Haftung für Zahlungen nach Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung

„Die Geschäftsführer sind der Gesellschaft zum Ersatz von Zahlungen verpflichtet, die nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft oder nach Feststellung ihrer Überschuldung geleistet werden. (…)“

Trotz Juristendeutsch ist die Grundaussage des Paragrafen unmissverständlich: Geschäftsführer dürfen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit keine Zahlungen mehr anweisen. GmbH-Geschäftsführer dürfen zwar Zahlungen leisten, die nötig sind, um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten, doch Gerichte habe in der Vergangenheit nicht einheitlich entschieden, ob Gehälter zu diesen Ausgaben zählen oder nicht.

GmbH schützt nicht vor Haftungsansprüchen

In unserem Beispiel ist vor allem entscheidend, dass der Geschäftsführer die Zahlung der Gehälter in Auftrag gegeben hat, obwohl er wusste, dass die Insolvenz unvermeidbar ist. Auch wenn er damit nur sicherstellen wollte, dass „seine“ Mitarbeiter auch ihren verdienten Lohn bekommen, hat er eindeutig eine Pflichtverletzung als GmbH-Geschäftsführer begangen. Für Pflichtverletzungen können GmbH-Geschäftsführer von den Gesellschaftern in Haftung genommen werden. Zudem ist fraglich, ob nicht auch der zukünftige Insolvenzverwalter rechtliche Schritte gegen den Geschäftsführer einleiten wird, denn die Beweggründe (und ob sich der Gesellschafter über seine Pflichtverletzung im Klaren war) interessieren Gerichte nur zweitrangig.

Als Geschäftsführer auch in Haftungsfragen auf der sicheren Seite

Fehler im Business sind schnell passiert, für Geschäftsführer kann dies aber fatale Konsequenzen haben, denn sie haften als Organ der Gesellschaft mit ihrem Privatvermögen. Dieses Risiko kann über eine so genannte Directors&Officers Versicherung (kurz D&O Versicherung) abgesichert werden. Diese Art der Risikoabsicherung wird auch als Manager-Haftpflichtversicherung oder Berufshaftpflicht für Manager bezeichnet. Abgesichert werden können u.a. Geschäftsführer, Vorstände und sonstige Mitarbeiter in Leitungsfunktion. So werden berufliche Fehler nicht zum privaten Fiasko. Neben der Absicherung von teuren Schadenersatzforderungen im Falle einer Pflichtverletzung verfügt eine D&O Versicherung zusätzlich über einen integrierten passiven Rechtschutz, der die Kosten für die Abwehr von ungerechtfertigten Inanspruchnahmen übernimmt (inkl. Strafrechtsschutz und Verfahrensrechtsschutz).

Dabei kann ein D&O-Vertrag prinzipiell in zwei unterschiedlichen Varianten ausgestaltet werden:

Als sogenannte persönliche D&O-Versicherung. Dabei schließt der Geschäftsführer, Leitende Angestellte oder Beauftragte die Versicherung „persönlich“ auf seinen Namen und zu seinen Gunsten ab und wird auch der Beitragszahler des Vertrages.

Bei der Firmen D&O hingegen schließt das Unternehmen als Versicherungsnehmer zu Gunsten aller ehemaligen, amtierenden und zukünftigen Geschäftsführer, Vorstände und sonstigen Personen in Leitungsfunktion den Vertrag ab und entrichtet hierfür als Unternehmen den Beitrag.

Autor: Ralph Günther

Versicherungsexperte und Gründer
Website des Autors
Ralph Günther

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