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14.03.14Kommentieren

Unternehmensnachfolge

Vorsorgen für den Ernstfall

Der Ernstfall kommt manchmal schneller, als man denkt. Das hat schon so mancher Unternehmer am eigenen Leib erfahren müssen – und zwar nicht nur in der Gründungsphase, sondern auch in der Zeit danach. Sei es der Geschäftspartner, der seine Anteile aus dem Unternehmen kurzfristig verkaufen möchte, um eine eigene Firma zu gründen und damit den Fortbestand der Unternehmung gefährdet, oder der Mitgesellschafter, der plötzlich verstirbt. Inhaber und Geschäftsführer von Unternehmen werden in diesen und anderen, für alle Beteiligten belastenden Situationen mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, die passgenaue Lösungen und Handlungsoptionen in Bezug auf die Unternehmensnachfolge erfordern. Dabei ist es für die Unternehmung existenziell notwendig, dass der Betrieb handlungsfähig bleibt. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn Entscheidungsbefugnisse und Verantwortlichkeiten für den Ernstfall eindeutig geregelt sind.  

Ein Beitrag von Dr. Ulrich Möhrle und Jochen Delfs

 

Oftmals kommt es in dieser Situation zu Konflikten zwischen potenziellen Erben, Ehepartnern, Mitarbeitern oder etwaigen Testamentsvollstreckern. Diese lassen sich jedoch vermeiden, wenn eindeutige postmortale Vollmachten erstellt werden. Neben diesen kurzfristigen "lebenserhaltenden" Maßnahmen für das Unternehmen gilt es aber auch, die gesamte Vermögens- und Unternehmensnachfolge sinnvoll zu gestalten.

Die Unternehmensnachfolge beginnt bereits bei der Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrags. Hierbei sollte unter anderem auf die Wahl einer geeigneten Fortsetzungsklausel und qualifizierten Nachfolgeklausel geachtet werden, da diese maßgeblich die Unternehmensnachfolge bestimmen. So wird darin zum Beispiel geregelt, ob eine externe Unternehmensnachfolge durch die Übertragung von Anteilen an die Mitgesellschafter oder Erben vorgesehen ist.

Wenn Erben die Nachfolge antreten sollen, muss der Unternehmer abwägen, ob diese geeignet sind, eine Nachfolge anzutreten. Falls es mehrere Erben gibt, stellt sich außerdem die Frage, wie viele Geschäftsführer das Unternehmen finanzieren kann. Und nicht zuletzt muss der Unternehmer die Versorgung des überlebenden Ehegattens regeln – entweder  als Versorgungsrente oder Einmalzahlung.

Diese Entscheidungen werden von vielen als besonders schwierig erachtet, da der Unternehmer neben den geschäftlichen auch meist familiäre Anliegen berücksichtigen muss. Konflikte sind damit oftmals vorprogrammiert. Eine offene, konstruktive und zielführende Diskussion kann häufig bereits helfen und Konflikte lösen. Schwerwiegendere Kontroversen hingegen sollten, bevor sie im Notfall existenzbedrohliche Auswirkungen haben, im Vorfeld angegangen werden. Hierfür bieten sich Maßnahmen wie z.B. Mediationsverfahren mit einem unabhängigen Dritten an.

Damit für den Notfall alles geregelt ist, sollte der Unternehmer für die unerwartete Unternehmensnachfolge einen sogenannten Notfallkoffer erstellen. In diesem werden die wesentlichen Verträge und Regelungen hinterlegt. Wichtig ist, dass der Notfallkoffer laufend den aktuellen Stand der geschäftlichen und auch familiären Situation widerspiegelt und dass die wesentlichen Personen den Standort des Notfallkoffers kennen. Die Zusammenstellung eines solchen Notfallkoffers ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Es sollten aber enthalten sein:

1)    Vertretung/Geschäftsführung/Vollmachten

a)    Postmortale Vollmachten

b)    Vertretungsregelungen

2)    Verträge

a)    Gesellschaftsvertrag

b)    Geschäftsführervertrag

c)    Darlehensverträge

3)    Wichtige Kontaktdaten

a)    Rechtsanwalt

b)    Steuerberater

c)    Bankbetreuer

d)    Zugangsdaten für EDV usw.

4)    Betriebswirtschaftliche Unterlagen

a)    Jahresabschlüsse

b)    Aufstellung über Verbindlichkeiten

c)    Bürgschaften

d)    Vermögensaufstellung

5)    Private Dokumente

a)    Testament

b)    Ehevertrag

c)    Vorsorgevollmacht Vermögen

d)    Vorsorgevollmacht

 

Autor: Jochen Delfs

Wirtschaftsmediator, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Diplom-Kaufmann
Website des Autors
Jochen Delfs

Autor: Ulrich Möhrle

Rechtsanwalt und Steuerberater
Website des Autors
Ulrich Möhrle

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