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24.10.12Kommentieren

Fachbeitrag

So planen Sie Ihre Schreibzeit richtig und halten Ihre Deadlines

Der Businessplan für den Gründungszuschuss muss abgegeben werden, die Texte für die eigene Website sollen zum Geschäftsstart online gehen, der Drucktermin für die Flyer rückt näher und auch die Presse-Mitteilung zur Eröffnung muss raus. Als Gründer gibt es viel zu schreiben. 

Ein Beitrag von Nadja Buoyardane

Da wird es manchmal knapp mit den Abgabeterminen. Denn meist hat man sich total verkalkuliert, wie lange man zum Schreiben braucht und gibt zum Schluss einen nur halbgaren Text ab. Oder, falls es keinen gesetzten Abgabetermin gibt, wird nie fertig. Auch nicht besser.

Damit Ihnen das nicht passiert und Sie Ihre Abgabetermine einhalten können, sollten Sie Ihre Zeit vor dem Schreiben richtig planen.

Schreiben braucht Zeit

Gute Texte schreiben sich nicht nebenher. Für gute Texte (und das sollen Texte, mit denen man für sich wirbt, ja sein) braucht man Zeit. Meist viel mehr Zeit als man am Anfang denkt. Daher sollten Sie für größere Schreibprojekte, wie die eigenen Website-Texte oder der Fachartikel, einen detaillierten Projekt-Plan erstellen.

Denn wenn Sie vor Schreibbeginn wissen, wie viele Stunden Sie insgesamt brauchen werden und bis wann Sie wie weit mit Ihrem Text sein müssen, können Sie die benötigte Schreibzeit rechtzeitig vorher einplanen. Und falls Sie mit der Arbeit an Ihrem Text hinterherhinken, erkennen Sie dies durch den Projektplan frühzeitig und können an den wichtigen Stellschrauben drehen. So kommen Sie am Ende nicht unter Druck.

So planen Sie Ihre Schreibzeit richtig

Viele Schreibende planen ihre Schreibzeit nach dem Motto „Ich muss noch zehn Seiten schreiben. Pro Tag schaffe ich drei. Also brauche ich für meine zehn Seiten etwas mehr als drei Tage.“ Diese Rechnung geht jedoch nicht auf; geht sie doch davon aus, dass man einen Text einmal herunterschreibt und dann nicht noch mal überarbeiten muss. So ist es aber nicht. Beim Schreiben müssen Sie nach der Länge der einzelnen Schreibphasen planen.

Der idealtypische Schreibprozess durchläuft grob folgende Phasen: Man beginnt damit, sich so langsam auf die Schreibarbeit einzustellen, entwickelt Ideen und recherchiert zu seinem Thema, strukturiert seinen Text und beginnt dann, einen ersten Entwurf zu schreiben, danach lässt man den Text ruhen und überarbeitet ihn später in Ruhe, bevor man ihn korrigiert und zur Abgabe fertig macht. Wie gesagt: Das ist der idealtypische Verlauf.

Für viele Schreibende endet der Schreibprozess jedoch nach dem ersten Entwurf – meist aus Zeitmangel. Dabei ist gerade das Überarbeiten eine der wichtigsten Phasen, wenn man einen guten (!) Text schreiben will.

So lange brauchen Sie für Ihren Text

In der neben stehenden Abbildung sehen Sie den Schreibprozess. An der Größe der einzelnen Blasen sehen Sie wie viel Zeit die jeweilige Schreibphase in Relation ungefähr zu den anderen Phasen einnimmt.

Als grobe Orientierung für die relative Zeitverteilung beim Schreiben gilt:

Ideen finden und recherchieren      20 Prozent
Strukturieren                                10 Prozent
Erster Entwurf                               30 Prozent
Reflexion und Überarbeiten              5 Prozent
Überarbeiten                                 30 Prozent
Korrigieren und in Form bringen       5 Prozent
 
Die Gewichtung der einzelnen Phasen ist von Mensch zu Mensch ein wenig unterschiedlich. Manche brauchen mehr Zeit zum Strukturieren, andere brauchen mehr Zeit, um den ersten Entwurf zu schreiben. Allgemein kann man jedoch sagen, dass Sie für das Überarbeiten Ihres Textes immer mindestens genauso lange einplanen sollten, wie für das Schreiben Ihres ersten Entwurfes.

Wie lange Sie nun für Ihren Text brauchen, ist abhängig von der Länge des geplanten Textes und Ihrer individuellen Schreibgeschwindigkeit. Als erstes sollten Sie also erst einmal abschätzen Sie, wie viele Seiten bzw. Zeichen Ihr Text haben soll und als nächstes Ihre Schreibgeschwindigkeit ermitteln.

Ermitteln Sie Ihre Schreibgeschwindigkeit

Damit Sie abschätzen können, wie lange Sie als Schreibzeit einplanen müssen, müssen Sie erst einmal herausfinden, wie lange Sie ungefähr für eine Seite Ihres ersten Entwurfes, Ihres so genannten Rohtextes, brauchen.

Um das herauszufinden, schreiben Sie eine Seite Ihres Textes (oder eines ähnlichen Textes) und stoppen die Zeit. Beim Schreiben dieses ersten Entwurfes sollten Sie zügig voranschreiben und sich nicht lange mit Formulierungen aufhalten. Ausbessern und polieren können Sie Ihren Text später immer noch.

Schlagen Sie nun noch ein paar Minuten oben auf (mindestens 10 Prozent mehr). Denn auch wenn Sie eine Seite in dieser Zeit schreiben, kann es sein, dass Sie auf den weiteren Seiten etwas langsamer werden, da Ihre Konzentration nachlässt.

So errechnen Sie Ihre Schreibzeit:

Um nun herauszufinden, wie viel Zeit Sie insgesamt für Ihren Text benötigen, multiplizieren Sie zuerst die Zeit, die Sie für eine Rohtext-Seite brauchen, mit der Anzahl Seiten, die Ihr Text ungefähr werden soll. Dies ergibt erst einmal nur die Zeit, die Sie für das Rohtexten insgesamt benötigen. Also etwa 30 Prozent der insgesamt benötigten Schreibzeit.

Nun schlagen Sie auf diese Zeit noch die Pausen-Zeiten oben auf. Ich würde Ihnen empfehlen, für jede Stunde Schreibzeit, rund 5 Minuten Pause dazuzurechnen.

Mit einem einfachen Dreisatz können Sie nun anhand der relativen Verteilung der einzelnen Schreibphasen errechnen, wie lange Sie für die weiteren Schreibphasen brauchen.

Ein Beispiel: Sie möchten einen 5-seitigen Fachartikel schreiben, mit dem Sie in einer Fachzeitschrift auf sich aufmerksam machen wollen. Der Text ist anspruchsvoll. Für eine Seite Rohtext brauchen Sie daher 1 Stunde. Das heißt, Sie brauchen 5 Stunden für den Rohtext. Darauf rechnen Sie noch einmal die Zeiten für die Pausen, der Einfachheit halber etwa eine  Stunde. Sie brauchen also 6 Stunden für Ihren ersten Entwurf. Diese 6 Stunden entsprechen 30 Prozent der Gesamtzeit. Jetzt brauchen Sie etwas Dreisatz und dann haben Sie es gleich:

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Insgesamt brauchen Sie: 20 Stunden. Nun müssen Sie schauen, wie Sie diese in Ihren Terminplan freihalten können, damit Sie rechtzeitig zum Abgabetermin mit Ihrem Text fertig sind.

So erstellen Sie Ihren Schreibprojekt-Plan

  1. Tragen Sie als erstes das Abgabedatum für Ihr Schreibprojekt in Ihren Kalender oder ein separates Projekt-Sheet ein. Damit Sie diesen Termin einhalten können – ohne Nachtschichten –  gehen Sie nun folgendermaßen vor:
  2. Sie wissen, wie viele Stunden Sie insgesamt für Ihr Projekt brauchen. Nur äußerst selten werden Sie diese Zeit am Stück zur Verfügung haben. Schauen Sie in Ihren Kalender: Wann haben Sie tatsächlich Zeit? Blocken Sie sich diese Zeiten zum Schreiben. Bitte schätzen Sie aber realistisch ein, wie viel Schreibzeit Sie in Ihrem Terminplan unterbekommen. Denn auch wenn Sie theoretisch einen ganzen Tag zum Schreiben Zeit hätten, werden Sie wahrscheinlich nicht 8 Stunden am Stück schreiben.
  3. Rückwärts vom Abgabetermin aus gerechnet können Sie nun abschätzen bis wann Sie die einzelnen Phasen in etwa abgeschlossen haben müssen. Legen Sie Ihre Etappenziele fest. Zum Beispiel: Bis zum Tag X soll die Gliederung (z.B. für Ihre Website oder Ihren Business-Plan) fertig sein. Etappenziele haben den Vorteil, dass Sie immer wieder kleinere Einheiten abschließen. Das motiviert.
  4. Planen Sie auch Pufferzeiten ein. Nicht immer klappt alles so reibungslos, wie man es sich vorstellt. Für diese Fälle müssen Sie immer etwas Luft in Ihrem Plan lassen.
  5. Tragen Sie sich Ihre Meilensteine jeweils in Ihren Kalender/Ihr Projektplan-Sheet ein. Anhand der Etappenziele können Sie später überprüfen, ob Sie mit Ihrem Schreibprojekt noch gut in der Zeit liegen.
  6. Überprüfen Sie, ob Sie bis zum Abgabetermin genügend Zeit zum Schreiben finden. Falls nicht, müssen Sie schauen, was Sie von Ihren anderen Aufgaben delegieren oder verschieben können. Oder den Abgabetermin ändern lassen.
  7. Prüfen Sie während Ihrer Arbeit am Text immer wieder, ob Sie noch gut in der Zeit liegen und steuern Sie rechtzeitig entgegen.

Auch wenn dies jetzt alles sehr durchgeplant klingt: Der Zeitplan ist nicht in Stein gemeißelt. Es geschieht beim Schreiben immer wieder, dass man mal in einer Phase länger braucht, dafür durchläuft man eine andere möglicherweise etwas schneller. Wenn Sie in einer Phase einmal ein wenig länger brauchen, müssen Sie Ihren Plan eben nach hinten anpassen (z.B. indem Sie ein paar zusätzliche Schreibstunden einplanen, auch wenn dies eventuell bedeutet, ein oder zwei Überstunden zu machen). Wichtig ist, dass Sie Ihre Deadline einhalten können.

Autor: Nadja Buoyardane

Texterin und ausgebildete Schreibberaterin
Website des Autors
Nadja Buoyardane

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