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19.12.14Kommentieren

Fachbeitrag

Mein persönlicher Jahresabschluß

Zum Jahresende müssen alle Firmen einen Jahresabschluss machen. Das ist für den Fortbestand und die Gesunderhaltung des Betriebes unabdingbar. Dieser Ansatz ist wunderbar auf die private Welt übertragbar. Auch hier kann man Gewinne und Verluste einander gegenüberstellen, Abschreibungen vornehmen und geklärt ins neue Jahr starten. 

Matthias Büttner

Wieder geht ein Jahr zu Ende. Wenn Sie eine Firma wären, würden Sie jetzt die Jahresabschlußarbeiten beginnen. Bei Firmen bedeutet dieses in erster Linie, den wirtschaftlichen Erfolg zu ermitteln.

  • Wieviel Umsatz haben Sie gemacht?
  • Welche Kosten stehen dem gegenüber?
  • Welche Forderungen sind noch offen?
  • Welche Verbindlichkeiten sind noch zu begleichen?
  • Wie ist der Lagerbestand?
  • Wieviel Steuern sind zu zahlen?


Darüber hinaus macht es für die Firma auch Sinn, die nicht-finanziellen Aspekte zu beleuchten.


  • Wie ist der gesamte Markt?
  • Wie hat sich unser Produktportfolio entwickelt?
  • Wie ist es um die Mitarbeiterzufriedenheit bestellt?
  • Was hat sich verändert?
  • Wie kann die Firma weiterentwickelt werden?
  • Was war erfolgreich?
  • Was war nicht erfolgreich?

Vor allem aber auch die Frage, welche Werte man abschreiben und ausbuchen muss, ist wichtig. Eine Firma „realisiert“ die uneinbringlichen Forderungen und schließt das Jahr sauber ab. Das hat reinigende Wirkung und man kann frisch ins neue Jahr starten.


Dieser Ansatz lässt sich hervorragend auf die private Welt übertragen.


  • Was habe ich gemacht?
  • Was war gut, was war schlecht?
  • Wie ist meine finanzielle Situation?
  • Wie ist meine emotionale Situation?
  • Was will ich im neuen Jahr besser machen?

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr eignen sich dafür hervorragend.

Ich persönlich reserviere mir – sehr zum Leidwesen meiner Familie – den Silvesterabend dafür. Dann setze ich mich mit einer guten Zigarre und einer Flasche Rotwein an meinen Schreibtisch und denke über das vergangene Jahr nach. Schriftlich.


Da ich auch nur ein begrenzt gutes Gedächtnis habe, nutze ich alle Informationen, die ich über das Jahr finden kann:

1.     Meinen Terminplaner

2.     Mein Notizbuch

3.     Meine Fotos (ich mache stets viele Bilder mit meinem iPhone)

4.     Meine Emails

5.     Meine Kontoauszüge

Der persönliche Jahresabschluss: So geht es.


Wenn ich meinen persönlichen Jahresabschluss mache, dann gehe ich wie folgt vor:

  1. Ich nehme mir meinen Wochenkalender und blättere diesen Tag für Tag und  Woche für Woche noch einmal durch. Die Highlights eines jeden Tages notiere ich in meinem Monatsplaner und habe damit einen guten Überblick über die Ereignisse des ganzen Jahres.
  2. Ich schreibe meine Gedanken zu diesem Jahr auf – in die Word-Datei. Zunächst allgemein, dann detaillierter. Ich berichte mir selbst, was geschehen ist und kommentiere für mich, warum ich was getan habe und warum nicht.
  3. Ich erstelle eine Hit-Liste: Alles, was gut gelaufen ist.
  4. Ich erstelle eine Shit-Liste: Alles, was schlecht gelaufen ist.
  5. Ich erstelle eine Fehler-Liste: Alles, was ich falsch gemacht habe. Mit Kommentaren, in welcher Situation die Fehler gemacht wurden. Das ist der schmerzhafte Teil der Arbeit – aber sehr heilsam.
  6. Ich mache mir einen Wunschzettel für das neue Jahr. Es ist mehr ein Wunschzettel, als eine Zieleliste. Ziele sind das, was ich selbst in der Hand habe, Wünsche sind das, wozu man auch viel Glück braucht.
  7. Ich definiere kleine Aufgaben und trage diese in Wochenkalender des neuen Jahres ein.
  8. Ich vergleiche den Wunschzettel des Vorjahres mit dem, was dann tatsächlich geschehen ist.

Fragen, die zu einem persönlichen Jahresabschluss gehören können

Je nachdem, wieviel Zeit Sie sich für Ihren Jahresabschluss nehmen, können Sie sich auf wesentliche beispielsweise emotionale Punkte konzentrieren oder auch einen kompletten Jahresabschluss machen.


Hier eine Liste mit Fragen und Aktivitäten, die zu einem persönlichen Jahresabschluss gehören könnten:

  1. Was ist in jedem Monat des Jahres geschehen?
  2. Was sind die 5 Highlights des Jahres?
  3. Hit-Liste: Womit bin zufrieden? Gab es Glücksmomente?
  4. Shit-Liste: Was ist schlecht gelaufen?
  5. Was wünsche ich mir für das neue Jahr …
  • in Bezug auf Gesundheit?
  • in Bezug auf die Familie?
  • in Bezug auf finanzielle Sicherheit?
  • in Bezug auf meine Freunde?
  • in Bezug auf meine persönliche Weiterentwicklung?
  • in Bezug auf materielle Dinge?

Was muss ich tun, damit meine Wunschliste Realität wird?

Wie ist meine finanzielle Situation?

  • Wie stehen meine Konten?
  • Welche Verträge habe ich aktuell (Versicherungen, Telefon, Miete, Sparverträge, Krankenversicherung, …)?

Wie ist mein Gesundheitsstatus? (Kondition, Kraft, Dehnung, Ernährung, Gewicht, Augen, Ohren, Zähne, …)

  1. Wer waren meine wichtigsten Freunde in diesem Jahr?
  2. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse in diesem Jahr?
  3. Welche Musik habe ich in diesem Jahr gehört?
  4. Welche Bücher habe ich in diesem Jahr gelesen?
  5. Was waren die wichtigsten Anschaffungen in diesem Jahr?
  6. Was waren die weltpolitischen Ereignisse in diesem Jahr?
  7. Was waren die sportlichen Highlights in diesem Jahr?
  8. Was sind derzeit meine größten Sorgen?
  9. 17. Was sind meine größten Hoffnungen?

Mit einem persönlichen Jahresabschluss schreiben Sie quasi das Buch Ihres Lebens.

Ich betreibe meinen persönlichen Jahresabschluss nun schon seit 30 Jahren. Ich dokumentiere meine Gedanken in einem Word-Dokument (hier nutze ich die Gliederungsansicht) und habe so einen perfekten Überblick über mein Leben. Dieses Dokument, gepaart mit meinen alten Kalendern und Notizbüchern, kombiniert mit den vielen Fotos lässt mich wenig vergessen. Die Zeit vergeht schnell und man vergisst so viel.

Praktisch: Die persönlichen Jahresabschlußarbeiten motivieren mich, meine Zeit und meine Aktivitäten sauber zu dokumentieren. Das ist kein großer zeitlicher Aufwand, erfordert jedoch ein gewisses Maß an Disziplin und hat den zusätzlichen Effekt, dass ich das ganze Jahr über bewusst lebe. Ich führe einen papierenen Kalender als Wochenübersicht und parallel einen Monatsplaner. Im Wochenkalendarium plane ich meine Aktivitäten, dokumentiere aber auch die nicht geplanten aber dennoch erledigten Aktivitäten. Im Monatsplaner notiere ich wichtige Termine und die Highlights jeden Tages – positive, wie negative.

Emotional: Da ich in meinem Jahresabschluss kein Blatt vor den Mund nehme und mich bemühe, meine Emotionen klar zu artikulieren (es liest außer mir ja ohnehin niemand) hat das Schreiben eine reinigende Wirkung. Vielleicht ist das mit einer Beichte zu vergleichen. Sie sitzen am Schreibtisch und sind aufgefordert, Ihre eigenen Fragen zu beantworten. Offen und ehrlich. Klar und unverblümt. Viele Themen, die Sie im Laufe des Jahres belastet haben, sind vielleicht nicht mehr relevant. Andere Themen, die Sie schon vergessen hatten, bereiten Ihnen immer noch Kummer, dann wird es Zeit, dass Sie diese Themen aktiv bearbeiten oder … ausbuchen.

Faktisch: Obwohl meine Jahresabschlußarbeiten emotional motiviert sind, ist der faktische Vorteil deutlich. Als ich vor 3 Jahren eine Steuerprüfung der Jahre 2002 und 2003 hatte, konnte ich dank meiner Aufzeichnungen in das Jahr zurückversetzen, dem Finanzbeamten die Situation in dem Jahr erklären und somit kritische Fragen ausräumen. Sehr hilfreich.

Planerisch: Die Frage: „Was wünsche ich mir eigentlich für das nächste Jahr“ kann in eine Zielplanung münden. Was muss ich tun, damit ich voran komme? Ich entscheide mich für Aufgaben an mich selbst, die ich in meinen Terminkalender eintrage. Verteilt über das ganze Jahr. Manchmal ist es auch einfach nur ein Reminder, so dass ich mich im Mai daran erinnere, dass ich mir über das Thema XY Gedanken machen muss. Es hilft nicht, sich für das neue Jahr etwas vorzunehmen, wenn man nicht hinreichend konkret wird und die Aufgaben in einem Zeitplan verankert. Bitte nicht alles im Januar beginnen – Sie haben 12 Monate Zeit, das Jahr positiv zu gestalten.

Meine Abschlussarbeiten sind für mich sehr wichtig. Durch meinen Jahresabschluss wird die Vergangenheit dokumentiert und emotional bereinigt, die Gegenwart wird bewusster erlebt und die Zukunft wird aktiv gestaltet. Ich stelle fest, dass in dem abgeschlossenen Jahr wieder viel geschehen ist. Meist bin ich zufrieden, manchmal musste ich mir aber auch eingestehen, Fehler gemacht zu haben – die besten Voraussetzungen, diese nie wieder zu machen. Ich schließe das alte Jahr sauber ab und habe meinen Kopf frei für das neue Jahr. Zudem ist es wunderbar zu sehen, wie man sich Jahr für Jahr entwickelt. Kein Jahr ist wie das andere.

Das Leben ist zu kurz, um auch nur ein einziges Jahr zu vergessen.

 

Autor: Matthias Büttner

Matthias Büttner ist Unternehmer - kein Coach und kein Journalist.
Seine Bücher stammen aus Erdachtem, Erlebten, Erfahrenen - aus der Praxis.
Website des Autors
Matthias Büttner

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