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11.09.17

Gastbeitrag

Made in Germany: Welchen Wert hat das für Start-ups im internationalen Wettbewerb?


(Bild: Pixabay)

Ein Gastbeitrag von Philipp Kraatz

Wer sich Gedanken über Innovationen macht, der denkt vermutlich als erstes an das Silicon Valley und nicht an die deutsche Industrie. Das hat einen guten Grund: Laut einer Umfrage der Boston Consulting Group zu den innovativsten Firmen weltweit ist die Mehrheit der Top 10 in der Region rund um San Francisco angesiedelt. Erst auf Platz 11 findet sich mit Bayer überhaupt das erste deutsche Unternehmen in der Liste.  

“Made in Germany” ist weiterhin ein Kaufargument

Das Qualitätslabel “Made in Germany” hat eine lange Geschichte hinter sich, steht für höchste Qualitätsstandards und Verlässlichkeit. Noch zu Beginn des Jahres berichtete das Forbes Magazine über den Statista Made-in-Index, eine Rangliste der Ursprungsländer, denen Kunden das meiste Vertrauen entgegenbringen: Deutschland schaffst es auf den ersten Platz, noch vor der Schweiz und der Europäischen Union.

"Made in Germany" erfährt also weiterhin viel Zuspruch. Doch in einer globalisierten Welt, dominiert durch Innovation, Schnelllebigkeit und immer neuen Trends sind es nicht mehr die großen deutschen Traditionsunternehmen, die Innovationen vorantreiben. Doch genau diesen und dem Wirtschaftswunder der 1960er-Jahre ist das Vertrauen in dieses Gütesiegel geschuldet.

Können junge Unternehmen und innovative Start-ups von ihrer deutschen Herkunft profitieren? Ist das Label “Made in Germany” für sie überhaupt von Wert? 

Deutsche Investoren verlangen ausgereifte Konzepte 

Wir von Spacebase können aus eigener Erfahrung berichten, wie es um das Gütesiegel steht. Nachdem unser Start-up 2015 im europäischen Markt gegründet wurde, folgte Ende letzten Jahres der Sprung über den großen Teich nach New York City im Rahmen des German Accelerators, einem Förderprogramm des Bundes. In zahlreichen Gesprächen mit Investoren und Kunden haben wir gelernt, dass es durchaus Vorteile hat, die Herkunft seines Start-ups zu erwähnen.

Der gute Ruf deutscher Produkte scheint auf die Einstellung der Amerikaner gegenüber deutscher Start-ups Einfluss zu haben. Und zwar insbesonders, wenn man sich den Stereotypen des konservativen, risikoscheuen Deutschen zunutze macht. Unser CEO Julian Jost hat gelernt: “Deutsche Gründer sind vorsichtiger. Um Investoren hierzulande überzeugen zu können, muss man ein ausgereiftes Konzept haben. In den USA reicht hingegen oft schon eine vielversprechende Idee.”

Das macht deutschen Star-tups die Investorensuche oft schwerer, sorgt aber auch dafür, dass viele Prozesse schon optimiert sind, wenn sie den Markteintritt wagen oder an Venture Capitalists pitchen. Damit wirken deutsche Start-ups auf Amerikaner sehr souverän und vertrauenswürdig. Da kommen dann schon mal Sprüche wie: "It is German, so surely things will work!" 

Deutschland als Vorbild beim Datenschutz 

Auch das Start-up Adsquare expandierte wie wir zu Beginn des Jahres mit dem German Accelerator in die USA und machte sich sogar ganz bewusst den Ruf des German Engineering für die eigene Markenkommunikation zunutze. Das Unternehmen entwickelt eine Datenplattform für mobile Werbung auf Smartphones - ein Produkt, das nicht unbedingt sofort mit deutschen Traditionsunternehmen assoziiert wird.

Sebastian Doerfel, COO und Mitbegründer des Unternehmens, erklärt, dass bei komplexen Geschäftsmodellen im B2B-Bereich für seine Kunden eine durchdachte, verlässliche Lösung mehr als ein radikales, aber instabiles System zähle.

Ein weiterer Marktvorteil des Unternehmens, den es aus seinem deutschen Ursprung ziehen kann, ist das Thema Datenschutz: Die Anforderungen an den Umgang mit Daten sind in Deutschland viel spezifischer und deutlich stärker reglementiert als in den USA. Da Adsquare ursprünglich für den deutschen Markt entwickelt wurde, war das Unternehmen gezwungen, sich intensiv mit dem Thema Datenschutz auseinanderzusetzen und hat nun gegenüber der internationalen Konkurrenz in den USA bei Fragen und um Privatsphäre einen Vorsprung.

Stereotypen kann man sich zunutze machen

Start-ups und junge Firmen profitieren also weiterhin auf dem internationalen Parkett von der langen Geschichte der Marke “Made in Germany”. Im Gegensatz zur traditionellen Industrie haben deutsche Start-ups jedoch grundsätzlichen keinen Vertrauensvorschuss durch ihre Herkunft. Jedes Unternehmen muss für sein Produkt individuell die stereotypischen Merkmale seiner Herkunft hervorheben, von denen es sich den größten Nutzen verspricht!

Wenn deutsche Entrepreneure sich an dieser Zielsetzung orientieren, kann auch “Start-up made in Germany” zu einem starken Verkaufsargument werden. Denn gerade bei Geschäftsmodellen im B2B-Bereich geht es häufig nicht darum, wer am schnellsten ist, sondern wer es am besten macht.

Autor: Philipp Kraatz

Philipp Kraatz ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim nach Berlin gezogen und ist dort in die Start-up- Welt eingetaucht. Zusätzlich hat er Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam studiert. Aktuell arbeitet er bei Spacebase, der größten Buchungsplattform für außergewöhnliche Meeting- und Workshop-Räume in Europa.
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Philipp Kraatz

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