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07.12.13Kommentieren

Das Grüne Büro - Teil 2

Das Büro ist mehr als Tisch und Stuhl

Veränderungen unserer Umwelt haben wie in Teil 1 gezeigt zu gravierenden Auswirkungen auf den Lebens- und Arbeitsstil der Menschen geführt. Doch damit haben sich bei den Konsumenten und Arbeitnehmern die Anforderungen an die Wirtschaft geändert.

Ein Beitrag von Christine Müller

 

Forderung nach nachhaltigen Arbeitsprozessen

Schauen wir bei den Arbeitsplätzen genau hin bemerken wir, dass in der öffentlichen Diskussion der Begriff „Flexibles Arbeiten“ zu einem Trendwort geworden ist. Laut Umfrage des IT-Verbandes Bitcom arbeitet ein Drittel aller Berufstätigen mindestens einmal die Woche im Homeoffice. Diese Balance zwischen Arbeit und Freizeit findet sich immer öfter in Stellenanzeigen seitens der Arbeitgeber. So sucht beispielsweise aktuell eine Personalberatung für ein IT-Systemhaus einen System Integration Engineer / Berater (m/w) der gerne vom Homeoffice seine Kunden betreut und gleichzeitig auch über eine hohe Reisebereitschaft verfügt. Was wir immer mehr wahrnehmen können ist, dass sich in den westlichen Ländern der Wohlfahrstaat verändert. Wir erkennen, dass wir den Klimawandel und auch soziale Verantwortung selbst in die Hand nehmen müssen. Die Anzahl sozialer Geschäftsideen wächst. Und das nicht nur als Beschäftigungstherapie für Arbeitslose und Behinderte. Es sind wertvolle Arbeitsplätze, die wertschöpfend für die Allgemeinheit tätig sind. Doch der Staat ist bei der Förderung dieser neuen Ansätze sehr zurückhaltend. Das Generieren von Zuschüssen, Steuerbefreiungen, etc. ist fast unmöglich oder sehr beschwerlich.

Das es doch geht zeigt der Kurierdienst Valid Express in Niederlanden nun schon seit 14 Jahren sehr profitabel. Alle Mitarbeiter müssen als Einstellkriterium körperlich behindert sein. In Deutschland müssen Unternehmen und Betriebe laut SGB IX ab 20 Beschäftigten Schwerbinderteanstellen. Wer das nicht tut, zahlt Ausgleichsabgaben. Bei Valid Express gibt es flexible Arbeitsverträge und jeder arbeitet so viel wie möglich. Die niederländische Post kaufte 2012 das profitable Unternehmen, da sie den Mehrfachnutzen erkannte. Als öffentliches Unternehmen hat die Post NL eine gesellschaftlich-soziale und auch ökologische Verantwortung. So kümmert sie sich um den CO2-Verbrauch ihrer Fahrzeugflotte genauso wie um die nachhaltige Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Die Valid Expressgründerin Nicolette Mak empfiehlt Sozialunternehmen für das Bestehen am Markt und für das Generieren von Zuschüssen schon bei der Gründung die Strategie auf eine potentielle Übernahme, Partnerschaft oder Zusammenschluss mit Großunternehmen auszurichten.

Sie merken, aus den veränderten Ansprüchen entstehen neue Geschäftsfelder. Auch werden jetzt vermeintliche Lasten zu Freuden für alle Beteiligten. Dass auch in Deutschland Unternehmer den Schalter umlegen zeigen Projekte wie die Textilfabrik manomama mit inzwischen über 140 Näherinnen, die alle vorher keiner wollte und die deshalb HARTZ IV bekamen. Wenn Sie selbst eine Idee für ein Sozialunternehmen wie Valid Express oder manomama haben, richten Sie Ihre Strategie auf Partnerschaften oder Zusammenschluss mit Großunternehmen aus. Wenn Sie profitabel sind, sind Sie interessant und dann ist eine Kooperation schneller und einfacher möglich, vielleicht starten Sie ja auch gemeinsam mit einer anderen Idee (Online-Shop und Kurierdienst) und sparen Kosten.

Umstellung der Ernährungsgewohnheiten 

Der Klimawandel und die Besinnung auf Umwelt und Mitwelt haben zu einer verstärkten Umstellung der Ernährung geführt. Die Fleischskandale, nicht artgerechte Tierhaltung haben dazu geführt, dass Fleischverzicht voll im Trend liegt. Laut VEBU (Vegetarierbund Deutschland) leben in Deutschland 7 Millionen Vegetarier und 800.000 Veganer. Die Umstellung auf pflanzliche Nahrung schont die natürlichen Ressourcen.

Das dieser Trend steigt, haben auch die Fastfoodketten, Betriebskantinen und Co erkannt. Veganz, die erste vegane Vollsortiment-Supermarktkette Europas steht mit seinen über 6000 Produkten für Achtung, Respekt und Verantwortung gegenüber allen Menschen, Tieren und der Umwelt. Seit der Eröffnung der ersten Filiale 2011 in Berlin-Prenzlauer Berg gibt es bereits 9 weitere in Deutschland und Europa mit dem Ziel 21 Filialen bis 2015  zu eröffnen.

Auch in vielen Kantinen steigt das vollwertige Angebot für Menschen, die lieber ohne Fleisch leben möchten. Die rein vegane Ernährung wirkt wie die Mission Zero auf den Treibhauseffekt. Dieser Trend wird auch von den Kranken- oder wie ich sie lieber nenne Gesundheitskassen wahrgenommen. Alle haben erkannt, dass einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ein Umlegen des Schalters im Kopf vorausgeht. Die Menschen und damit auch die Beitragszahler rauchen und trinken meist gar nicht, machen mehr Sport und sind folglich auch weniger krank.

Wirtschaft verändert Produktpalette

Auch ich mußte den Schalter im Kopf umlegen als mich Avesu , Anbieter für vegane Schuhe, als mein erster tierfreiausgerichteter Kunde nach Bürostühlen fragte ohne tierische Bestandteile. Doch den Wunsch zu erfüllen war nicht schwierig, dann auch auf dem Gebraucht- oder Neumarkt sind Stoffstühle Standard. Auch PU (Polyurethane Kunststoffe) und recycelte Materialien sind gut vertreten. Was Hanf und Kork angeht, ist die Büromöbelindustrie noch in den Anfängen. Auf diesen Aspekt weißt auch der Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) e. V. hin: „Seit Jahrzehnten in der Verarbeitung fossiler Ressourcen versiert, muss die Industrie für die Rohstoffe aus dem Wald und vom Acker erst die geeigneten Technologien entwickeln.“ Die Hersteller und Verarbeiter nachwachsender Rohstoffe könnten alle einen CO2-Ausweis für ihre Produkte ausstellen. Die Forderung nach einem solchen Label entsprechend dem Lebensmittel- und Elektrogeräteausweis vertritt das Ökoinstitut e. V. Es fordert eine Transparenz für Konsumgüter und die darin verarbeiteten Materialien.

Dieser Forderung entsprechend kommen bei Curriculum, der Greenoffice Agentur anders als auf dem klassische Neu- und Gebrauchtmarkt vermeintlich alte, nicht mehr benötige Möbel nicht in den Müll. Statt sie zu vernichten, werden sie sachverständig bewertet und wieder in den Einrichtungskreislauf eingespeist. So finden sie als wertige Möbel mit Berufserfahrung einen neuen Arbeitsplatz.

Abschließend wird das Fazit der Studie „C02-Einsparpotenziale für Verbraucher“ des Ökoinsitut e. V. geteilt: „Mit wenigen Ausnahmen wird es auf lange Zeit hinaus nicht möglich sein, für viele unterschiedliche Produktgruppen verlässliche und gereviewte PCF (Product Carbon Footprint) von  Konkurrenzprodukten mit gleichen Bilanzbedingungen zu erhalten.“

Deshalb mein Aufruf zum Abschluss: Macht weiter in eurer Veränderung oder fangt an auszuprobieren. Legt den Schalter im Kopf um.

Autor: Christine Müller

Gründerin und Geschäftsführerin
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Christine Müller

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